Als am Mittag des 12. Juli ein Notruf in der von der DGzRS betriebenen Rettungsleitstelle See, dem Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC) Bremen, einging, war sofort klar, dass jede Minute zählte. Südlich von Neustadt/Holstein war ein 60-jähriger Skipper an Bord seines rund 15 Meter langen Motorbootes zusammengebrochen. Nach Angaben der Seenotretter erlitt er offenbar einen Herz-Kreislauf-Stillstand.
Während seine Ehefrau sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begann, alarmierte die Rettungsleitstelle das Seenotrettungsboot „Henrich Wuppesahl“. Zusätzlich gingen ein Notarzt und ein Notfallsanitäter des Landrettungsdienstes mit an Bord.
Bereits rund zehn Minuten später erreichten die Seenotretter das Motorboot. Das medizinische Team übernahm die laufende Reanimation. Ein befreundeter Bootsfahrer hatte inzwischen das havarierte Boot in Schlepp genommen, sodass der Patient im Hafen an einen Rettungswagen übergeben und anschließend in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht werden konnte.
Der Einsatz zeigt eindrucksvoll, wie schnell sich ein entspannter Törn in einen lebensbedrohlichen Notfall verwandeln kann. Gerade auf dem Wasser vergeht oft wertvolle Zeit, bis professionelle Hilfe eintrifft. Umso wichtiger ist es, dass Skipper und Mitfahrer die ersten Maßnahmen sicher beherrschen.
Dabei ist zunächst entscheidend, zwischen einem Herzinfarkt und einem Herzstillstand zu unterscheiden. Beide Erkrankungen betreffen das Herz, verlangen aber unterschiedliche Sofortmaßnahmen.
Bei einem Herzinfarkt ist der Betroffene meist bei Bewusstsein. Typische Anzeichen sind starke Schmerzen oder ein Engegefühl hinter dem Brustbein, Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit oder Schmerzen, die in Arme, Rücken, Hals oder Kiefer ausstrahlen. Besonders bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern können die Beschwerden allerdings deutlich unspezifischer sein.
Wer solche Symptome bemerkt, sollte sofort den Notruf über 112 oder per UKW-Funk Kanal 16 absetzen und die Position möglichst genau durchgeben. Das Boot sollte gesichert werden. Idealerweise übernimmt eine andere Person das Steuer oder der Autopilot hält den Kurs. Der Betroffene sollte mit leicht erhöhtem Oberkörper ruhig gelagert und ständig beobachtet werden. Verschlechtert sich sein Zustand oder verliert er das Bewusstsein, muss überprüft werden, ob ein Herzstillstand eingetreten ist.
Ein Herzstillstand tritt meist plötzlich auf. Die betroffene Person reagiert nicht mehr auf Ansprache, ist bewusstlos und atmet entweder gar nicht oder nur noch mit vereinzelter Schnappatmung. Diese Schnappatmung ist keine normale Atmung und muss wie ein Atemstillstand behandelt werden.
Bereits nach wenigen Minuten ohne ausreichende Sauerstoffversorgung können irreversible Hirnschäden auftreten. Deshalb gilt: Lieber einmal zu viel mit der Wiederbelebung beginnen als einmal zu wenig.
Reagiert die Person nicht und atmet nicht normal, muss sofort Hilfe alarmiert werden. Gleichzeitig sollte das Boot gesichert werden, damit sich die Crew vollständig auf den Patienten konzentrieren kann.
Anschließend beginnt unmittelbar die Herz-Lungen-Wiederbelebung. Dabei werden 30 kräftige Herzdruckmassagen in der Mitte des Brustkorbs durchgeführt. Die Drucktiefe sollte etwa fünf bis sechs Zentimeter betragen, die Frequenz zwischen 100 und 120 Kompressionen pro Minute liegen. Wer die Beatmung sicher beherrscht, ergänzt jeweils zwei Beatmungen. Ist das nicht möglich oder gewünscht, werden kontinuierlich Herzdruckmassagen durchgeführt.
Sind mehrere Helfer an Bord, sollten sie sich etwa alle zwei Minuten abwechseln. Die Wiederbelebung wird ohne Unterbrechung fortgesetzt, bis professionelle Hilfe übernimmt oder die betroffene Person wieder normal atmet.
Immer häufiger befinden sich automatisierte externe Defibrillatoren (AED) auf größeren Sportbooten, in Marinas oder Vereinsheimen. Sie können die Überlebenschancen deutlich erhöhen.
Das Gerät analysiert selbstständig den Herzrhythmus und gibt nur dann einen Stromstoß frei, wenn tatsächlich ein schockbarer Herzrhythmus vorliegt. Fehlanwendungen sind dadurch praktisch ausgeschlossen. Die Sprachansagen führen auch medizinische Laien Schritt für Schritt durch die Wiederbelebung.
Der aktuelle Einsatz vor Neustadt/Holstein zeigt erneut, dass medizinische Notfälle keineswegs selten sind. Wer regelmäßig längere Törns unternimmt, sollte seine Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig auffrischen und sich mit den Abläufen an Bord vertraut machen.
Ebenso sinnvoll ist eine klare Aufgabenverteilung innerhalb der Crew: Wer setzt den Notruf ab? Wer übernimmt die Wiederbelebung? Wer hält das Boot manövrierfähig oder bereitet die Übergabe an Rettungskräfte vor? Solche Absprachen kosten vor dem Ablegen nur wenige Minuten, können im Ernstfall aber entscheidend sein.
Sollte ein automatisierter Defibrillator auf größeren Sportbooten und in jeder Marina zur Standardausstattung gehören, oder ist regelmäßiges Reanimationstraining wichtiger? Schreiben Sie Ihre Meinung und Erfahrungen in die Kommentare.

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