PfingstenKuriose Einsätze für Seenotretter

Pascal Schürmann

 · 26.05.2026

Pfingsten: Kuriose Einsätze für SeenotretterFoto: seenotretter.de
Das auf der Schlei mit Motorschaden liegengebliebene Auto im Schlepp eines Seenotrettungsbootes
Das Pfingstwochenende verlief für Seenotretter, DLRG, Feuerwehren und Wasserschutzpolizei auf Nord- und Ostsee sowie den deutschen Binnengewässern insgesamt vergleichsweise ruhig. Größere Notfälle mit Motorbooten oder Segelyachten blieben aus. Stattdessen sorgten ungewöhnliche Einsätze für Schlagzeilen.

Themen in diesem Artikel

Auf der Schlei geriet ein Amphibienfahrzeug in Seenot. Vor Büsum musste bereits vergangenen Dienstag ein Rehbock aus dem Wasser gerettet werden. Und eine Segelyacht, die nachts auf der Elbe trockenfiel, versetzte ihre Crew so sehr in Angst, dass sie einen Notruf absetzte.

Schlei: Auto am Haken

Am Sonntagnachmittag erlebten die freiwilligen Seenotretter der Station Maasholm einen Einsatz der besonderen Art. Gegen 13 Uhr meldete sich laut eines Berichts der DGzRS der Fahrer eines Amphibienfahrzeugs bei der Rettungsleitstelle See, dem Maritime Rescue Co-ordination Centre (MRCC) Bremen. Vor dem Schleswiger Stadtteil Holm hatte sein Fahrzeug einen Motorschaden erlitten. Aus eigener Kraft konnten er und seine Mitfahrerin das Ufer nicht mehr erreichen.

Mit dem Seenotrettungsboot “Hellmut Manthey” rückten die Maasholmer Seenotretter aus. „Ein Auto im Schlepp hatten wir noch nie", sagte Rettungsmann Sebastian Petersen. Die besondere Herausforderung bestand darin, dass das Amphibienfahrzeug weder über Klampen noch Poller zum Belegen einer Schleppleine verfügte.

Glücklicherweise hatte der Fahrer vor Fahrtantritt eine Leine an der unter Wasser befindlichen Schleppöse seines Autos angebracht. Mit dieser belegten die Seenotretter eine Klampe auf dem Seenotrettungsboot. Anschließend schleppten sie das Fahrzeug langsam nach Haddeby. Aufgrund der geringen Wassertiefe kurz vor dem Strand musste ein Seenotretter in einem Überlebensanzug ins Wasser steigen, um das Auto per Muskelkraft einige Meter zum Ufer zu ziehen. Erst dann reichte die Leine bis zu einem an Land stehenden Fahrzeug, das schließlich das Amphibienauto aus dem Wasser zog.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Direkt im Anschluss liefen die freiwilligen Seenotretter zum nächsten Einsatz weiter: Eine Segelyacht hatte auf der Schlei ebenfalls einen Maschinenschaden erlitten. In diesem Fall war das Schleppen reine Routine.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Büsum: Rehnotrettung

Bereits am vorigen Dienstagvormittag erlebten die Seenotretter der Station Büsum einen ungewöhnlichen Einsatz. Gegen 9.15 Uhr entdeckten Passagiere eines Ausflugskutters vor der Westmole einen Rehbock im Wasser. Wie das Tier dorthin gelangt war, blieb unklar. Fest stand jedoch, dass es dringend Hilfe brauchte, um wieder an Land zu kommen.

Die alarmierten Seenotretter rückten mit dem Arbeitsboot des Seenotrettungskreuzers “Thodor Storm” aus. Sie fanden den Bock mit zittrigen Beinen stehend auf einem Schlickhaufen. Vorsichtig näherten sie sich dem verängstigten Tier. Es gelang ihnen, es mit einem beherzten Griff an Bord zu nehmen. Auf dem Arbeitsboot beruhigte sich der erschöpfte Bock zusehends.

Im Hafen übergaben die Seenotretter das augenscheinlich unverletzte Tier an einen hinzugerufenen Jäger. Der entließ es bereits kurz nach seinem Ausflug in die Nordsee wieder in die Freiheit – in sicherer Entfernung zum Ufer.

​Glückstadt: Schrecken in der Nacht

Ein kaum minder kurioser Einsatz beschäftige die Feuerwehr Glückstadt in der Nacht zum Pfingstmontag. Zu weit fortgeschrittener Stunde wählten zwei Segler den Notruf, weil ihr Boot nahe des Hafens von Glückstadt plötzlich ihrer Meinung nach bedrohlich in Schieflage geraten war. Die Feuerwehr rückte mit ihrem Rettungsboot aus, um den Seglern zu helfen.

Das war im Grunde unnötig. Vor Ort stellte sich heraus, dass die Crew abends den Anker geworfen und sich dann später schlafen gelegt hatte - ohne an die Tide zu denken. Wie die SHZ berichtet, lief das Wasser ab, so dass das Boot erst auf Grund aufsetzte und sich dann auf die Seite legte. Dadurch sei laut des Zeitungsberichts einer der Segler aus der Koje gekullert und habe sich kräftig erschrocken.

Da er sich in Gefahr wähnte, wählte der Mann kurzerhand den Notruf. Die Feuerwehrleute erkannten bei ihrem Eintreffen die harmlose Situation und rieten den Seglern, die Flut abzuwarten und dann weiter zu segeln.

Rügen: Rauchentwicklung auf Segelyacht

Ungleich brenzliger war dagegen im Wortsinn ein Notfall, der sich am Pfingstfreitag nachmittags vor Baabe auf Rügen ereignet hatte. Auf einer Segelyacht war es infolge eines technischen Defekts zu starker Rauchentwicklung gekommen. Das löste zunächst einen Großeinsatz der Rettungskräfte aus. Neben den Feuerwehren aus Baabe, Sellin und Göhren rückte auch das Seenotrettungsboot „Gerhard Elsner" aus.

Die Yacht befand sich vor der Hafeneinfahrt Baabe-Bollwerk. Vor Ort konnten die Einsatzkräfte Entwarnung geben. Die Ursache für den Rauch war kein offenes Feuer, sondern ein technischer Defekt an der Hauptmaschine. Dem Bootsführer war es gelungen, den Hafen aus eigener Kraft anzulaufen. Die drei Besatzungsmitglieder wurden vorsorglich vom Rettungsdienst untersucht. Sie blieben unverletzt.

Gardasee: Einsätze für Motorbootfahrer und Segler

Auch anderswo wurden Wasserretter zu Einsätzen gerufen. Auf dem Gardasee etwa eilte die Küstenwache einer deutschen Familie zu Hilfe, berichte “Qui-Brescia”. Sie war mit ihrem Katamaran im Nordteil des Gewässers dem Ufer zu nahe gekommen, auf einer Untiefe gestrandet und gekentert. Andere Bootsfahrer beobachteten das Malheur und riefen die Retter. Die waren schnell zu Stelle und konnten die Eltern und ihr siebenjähriges Kind bergen.

Im Südteil des Gardasees waren es hingegen Motorbootfahrer, die in eine missliche Lage geraten waren, aus der sie sich nicht selbst zu befreien vermochten. Sie liefen mit ihrem Boot im seichten Bereich zwischen zwei Inseln auf Grund und blieben stecken. Ein Küstenwache- und ein Feuerwehrboot eilten herbei, bargen die Crews ab und schleppten das Motorboot schließlich frei.

Pascal Schürmann

Pascal Schürmann

Textchef YACHT

Pascal Schürmann hat 2001 bei der YACHT in Hamburg als Textchef angeheuert. Den Umgang mit Pinne und Schot lernte er als Jugendlicher in der Wanderjolle auf dem Sneeker Meer sowie auf dem Dickschiff auf dem IJsselmeer. Während und nach dem Studium folgten Törns auf der Ostsee und im Mittelmeer. Als gelernter Wirtschaftsjournalist kümmert er sich zudem um Bootsfinanzierungs- und Yachtversicherungsberichte, hegt aber auch ein Faible für Blauwasserthemen.

Meistgelesen in der Rubrik Special