Die Rettungsinsel gehört zu den Ausrüstungsgegenständen, die an Bord möglichst nie gebraucht werden. Gerade deshalb bleibt sie für viele Eigner und Skipper abstrakt. Sie ist verstaut, gewartet, im besten Fall geprüft und soll im Notfall sofort funktionieren. Doch wie der Umstieg tatsächlich abläuft, wissen viele nur in der Theorie.
Dabei entscheidet in einer Havarie nicht nur die Ausrüstung, sondern vor allem der Ablauf. Wer die Reihenfolge kennt, kann auch unter Stress strukturierter handeln. Das gilt besonders dann, wenn Feuer, Wassereinbruch oder ein anderer schwerer Schaden das Boot unbewohnbar machen.
Der wichtigste Grundsatz lautet: Die Rettungsinsel ist keine Ausweichlösung für unruhige Minuten an Bord. Sie kommt erst dann infrage, wenn das Boot seine Schutzfunktion verliert. Solange es schwimmt, sichtbar bleibt und der Crew noch Sicherheit bietet, ist es in der Regel die bessere Plattform.
Für Motorbootfahrer kann dieser Punkt etwa bei einem Brand, nach einer Kollision oder bei massivem Wassereinbruch erreicht sein. Dann muss die Entscheidung zum Umstieg bewusst fallen und darf nicht aus Hektik entstehen.
An vielen Booten ist die Rettungsinsel vorhanden, praktisch geübt wurde sie aber nie. Für viele ist sie ein weißer Container oder Koffer, der irgendwo an Bord verstaut ist und im Notfall Leben retten soll. Je nach Ausführung bringt eine Insel schnell 25 bis 40 Kilo auf die Waage. Trotzdem bleibt sie oft ein Ausrüstungsgegenstand, dessen Handhabung kaum jemand aus eigener Erfahrung kennt.
Genau darin liegt ein Risiko. Wer den Ablauf nur vom Hörensagen kennt, muss in einer Extremsituation gleichzeitig entscheiden, organisieren und handeln. Sicherheitstrainings, wie zum Beispiel bei der Segelschule Well Sailing mit Stationen in Neustadt (Ostsee) oder Hamburg, zeigen immer wieder, wie hilfreich es ist, die einzelnen Schritte wenigstens einmal praktisch oder gedanklich durchgespielt zu haben. Wer weiß, wie die Insel ausgelöst wird, wie sie am Boot gesichert wird und wie der Überstieg funktioniert, bleibt eher handlungsfähig.
Wer die Rettungsinsel besteigen muss, sollte sich vorab über die Abläufe Gedanken gemacht haben. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung – von der Vorbereitung über das Auslösen bis zum sicheren Überstieg.
Den Koffer so an Deck platzieren, dass er problemlos ins Wasser befördert werden kann – idealerweise mittschiffs, da dieser Teil bei Wellengang verhältnismäßig ruhig ist. Die Insel muss schnell erreichbar, nicht verdeckt und nicht zu fest vertäut sein. Die Reißleine sollte bereits am Boot befestigt sein.
Wichtig: Die Insel so positionieren, dass sie problemlos über oder unter die Reling passt.
Rettungsweste anziehen, Sicherheitsleinen bereit machen. Jetzt kommt der Grab-Bag an die Reihe: Die Notfalltasche mit Medikamenten, Papieren, Wasser und überlebenswichtiger Ausrüstung griffbereit halten – ebenso UKW-Funke und Epirb.
Wenn noch Zeit ist: warme Kleidung unter das Ölzeug.
Die Insel ins Wasser werfen, dann an der Reißleine ziehen – sie kann bis zu fünfzehn Meter lang sein. So lange ziehen, bis deutlicher Widerstand spürbar ist, diesen dann mit einem kräftigen Ruck überwinden. Ein dumpfer Knall, ein lautes Zischen: Die CO₂-Kartusche löst aus, die Insel bläst sich auf. Wenn die Patrone weiter zischt, obwohl die Kammern prall gefüllt sind, kein Grund zur Panik – überschüssiges Gas entweicht, wenn der maximale Druck erreicht ist.
Die Rettungsinsel so ausrichten, dass der Eingang nah am Boot liegt. Eng heranziehen und festbinden, sodass der Schwimmkörper leicht aus dem Wasser gehoben wird. Das garantiert stabilen Kontakt zwischen Insel und Boot. Eine geeignete Überstiegsstelle suchen. Hat sich die Insel kopfüber aufgeblasen, einen Bootshaken vorsichtig zum Aufrichten nutzen.
Sicherheitsleinen vorbereiten: Karabiner an Strecktau oder Fußreling einhaken, den zweiten an der Reißleine. Dann übersteigen. Sobald fester Halt in der Insel erreicht ist, erst den Lifeline-Haken an Bord lösen, dann den an der Reißleine. In der Insel so weit wie möglich nach hinten durchrutschen, Rücken an die Wand, Füße zur Mitte – so bleibt Platz für weitere Personen.
Wenn möglich: Anderen beim Einsteigen helfen.
Wenn alle Personen in die Insel übergestiegen sind, die Verbindung zum Boot kappen. Die Reißleine hat auch eine Sollbruchstelle: Sollte das Boot bereits sinken, ohne dass die Verbindung gekappt wurde, reißt die Leine an dieser Stelle von selbst.

Redakteur News & Panorama
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