Am Montag, 24. August 2026, wurde im Hafen von Ciutadella eine Wasserstandsschwankung von bis zu 1,44 Metern gemessen. Auch auf Mallorca war das Phänomen sichtbar: In Port d’Alcúdia lief Wasser bis in den Bereich von Restaurants am Strand, weitere auffällige Schwankungen meldeten Port d’Andratx, Port de Sóller und Port Adriano.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag, 28. August 2026, traf eine weitere Rissaga die Bucht von Santandria westlich von Ciutadella. Die Welle überflutete den Strand und erreichte Erdgeschosse von Hotel- und Gewerbebetrieben. Feuerwehr und Polizei mussten Wasser abpumpen und Zufahrten zeitweise sperren.
Eine Rissaga, international meist Meteotsunami genannt, entsteht durch rasche Luftdruckschwankungen, die häufig mit Gewitterlinien, Fronten oder schnellen atmosphärischen Störungen verbunden sind. Der Luftdruck versetzt die Wasseroberfläche in Bewegung, daraus bildet sich eine langperiodische Welle.
Trifft diese Welle unter passenden Bedingungen auf flacher werdendes Wasser, kann sie deutlich anwachsen. In engen, lang gezogenen und flachen Hafenbecken kommt ein weiterer Effekt hinzu: Das Wasser schwingt wie in einer Badewanne hin und her. Fachleute sprechen von Hafenresonanz. Diese Kombination macht Ciutadella besonders anfällig. Der schmale, flache Naturhafen besitzt eine Eigenschwingung von rund zehn Minuten, die durch eintreffende Wellen stark verstärkt werden kann.
Anders als ein Tsunami nach einem Seebeben kündigt sich eine Rissaga nicht durch ein Erdbeben an. Sie kann bei unscheinbarem Wetter auftreten, entwickelt aber im Hafen gefährliche Strömungen: Erst fällt der Pegel schnell, dann drückt Wasser mit Kraft zurück. Für Festmacher, Stege, Mooringleinen und Boote in Boxen kann das innerhalb weniger Minuten problematisch werden.
Rissagas sind an den Balearen kein neues Phänomen. Ciutadella gilt jedoch als einer der weltweit bekanntesten Orte für besonders starke meteorologische Wasserstandsschwankungen. Forschungsergebnisse zeigen, dass dort atmosphärische Druckwellen, die Wassertiefe vor der Küste, der Menorca-Kanal und die Form des Hafens ungünstig zusammenwirken können.
Für Skipper können solche Schwankungen dazu führen, dass Fender plötzlich zu hoch oder zu tief hängen, Leinen durchrutschen oder sich straffziehen und Boote an Steg, Dalben oder Nachbarboot geraten. In flachen Buchten drohen zudem starke Ein- und Ausströmungen.
Bei einer Rissaga-Warnung sollten Skipper den Liegeplatz nicht als sicheren Schutzraum betrachten. Entscheidend ist, Bewegungsreserven für das Boot zu schaffen, ohne dass es an Steg oder Kaimauer schlagen kann.
Für Chartercrews ist die Rissaga ein weiterer Grund, die Wetter- und Hafenplanung auf den Balearen nicht allein auf Windstärke und Wellenhöhe zu reduzieren. Gerade in Ciutadella sollte bei entsprechender Warnlage ausreichend Zeitreserve für eine Alternativroute oder einen zusätzlichen Hafentag eingeplant werden.
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