Bauarbeiter haben am Strand von Norderney während der Verlegung von Seekabeln für ein Offshore-Projekt die Überreste eines historischen Schiffswracks entdeckt. Das niederländische Holzschiff stammt nach ersten Einschätzungen der Experten der Ostfriesischen Landschaft aus dem 17. oder 18. Jahrhundert und ist damit etwa 300 Jahre alt, wie verschiedene Medien am Donnerstag berichten. Der Netzbetreiber Amprion, der die Baustelle betreibt, unterbrach die Arbeiten an der Fundstelle vorübergehend. Die Archäologen vermuten, dass das Schiff eine Länge von etwa 15 Metern und eine Breite von fünf Metern aufwies. Das Wrack wurde nahezu vollständig aus Holz gebaut, was für Schiffe dieser Epoche charakteristisch ist.
Das Fachteam der Ostfriesischen Landschaft entnahm bereits Proben der Wrackteile, um das genaue Alter zu bestimmen. Die sichtbaren Teile des Wracks wurden am Donnerstagnachmittag geborgen und abtransportiert. Nun sollen sie umfassend archäologisch dokumentiert werden, wie die Experten schildern. Der Rest des Schiffes, der sich noch im Boden befindet, soll an Ort und Stelle verbleiben. Die Entscheidung, nur die bereits freigelegten Fragmente zu bergen, erfolgte in Abstimmung mit den Archäologen. Die Untersuchung der geborgenen Teile könnte neue Erkenntnisse über den Schiffbau und die Seefahrt dieser Epoche liefern. Der Schutz des Fundes habe Vorrang. Der Zeitplan der Kabelverlegung sei durch die Unterbrechung aber nicht gefährdet.
Die Bauarbeiten für die Offshore-Anbindung auf Norderney hatten Anfang Juli begonnen. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion verlegt auf der Insel derzeit Seekabel für Offshore-Windparks in der Nordsee. Das Projekt ist Teil der Energiewende und soll die Anbindung von Windenergieanlagen auf See an das Festlandnetz gewährleisten. Die Kabel werden in mehreren Rohren verlegt, die am Strand von Norderney ankommen.
Solche Funde sind bei Bauvorhaben an der Küste nicht alltäglich, aber auch nicht völlig ungewöhnlich. Die Nordsee und ihre Küstenregionen bergen zahlreiche historische Schiffswracks, die im Laufe der Jahrhunderte durch Stürme, Unfälle oder kriegerische Handlungen gesunken sind.
Für den gesamten Bereich des Nordfriesischen Wattenmeeres liegen für den Zeitraum vom 17. bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts knapp 900 Strandungsberichte vor. Strandungen waren so häufig, dass sich die Bergung von Wracks und die Rettung Schiffbrüchiger zu einem eigenen Wirtschaftszweig entwickelte. Die gefährlichen Gewässer der Nordsee forderten regelmäßig ihren Tribut von Schiffen, die durch Stürme, Nebel oder Navigationsfehler in Seenot gerieten. Viele dieser Wracks liegen noch heute unter dem Sand der Küste und werden nur gelegentlich durch Erosion oder Bauarbeiten freigelegt.

Redakteurin Wassersport Digital-Redaktion
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