KuriosKleintransporter rammt Rettungskreuzer

Pascal Schürmann

 · 30.04.2026

Kleintransporter kracht in Reling eines Rettungskreuzers in Sassnitz
Foto: Rügennews
​Im Sassnitzer Hafen ist ein Kleintransporter eines Paketdienstes unkontrolliert auf das Deck eines festgemachten Seenotrettungskreuzers der DGzRS gerollt. Der Fahrer befand sich während des Vorfalls im Laderaum seines Fahrzeugs. Er erlitt bei dem Unfall leichte Verletzungen, Auto und Schiff wurden beschädigt.

Der ungewöhnliche Vorfall war der Wasserschutzpolizei Sassnitz gestern Mittag gemeldet worden. Vor Ort erklärte der 36-jährige Fahrer des Lieferfahrzeugs den Beamten, dass er im Stadthafen in der Nähe der Kaikante gehalten habe, um eine Zustellung durchzuführen. Während er sich noch im Laderaum seines Transporters aufgehalten habe, habe sich das Fahrzeug selbstständig in Bewegung gesetzt.

Es rollte mit der Vorderachse über die Kaikante auf das Deck des DGzRS-Seenotrettungskreuzers "Harro Koebke". Dabei wurde die Reling des Kreuzers stark beschädigt, im Laderaum des Lieferfahrzeugs zog sich der Paketzusteller eine leichte Verletzung zu. Ein Atemalkoholtest verlief negativ.

Einem Abschleppunternehmen gelang es später, den Lieferwagen zurück auf den Hafenkai zu ziehen und abzutransportieren. Der Zusteller erhielt eine Ordnungswidrigkeitenanzeige. Der Gesamtsachschaden beläuft sich laut einer ersten Einschätzung der Polizei auf rund 7.000 Euro.

​Einsätze in einem herausfordernden Seegebiet

Bei der “Harro Koebke” handelt es sich um einen Seenotrettungskreuzer der 36,5-Meter-Klasse. Ihr Liegeplatz befindet sich im Sassnitzer Hafen an der Westmole. Sie ist rund um die Uhr mit fünf Mann besetzt. Die Besatzung besteht aus elf fest angestellten und zwölf freiwilligen Seenotrettern um Vormann Andreas Schumacher.

​Das Einsatzgebiet ist das stark befahrenen Revier vor Rügen, wo sich die Verkehrsströme zwischen der Westlichen Ostsee, Skandinavien, Polen und dem Baltikum kreuzen. Rund um die Insel sind zudem zahlreiche Motorboote und Segelyachten unterwegs, und auch die bei Touristen beliebten Kreidefelsen sorgen immer wieder für Einsätze der Seenotretter.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Gebaut wurde die “Harro Koebke” auf der Fassmer-Werft in Berne an der Unterweser, in Dienst gestellt wurde sie 2012. Der Name des Schiffs erinnert an einen Unternehmer aus Süddeutschland, der die Seenotretter mit einer namhaften Zuwendung aus seinem Nachlass bedacht hatte. Der Name des Tochterbootes lautet “Notarius” und verweist auf eine der zentralen Figuren der traditionsreichen Bremer Eiswette von 1829, die seit Jahrzehnten mit Spenden die Seenotretter unterstützt.

Pascal Schürmann

Pascal Schürmann

Textchef YACHT

Pascal Schürmann hat 2001 bei der YACHT in Hamburg als Textchef angeheuert. Den Umgang mit Pinne und Schot lernte er als Jugendlicher in der Wanderjolle auf dem Sneeker Meer sowie auf dem Dickschiff auf dem IJsselmeer. Während und nach dem Studium folgten Törns auf der Ostsee und im Mittelmeer. Als gelernter Wirtschaftsjournalist kümmert er sich zudem um Bootsfinanzierungs- und Yachtversicherungsberichte, hegt aber auch ein Faible für Blauwasserthemen.

Meistgelesen in der Rubrik Special