Christian Tiedt
· 24.09.2026
Das im Werfttagebuch der Seenotretter veröffentlichte Video zeigt den 12,75 Meter langen Neubau erstmals in seinem Element. Die Ausrüstung des Bootes ist nach Angaben der DGzRS aber noch nicht vollständig. Seenotretter und Schiffbauer werden deshalb noch einige Zeit auf der Werft arbeiten; weitere Tests sollen folgen.
Für die erste Ausfahrt stand vor allem die Abstimmung der beiden Hauptmaschinen im Mittelpunkt. Der SRB 90 erhält zwei Cummins-Aggregate mit jeweils 425 PS und Doppeljet-Antrieb. Die DGzRS nennt für den Prototyp eine Höchstgeschwindigkeit von rund 34 Knoten sowie gut 25 Knoten Marschfahrt – jeweils abhängig von Wetter und Seegang.
Dass der Prototyp nun erstmals fährt, ist ein wichtiger Baufortschritt. Von einer Einsatzreife kann allerdings noch keine Rede sein: Elektronik, Kommunikations- und Navigationsanlagen sowie die übrige Rettungsausrüstung müssen weiter komplettiert und geprüft werden.
Der SRB 90 soll langfristig die älteren Boote der 9,5- und 10,1-Meter-Klasse ergänzen beziehungsweise ablösen. Diese Einheiten wurden überwiegend zwischen 1999 und 2002 in Dienst gestellt und erreichen schrittweise ihr vorgesehenes Dienstalter.
Der Neubau unterscheidet sich konstruktiv deutlich von seinen Vorgängern. Statt eines Aluminiumrumpfs setzt die DGzRS auf einen Rumpf aus Glas- und Kohlenstofffasern. Das Deckshaus ist vollständig elastisch gelagert, die Sitze für die gesamte Crew sind gefedert. Beides soll Schläge, Vibrationen und Lärm in schwerer See mindern. Details zum Konzept hatte BOOTE bereits vorgestellt.
Vor einer möglichen Serienfertigung stehen weitere Werfterprobungen, ein Kenterversuch und eine längere Testphase auf Stationen in Nord- und Ostsee. Erst danach entscheidet die DGzRS über den Bau weiterer Einheiten.

Ressortleiter Reise
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