ReiseKroatiens Adriaküste von Zadar bis Dubrovnik

Thomas Kittel

 · 01.08.2022

Reise: Kroatiens Adriaküste von Zadar bis DubrovnikFoto: Thomas Kittel

In den Süden: Mit ihrer „Azura“ erkunden Thomas und Jutta Kittel eines der schönsten Reviere des Mittelmeers – die kroatische Küste. Im abschließenden, zweiten Teil ihrer Entdeckungsreise geht es von Zadar durch die Inselwelt Dalmatiens bis hinunter nach Dubrovnik

Nach dem betriebsamen Zadar geht es nun in eine völlig andere Welt – zu den „Sternen im Meer“, wie BOOTE in Anlehnung an George Bernard Shaw die Kornaten 2019 genannt hat. Diese Gruppe von gut 130 Inseln stellt den südlichsten Teil einer Inselkette dar und erstreckt sich von Zadar bis Šibenik. Die Inseln verdanken ihre Berühmtheit wohl ihrer ungewöhnlichen Kargheit. Wer das Besondere sucht, gepaart mit einem Schuss Einsamkeit, ist hier genau richtig. Wobei das mit der Einsamkeit wohl eher abnimmt – trotz stark gestiegener Eintrittspreise, die für das Befahren des Naturparks Kornaten anfallen. Außerdem gibt es einige Marinas und in vielen Buchten Konobas – kleine Restaurants, die landestypische Gerichte anbieten.

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Unser erstes Ziel dort ist die Marina Piškera, in deren Liegegebühr der Eintrittspreis in den Naturpark bereits enthalten ist. Wir lassen uns Zeit und machen einige Umwege, um wunderschöne Ankerbuchten zu entdecken und den Archipel auch von der Seeseite zu betrachten. Dort prägt steile Felsküste mit senkrechten Abbruchkanten und Höhlen das Bild. Wir sind begeistert. So haben wir uns den Auftakt zum zweiten Teil unseres Törns mit „Azura“ entlang der kroatischen Adriaküste erhofft. Nach dem Norden (siehe BOOTE 6/22) haben wir nun den Süden vor uns.

„Azura“ auf dem Weg zu den Kornaten mit dem Ziel PiŠkeraFoto: Thomas Kittel
„Azura“ auf dem Weg zu den Kornaten mit dem Ziel PiŠkera

Die Marina Piškera liegt am äußersten Rand der Kornaten auf der gleichnamigen Insel. Als wir am frühen Nachmittag dort ankommen, ist kaum ein Schiff im Hafen, und man bekommt das Gefühl, am Rande der Zivilisation unterwegs zu sein. Am Nachmittag und Abend füllt sich die Marina jedoch zusehends, wobei Segler den Ton angeben. Wir werden freundlich empfangen und genießen den trügerischen Luxus, neben den beiden Muringleinen am Bug mit zwei weiteren seitlichen Muringleinen vertäut zu werden. Dieser bei den herrschenden Bedingungen völlig überflüssige Vorteil wird uns noch Kopfzerbrechen bescheren.

Denn als wir am nächsten Morgen bei herrlichsten Wetterbedingungen ablegen, verfängt sich eine der seitlichen Muringleinen in unserem Backbordpropeller. Bevor ich es bemerke, ist die Leine aufgewickelt, und die Maschine geht von selbst aus. Nun hängen wir da fest, und guter Rat ist teuer, denn einen Taucher hat man in dieser Marina nicht zur Verfügung. Schließlich erklärt sich einer der Marineros bereit, zumindest unter das Schiff zu tauchen, um zu sehen, was überhaupt los ist. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Muringleine hat sich um die Welle und den Propeller gewickelt und sitzt bombenfest. Was tun? In mehreren Tauchgängen wird sie durchtrennt, wobei unser geriffeltes Brotmesser gute Dienste leistet. Nun können wir zumindest mit einer Maschine bis zum nächsten größeren Hafen weiterfahren. Noch von den Kornaten rufen wir die Marina Mandalina in Šibenik an. Man hat eine Telefonnummer parat, und der Taucher dort stellt sich später als absoluter Profi heraus. Mit Sauerstoffflasche auf dem Rücken geht er an die Arbeit. Mit der Zeit kommt immer mehr herausgeschnittene Leine auf dem Schwimmsteg an. Auch ein durch die Reibungshitze bereits plastifiziertes Stück ist darunter, zum Glück aber so klein, dass es sich noch gut entfernen lässt. Schließlich ist die Welle befreit. Die Erleichterung und Freude ist trotz stattlicher Gesamtrechnung groß.

Die Wasserfälle der KrkaFoto: Thomas Kittel
Die Wasserfälle der Krka

So machen wir uns gleich noch auf den Weg ins Inland zu den berühmten Wasserfällen am Fluss Krka. Der windet sich durch Seen und Schluchten, bis wir die malerische Ortschaft Skradin erreichen. Eingezwängt zwischen Bergen liegen überraschend viele und auch große Schiffe am Kai und in der Marina. Zahlreiche Restaurants zeugen davon, dass hier einiges los ist: Ausflugsboote fahren stündlich zu den Wasserfällen im Krka-Nationalpark. Dort stürzt der Fluss in Kaskaden über mehrere Terrassen etwa 45 Meter in die Tiefe. Aus diesem Grund entstand hier 1895 auch das erste Wasserkraftwerk Kroatiens – nur kurz nach dem ersten Großkraftwerk der Welt an den Niagarafällen.

Der nächste Tag gehört dann Šibenik, dessen italienische Prägung unverkennbar ist. Durch enge Gassen kann man über 2800 Stufen die Altstadt erkunden. Das bedeutendste Baudenkmal ist die spätgotische Kathedrale des Heiligen Jakob, deren Dach aus einem Tonnengewölbe mit freitragenden Steinplatten besteht. Šibenik ist voller Leben und weist trotzdem viele stille, romantische Winkel auf. Man muss sich nur einmal wenige Meter von den Touristenpfaden entfernen und steht in einer anderen Welt.

Unser nächstes Ziel heißt Trogir, erneut ein uns völlig unbekannter Ort mit großer Vergangenheit und Gegenwart. Während der Fahrt nimmt der Wind wie schon ein paar Mal zuvor mächtig zu, bis er dauerhaft mit fünf Beaufort bläst. Wir haben ihn überwiegend von achtern, aber die uns entgegenkommenden Boote müssen etwas mehr Seegang und Spray ertragen. Trogir ist als Anlaufhafen sehr begehrt, und so haben wir Glück, noch einen Liegeplatz zu ergattern – diesmal längsseits an einem Schwimmsteg, wo sonst mit Muringleinen festgemacht wird. Vom Achterdeck schauen wir direkt auf die Altstadt und die Festung Kamerlengo. Einfach schön.

 Blick vom KaŠtel Kamerlengo in Trogir, die Brücken führen hinüber zur Insel ČiovoFoto: Thomas Kittel
Blick vom KaŠtel Kamerlengo in Trogir, die Brücken führen hinüber zur Insel Čiovo

Statt nun sofort nach Split zu gehen, laufen wir den wunderschönen kleinen Ort Milna auf der vorgelagerten Insel Brač an – allerdings nicht auf direktem Wege, sondern südlich um die Insel Šolta herum. Umwege sind hier keine Last, sondern ein Vergnügen. Und von Brač ist es nur ein gemütlicher Katzensprung, und so nehmen wir uns vor, die „Bucht der Kastelle“ zu befahren und zu versuchen, die noch existierenden sieben Exemplare vom Wasser aus zu identifizieren. Das ist nicht einfach, da die alten Wehranlagen oft eins mit der sie umgebenden Bebauung geworden sind, aber wir bekommen es hin.

Die Großstadt Split mit ihrem Flughafen stellt sich als Drehkreuz für Kreuzfahrer, für die Fähren zu den vorgelagerten Inseln und für die zahlreichen Vercharterer heraus. Im Hafen sieht man ständig Menschen mit Rollkoffern oder Segeltaschen zu und von den Schiffen strömen. Das Wasser in der riesigen Hafenbucht ist ständig in Unruhe durch die ein- und auslaufenden Schiffe. Der Schwell klatscht mit Getöse bis in die Abendstunden an die Betonpiers. Aber Split hat natürlich mehr zu bieten als Betriebsamkeit. Die Ursprünge der Stadt lassen sich auf den berühmten Diokletianpalast aus römischer Zeit zurückführen, der schon seit 1979 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

Jetzt machen wir uns auf den Weg zur Marina Vrboska auf der Insel Hvar. Statt des kürzesten Weges fahren wir östlich um die davor liegende Insel Brač herum. Auf der Fahrt laufen wir kurz den Ort Pučišća an, der gut geschützt am Ende einer langen Bucht liegt. Die Einfahrt ist schon aus großer Entfernung auszumachen, da hier der große Kalksteinbruch liegt, der für die Geschichte des Ortes eine große Bedeutung hat. Am Nordufer der Hafenpier liegt die 1906 gegründete Steinmetzschule – die einzige Kroatiens. Angeblich soll sogar ein Teil des Weißen Hauses in Washington mit dem hiesigem Kalkstein gebaut worden sein – wer weiß...

Blick auf den Hafen der Stadt Hvar mit den vorgelagerten Pakleni-InselnFoto: Thomas Kittel
Blick auf den Hafen der Stadt Hvar mit den vorgelagerten Pakleni-Inseln

Als wir nach Umrundung des östlichen Endes von Brač Kurs auf Vrboska im Norden von Hvar nehmen, bläst der Westwind ungebremst durch den Hvarski Kanal zwischen Brač und Hvar und lässt einen gewissen Seegang entstehen. Die Segler um uns herum machen mächtig Fahrt. In der Naturbucht von Vrboska lässt der Wind dann aber deutlich nach. Beim Gang zum Abendessen sehen wir zwei poppig lackierte VW-Käfer, die als Cabrio „Marke Eigenbau“ gemietet werden können. Am nächsten Morgen stehe ich vor der bereits offenen Tür des Vermieters, und wir sind uns bald handelseinig. So düsen wir wie in Studentenzeiten mit offenem Dach und lässig heraushängendem Arm über die Insel, deren touristisches Epizentrum sich im gleichnamigen Hauptort Hvar befindet. Über dem Hafen thront die beeindruckende und sehr gut erhaltene Španjola, die Spanische Festung. Von hier hat man einen fantastischen Blick auf die vorgelagerten Pakleni-Inseln, die in ihrer Geometrie von oben ein wenig an einige kreisrunde Kornaten erinnern.

An den Pakleni-Inseln vorbei geht es aufs offene Meer hinaus. Die Westspitze von Korčula liegt nur etwa 15 Seemeilen entfernt, sodass die Konturen der Bergsilhouette bereits gut zu erkennen sind. Unser hervorragendes „Küstenhandbuch Kroatien“ weist in Vela Luka noch keine Marina aus, aber seit etwa einem Jahr gibt es dort eine: die Marina Korkyra. Für die Piers der Marina hat man eine Menge Beton verbaut und gleichzeitig einen recht unorthodoxen Grundriss verwirklicht. Vermutlich herrschen hier im Winter in der nach Westen offenen Bucht Bedingungen, die einen solch massiven Schutz erforderlich machen.

Der Hauptort Korčulas liegt am anderen Ende und trägt den gleichen Namen wie die Insel selbst. Hier handeln wir uns zum zweiten Mal auf unserer Reise eine Liegeplatzabsage ein und weichen ins benachbarte Lumbarda aus. Dort hat man Platz für uns, und wir genießen die Fahrt entlang der Südküste. Dabei nutzen wir am Anfang der Route die Möglichkeit, hinter den zahlreichen kleinen vorgelagerten Inseln herzufahren und entdecken erneut stille kleine Flecken und Buchten. Wenn man sich Lumbarda wie wir von Westen her nähert, erhebt sich nach und nach hinter Korčula das Gebirge der Halbinsel Pelješac.

Der zentrumnahste Strand von KorČula liegt am Naturhafen der Stadt, im Südwesten des historischen StadtbezirksFoto: Thomas Kittel
Der zentrumnahste Strand von KorČula liegt am Naturhafen der Stadt, im Südwesten des historischen Stadtbezirks

Korčula besuchen wir mit dem Dingi. Die auf einer kleinen Halbinsel gelegene Altstadt erfüllt alle Wünsche, die ein Tourist haben mag. Sie ist hübsch restauriert und wird von Fähren, Yachten und Ausflugsschiffen gleichermaßen angelaufen. Schnell ist uns auch klar, warum wir dort keinen Liegeplatz bekamen. Die ACI Marina Korčula wird aufwendig erweitert, um mehr und auch größere Boote aufnehmen zu können. Korčula verkauft sich übrigens geschäftstüchtig als Geburtsort von Marco Polo, wobei dies keineswegs als historisch gesichert gilt. Das tut unserer Freude aber keinen Abbruch und ändert auch nichts an unserer Bewunderung für diesen großen venezianischen Reisenden.

Auf ganz besonderen Wunsch meiner Frau nehmen wir als Nächstes die sogenannte Honiginsel Mljet ins Visier. Hier gibt es keine Marinas, aber zahlreiche Inseln und Buchten, teilweise mit Bojen oder kleinen Anlegestellen versehen. Auch die am Wasser liegenden Konobas (Tavernen) bieten Liegeplätze mit Muring­leinen, die kostenlos sind, wenn man dort einkehrt. Wir haben das mit unserer Schiffsgröße noch nicht getestet, und so bleibt zunächst offen, wo wir die nächste Nacht verbringen werden. Unterwegs sehen wir zum wiederholten Mal Delfine, die uns ganz nah heranlassen, ohne gleich abzutauchen. Offenbar ist man in der Bucht von Pomena auch auf unsere Schiffsgröße eingerichtet, denn die Muringleinen sind lang und stark genug.

Mljet ist besonders bekannt für seinen grünlich schimmernden Binnensee, der seinerseits eine kleine Insel aufweist, auf der die Benediktiner im 12. Jahrhundert eine Abtei gebaut haben. Heute gehört das Ensemble zu den größten Kulturdenkmalen Kroatiens. Mit einem solargetriebenen Katamaran gleiten wir dann fast geräuschlos über den See zum ehemaligen Kloster, wo eine fast entrückte Atmosphäre den Besucher umgibt. Zurück in Pomena, speisen wir vor dem Heck unserer „Azura“ in der Konoba Ribar und genießen neben dem leckeren Essen einen Sonnenuntergang der Sonderklasse. Bei völliger Windstille und in einer Luft wie Samt fühlen wir uns wie im Vorzimmer zum Paradies.

Bucht von Okuklje auf der Insel MljetFoto: Thomas Kittel
Bucht von Okuklje auf der Insel Mljet

Da wir ausreichend Zeit eingeplant haben, trudeln wie gemächlich durch die dalmatinische Inselwelt und genießen die Natur. Man entdeckt ständig neue Perspektiven und landschaftliche Schönheiten. Für die nächste Nacht haben wir uns die Bucht Luka Sipanska ausgesucht. Die Insel Sipan gehört zu den Elaphitischen Inseln und bietet in dieser gut geschützten, romantischen Bucht das überregional bekannte Restaurant Kod Marka. Die restauranteigenen Bojen sind zwar mittags bereits ausgebucht, aber mit Glück bekommen wir noch einen Tisch für den Abend.

Auf der letzten Etappe umkreisen wir die Elaphitischen Inseln, bevor wir Kurs auf Dubrovnik nehmen. Schon von Weitem ist die hohe Schrägseilbrücke über den Fluss Ombla zu erkennen – übrigens mit nur etwa vier Kilometer Länge einer der kürzesten schiffbaren Flüsse Europas. Die ACI-Marina liegt idyllisch an seinem Ende, umgeben von steilen, überwiegend grünen Bergen. Auf dem gegenüberliegenden Ufer befindet sich ein Franziskanerkloster, das besichtigt werden kann und nachts angestrahlt wird. Die Altstadt Dubrovniks befindet sich ein gutes Stück östlich des modernen Zentrums. Sie macht schon von See einen gewaltigen Eindruck. Wir beginnen zu verstehen, warum sie jedes Jahr Heerscharen von Touristen anlockt. Das passende Programm also für unseren letzten Tag in Kroatien. Wir wandern über die vollständig erhaltene Stadtmauer, die mit mehreren Wehrtürmen die gesamte Altstadt umschließt. Da sie auf einem stattlichen Felssockel mit unterschiedlichen Höhen erbaut wurde, führt auch die Mauer auf und ab und erlaubt ständig wechselnde Motive, Panoramen und Blickwinkel. Nach sechs fantastischen Wochen sind es würdige abschließende Eindrücke einer einmaligen Reise.

Gemeinsam mit „Azura“ haben wir nun nur noch den ver­gleichs­wei­se kurzen Weg zum Winterlager in Montenegro vor uns. Im nächsten Sommer werden wir die Reise fortsetzen. Was dann auf das Vorzimmer zum Paradies folgt? Wir werden sehen.

Den Reisebericht “In den Süden” finden Sie in BOOTE-Ausgabe 09/2022. Ab dem 17. August 2022 am Kiosk, online direkt im Delius-Klasing-Shop – und schon jetzt hier.

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