Als ein Bremer Bootseigner am Donnerstagmorgen gegen 10 Uhr zu seinem Liegeplatz kam, traute er seinen Augen kaum: Anstelle seines Bootes fand er nur noch durchgeschnittenes Tauwerk vor. Sein Boot "Mücke", eine Banta 545 Sundeck, war spurlos verschwunden. Erst am Vorabend um 17 Uhr hatte ein Zeuge das Boot noch am Steg gesehen. Die Täter müssen in der Nacht zugeschlagen haben – und nahmen nicht nur das Boot mit, sondern auch die nagelneue Persenning, Angelausrüstung und persönliche Dokumente des Eigners. Die Wasserschutzpolizei Bremen ermittelt.
Der Eigner hatte die Banta 545 Sundeck erst am 19. Mai gekauft – für 22.000 Euro inklusive Trailer. Das polnische Motorboot war gerade einmal fünf Jahre alt und hatte erst 180 Betriebsstunden auf dem Zähler. "Wir hatten vorher auch ein Boot, aber ein größeres", erzählt der Eigner im Gespräch. "Wir wollten uns eigentlich vergrößern, aber da wir beide arbeiten, haben wir uns gedacht: das kostet zu viel Zeit. Dann nehmen wir was Kleineres, was modern ist."
Seit dem 2. Juni lag die "Mücke" im Wasser. Zweimal waren die Eigner damit gefahren. "Wir wollten eigentlich heute los", sagt der Eigner am Tag nach der Entdeckung des Diebstahls. "Ich wollte gestern auch die erste Nacht drauf schlafen, aber daraus wurde nichts."
Technische Daten der gestohlenen Banta 545 Sundeck:
| Typ | Banta 545 Sundeck |
| Länge | 5,45 m |
| Breite | 2,38 m |
| Alter | 5 Jahre |
| Motor | Yamaha Außenborder, 71 PS |
| Betriebsstunden | 180 h |
| Bootsname | "Mücke" |
Die Täter gingen gründlich vor: Sie schnitten die Festmacher durch und machten sich mit der kompletten Ausrüstung davon. An Bord befanden sich eine neue Persenning im Wert von 1.200 Euro, Angelausrüstung, zwei neue Anker, neue Leinen sowie die Tender. Besonders unangenehm: Auch der Bootsführerschein und der Angelausweis des Eigners waren an Bord – mit seiner Privatadresse.
"Das ist natürlich auch ein ganz unangenehmes Gefühl", sagt der Eigner. Wie die Täter das Boot in Gang brachten, ist unklar. Der Eigner hatte sowohl den Zündschlüssel als auch den Schlüssel für den Batteriehauptschalter bei sich. "Es wurde wohl entweder kurzgeschlossen oder mit einem anderen Boot abgeschleppt", vermutet er.
Die Wasserschutzpolizei Bremen hat die Ermittlungen aufgenommen und alle Schleusen in der Region angeschrieben, ihre Videoaufnahmen auszuwerten. Der Sportboothafen Hemelingen liegt an der Weser – von dort aus können Boote flussabwärts Richtung Bremerhaven oder flussaufwärts Richtung Verden fahren.
Die Richtung Bremerhaven erscheint allerdings unwahrscheinlich: Die Sportbootschleuse ist bis Ende Juli geschlossen, nur die Berufsschifffahrtsschleuse ist zu bestimmten Zeiten geöffnet. Richtung Verden liegt die erste Schleuse in Langwedel. Der Eigner hofft, dass die Videoauswertung Hinweise bringt.
Der Fall reiht sich ein in eine Reihe von Boots- und Motorendiebstählen in Bremen. "In Hemelingen wurden schon öfters Motoren geklaut", berichtet der Eigner. "Im Yachthafen nebenan, der Marina, wurde am Sonntag ein Motor geklaut – vom Boot, das auf dem Trailer stand."
Der Eigner vermutet, dass die Täter ursprünglich nur den Motor stehlen wollten. "Das Wasser ist da ja nicht tief, das sind 1,30 bis 1,40 Meter ungefähr im Hafen. Ich denke mal, dass sie versucht haben, den Motor an Ort und Stelle abzubauen, dass sie das aber nicht so einfach abgekriegt haben – und dann das ganze Boot mitgenommen haben."
Der Eigner hat das Boot versichert, doch die Versicherung wird wohl erst nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen einspringen. "Das heißt, wenn die Polizei die Ermittlungen einstellt, wenn sie es nicht mehr finden können", erklärt er. Bitteres Fazit: "Diese Saison ist für uns glaube ich gelaufen."
Der Eigner durchforstet täglich Ebay Kleinanzeigen und andere Plattformen, ob sein Boot zum Verkauf angeboten wird. Über eine Ebay-Kleinanzeigen-Meldung erfuhr er immerhin, dass noch jemand am Mittwoch um 21 Uhr am Hafen war, aber nichts Besonderes bemerkt hat. "Der Diebstahl muss dann in der Nacht gewesen sein", sagt er.
Ein Sprecher der Wasserschutzpolizei Bremen bestätigt, dass Außenborder- und Bootsdiebstähle ein "Saisongeschäft" sind. Besonders in den Monaten zwischen Mai und Herbst, wenn viele Boote im Wasser liegen, steigt die Zahl der Delikte. Viele Wassersportvereine haben bereits reagiert und Kamerasysteme installiert oder setzen auf Sicherheitskräfte. "Gerade für uns in der beweissicheren Verfahrenserhebung ist es relevant, Beweismaterial in Form von Videoaufnahmen oder Zeugenaussagen zu bekommen", so der Sprecher. Die Wasserschutzpolizei führt dort Schwerpunktmaßnahmen durch, wo sich Taten häufen, und arbeitet eng mit den Wassersportvereinen zusammen, um Schwachstellen zu analysieren und präventive Maßnahmen zu entwickeln.
Als Kontaktperson und Berater für Sportbootvereine in Bremen steht Lars Guschke von der Wasserschutzpolizei Bremen zur Verfügung, der unter der Rufnummer 0421-362-9833 zu erreichen ist. Guschke arbeitet im sogenannten KoPP-Modell (Kontaktpolizist) und berät Vereine gezielt zu Präventionsmaßnahmen wie Außenbordercodierung und Hafensicherheit.
Hinweise zu Sichtungen der gestohlenen Banta 545 Sundeck "Mücke" nimmt die Wasserschutzpolizei Bremen unter der Rufnummer 0471-596-98504 entgegen – diese Nummer ist rund um die Uhr, 24/7, erreichbar.

Redakteurin Panorama und Reise
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