Tödliches Bootsunglück vor MallorcaCharterverband fordert strengere Regeln

Jill Grigoleit

 · 20.08.2026

Tödliches Bootsunglück vor Mallorca: Charterverband fordert strengere RegelnFoto: Screenshot Click&Boat
Von s’Estanyol aus werden kleine Motorboote vermietet, die nach den derzeit noch geltenden spanischen Regeln ohne nautischen Befähigungsnachweis gefahren werden dürfen.

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Nach dem Kentern eines führerscheinfreien Mietbootes vor s’Estanyol ermittelt die Guardia Civil. Zwei Charterunternehmen berichten von mutmaßlich fehlenden Rettungswesten und fordern eine umfassende Überprüfung des Vermieters.

​Nach einem Bootsunglück auf Mallorca am Dienstag, 18. August 2026, untersucht die Guardia Civil die Ausstattung des gesunkenen Mietbootes. Das etwa 4,5 Meter lange offene Motorboot war rund 100 Meter vor der Küste bei s’Estanyol gekentert. Ein 69 Jahre alter Spanier starb, die übrigen fünf Mitglieder seiner Familie wurden gerettet.

Das Boot war im Club Náutico de s’Estanyol gemietet worden. Es gehörte zu einer Klasse kleiner Motorboote, die in Spanien derzeit noch ohne nautischen Befähigungsnachweis gefahren werden darf. Nach den vorliegenden Berichten befand sich die Familie bereits auf dem Rückweg zum Hafen, als die Situation an Bord außer Kontrolle geriet.

Gerettete berichten vom Bootsunglück

Den bislang detailliertesten Bericht über den Ablauf veröffentlichten am Donnerstag die beiden Charterunternehmen Imperi Charter und Marea Sun Charter. Mitarbeiter der Firmen waren am Rettungseinsatz beteiligt.

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Nach ihrer Darstellung entdeckte der Skipper eines Charterbootes mehrere Menschen neben dem gekenterten Boot im Wasser. Die Verunglückten wurden aufgenommen und nach s’Estanyol gebracht. Der 69-Jährige war zu diesem Zeitpunkt bereits bewusstlos. Mitarbeiter der Charterfirmen und Helfer des Yachtclubs begannen im Hafen mit der Wiederbelebung, bevor der Rettungsdienst übernahm. Der Mann konnte nicht gerettet werden.

Die überlebenden Familienmitglieder sollen den Rettern geschildert haben, dass sich die Bedingungen während der Fahrt verschlechterten. Deshalb hätten sie umgedreht. Dabei sei eine Welle über den Bug in das Boot eingestiegen und habe es mit Wasser gefüllt. Eine zweite Welle habe das kleine Boot schließlich zum Kentern gebracht. Eine behördlich festgestellte Unfallursache gibt es noch nicht. Die Guardia Civil ermittelt weiterhin. Das gesunkene Boot lag nach den ersten Untersuchungen in etwa sechs Metern Tiefe auf dem Meeresgrund.

Vorwurf: Keine Rettungswesten im Mietboot

Imperi Charter und Marea Sun Charter werfen dem Vermieter des Unglücksbootes erhebliche Sicherheitsmängel vor. Die beiden Firmen erklärten, Taucher der Guardia Civil hätten ihnen mitgeteilt, dass sich keine Rettungswesten an Bord befunden hätten. Eine offizielle Bestätigung der Guardia Civil oder eine Stellungnahme des beschuldigten Vermieters dazu liegen bislang nicht vor.

Nach dem neuesten Bericht prüfen die Ermittler neben der Sicherheitsausrüstung auch, ob ein vorgeschriebenes Ortungssystem aktiv war und ob der Vermieter die geltenden Bestimmungen eingehalten hat. Bis zum Abschluss der Untersuchung bleibt offen, welchen Anteil Wetter, Seegang, Beladung, Bootsführung oder technische Faktoren am Kentern hatten.

Für Charterkunden zeigt der Fall so oder so einmal mehr, wie wichtig die Kontrolle der Sicherheitsausrüstung vor dem Ablegen ist. Rettungswesten müssen in ausreichender Zahl, passender Größe und funktionsfähigem Zustand vorhanden sein. Wo sie verstaut sind und wie sie angelegt werden, gehört in jede Einweisung. Wie eine Rettungsweste richtig kontrolliert, angelegt und gewartet wird, erklärt unser ausführlicher Praxisartikel.

Führerscheinfreie Mietboote werden ab Oktober eingeschränkt

Das Unglück ereignete sich kurz vor einer grundlegenden Änderung des spanischen Rechts. Bisher dürfen Motorboote bis fünf Meter Länge und maximal 15 PS unter bestimmten Bedingungen ohne nautische Qualifikation gefahren werden. Die Fahrt muss tagsüber stattfinden und darf höchstens zwei Seemeilen vom Ausgangspunkt wegführen.

Am 1. Oktober 2026 wird diese Ausnahme auf private und sportliche Nutzung beschränkt. Wer ein solches Motorboot mietet, benötigt dann einen entsprechenden Befähigungsnachweis. Das spanische Verkehrsministerium begründet die Änderung im amtlichen Text der neuen Regelung ausdrücklich mit der hohen Zahl von Zwischenfällen und Unfällen bei solchen Angeboten. (boe.es)

Charterverband fordert strengere Regeln

Pedro Gil, Vorsitzender des Verbandes der Charterunternehmen auf den Balearen, fordert eine stärkere Professionalisierung der Bootsvermietung. Seit Jahren warne die Branche vor Risiken durch mangelnde Erfahrung, eine unzureichende Einschätzung der Gefahren auf dem Meer und eine fehlende Vorbereitung der Kunden. Gil betonte zugleich, dass die genaue Unglücksursache noch nicht feststehe und deshalb keine vorschnellen Schuldzuweisungen erfolgen dürften.

Ein reines Vermietungsverbot ohne Qualifikationsnachweis sieht er kritisch. Kleine Boote seien nicht grundsätzlich gefährlich. Aus seiner Sicht brauche die Branche vor allem besser ausgebildete Anbieter, konsequente Einweisungen und einen professionelleren Umgang mit der Sicherheit der Kunden. Eine Schuldzuweisung im konkreten Fall sei vor Abschluss der Ermittlungen nicht möglich.

Bereits seit August 2025 gelten in Spanien strengere Vorschriften für Charteranbieter. Dazu gehören erweiterte Anforderungen an Registrierung, Versicherungsnachweise und die Dokumentation der kommerziellen Nutzung. Ob der Vermieter des verunglückten Bootes diese und weitere Vorgaben erfüllt hat, ist Teil der laufenden Untersuchung.


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Sollten kleine Mietboote nur mit nachgewiesener Qualifikation gefahren werden? Diskutieren Sie mit.

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Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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