Die Erde, aus dem Weltraum betrachtet, präsentiert sich als der berühmte "blaue Planet". Rund 70 Prozent ihrer Oberfläche sind von Wasser bedeckt. Diese unendlichen Weiten bieten Sportbootfahrern unzählige Möglichkeiten, denn kein Revier gleicht dem anderen. Jedes hat seine Besonderheiten, und wer einen Törn ganz nach seinem speziellen Geschmack sucht, wird mit Sicherheit irgendwo fündig. Anlässlich des Welttags der Ozeane am 8. Juni vergleicht die Redaktion die charakteristischen Aspekte der Weltmeere und ihrer wichtigsten Randreviere.
Den größten Teil der globalen Wasserfläche bilden die Ozeane: Atlantik, Pazifik, Indik, Arktischer und Antarktischer Ozean. Hinzu kommen die Rand- und Nebenmeere, alle Seegebiete, die nur durch mehr oder minder schmale Durchlässe mit den Ozeanen verbunden sind oder auf einem Kontinentalschelf liegen. Nord- und Ostsee sowie das Mittelmeer, Hauptgebiete der deutschen Bootsfahrer, fallen in diese Kategorie.
Weltweit gehören viele andere Meere dazu, beispielsweise das durch den Antillenbogen und Mittelamerika begrenzte Karibische Meer sowie das Südchinesische und das Rote Meer. Die wahre Größe der Ozeane bleibt dem menschlichen Auge meist verborgen. Die höchsten Berge der Welt sind am Meeresgrund zu finden. Vom Fuß an gemessen ragt der hawaiianische Mauna Kea etwa 9.000 Meter in die Höhe, während der Mount Everest als höchster Berg an Land vom Fuß nur etwa 3.500 Meter misst. Auch das längste Gebirge der Erde versteckt sich unter einer durchschnittlich 2.000 Meter starken Wasserschicht: Der Mittelatlantische Rücken erstreckt sich über etwa 15.000 Kilometer.
Für das küstenferne Bootfahren auf den Ozeanen werden Stromsysteme von enormen Ausmaßen relevant. Nicht nur Sonne und Mond setzen Wassermassen in Bewegung, Wind und Schwerkraft sind die stärksten Antriebskräfte für Meeresströmungen. Für das Weltklima sind sowohl die Tiefenströmungen (ab 1.000 Meter) als auch Oberflächenströme wichtig. Skipper und Navigatoren interessieren sich jedoch ausschließlich für die Wasserbewegungen der Oberfläche, die das Schiff bei der Fahrt über Grund beschleunigen oder bremsen. Die großen Stromsysteme wie Golf-, Agulhas-, Brasil-, Kanarenstrom oder das äquatoriale Stromsystem werden hauptsächlich von zwei Mechanismen in Gang gesetzt: Wind und Dichte-Unterschiede. Die oberflächennahen Wasserschichten werden von den vorherrschenden Winden angeschoben. Streicht die Luft übers Wasser, übt sie eine Kraft auf dessen Teilchen aus und versetzt sie in Bewegung. Die resultierenden Wasserbewegungen nennt man Driftströmung.
Die größten Wassermengen geraten jedoch wegen vergleichsweise geringer Unterschiede in der Wasserzusammensetzung in Bewegung. Temperatur und vor allem der Salzgehalt spielen dabei die entscheidende Rolle. Das Salz des Seewassers stammt aus den Gesteinen der Erdkruste und gelangt hauptsächlich durch Flüsse in die Meere. Da es beim Verdunsten von Seewasser zurückbleibt, hat es sich im Lauf der Erdgeschichte bis zur heutigen Konzentration von durchschnittlich 3,5 Prozent angereichert.
Regional bestehen allerdings große Abweichungen von diesem Mittelwert. In die Ostsee beispielsweise münden über 200 Flüsse, und der Niederschlag übertrifft die Verdunstung. Daher nimmt der Salzgehalt von etwa 3 Prozent im Kattegat bis auf 0,5 Prozent im Bottnischen Meerbusen ab. Im Mittelmeer hingegen verdunstet mehr Wasser als durch Niederschläge und Flüsse eingeleitet wird, daher erreicht der Salzgehalt hier bis zu 3,7 Prozent.
Auch wenn diese Unterschiede auf den ersten Blick sehr gering erscheinen, haben sie doch große Auswirkungen auf Strömungen im Meer. Salz und Temperatur bestimmen das Gewicht eines “Wasserpakets” – kaltes, salzreiches Wasser ist schwerer als warmes Süßwasser. Wo immer solche Massen unterschiedlicher Dichte aufeinandertreffen, sinkt das schwerere Wasser ab und das leichte steigt auf.
Den weltweit wichtigsten Beitrag leistet dabei der Nordatlantik. Stark vereinfacht läuft folgender Prozess ab: In der Labrador- und Grönlandsee wird das Oberflächenwasser im Winter von sehr kalten arktischen Winden abgekühlt. Gleichzeitig steigt der Salzgehalt durch Eisbildung an. Die Dichte des Wassers nimmt zu, es sinkt ab, fließt in der Tiefe nach Süden und gelangt bis in die anderen Ozeane, dort erwärmt es sich langsam und gelangt an die Oberfläche zurück.
Die für Europa wichtigste Strömung stellt der Golfstrom dar. Er setzt von der amerikanischen Ostküste nicht nur mit bis zu 4 Knoten nach Nordost und muss bei der Navigation somit intensiv beachtet werden, er transportiert auch die unvorstellbare Energiemenge von einer Milliarde Megawatt nach Norden. Das entspricht etwa der Leistung von einer Million Kernkraftwerken. Diese Warmwasserheizung Nordeuropas erhöht die mittlere Wintertemperatur in Hamburg um etwa 10 Grad gegenüber dem auf gleicher Breite gelegenen Süden Alaskas.
Ein weiteres Beispiel für die Auswirkungen des Wärmetransports im Ozean ist der so genannte El Niño im tropischen Pazifik. Der stetige Südostpassat im tropischen Südpazifik schiebt das kalte Wasser des Perustroms (auch Humboldtstrom) mit dem Südäquatorialstrom nach Westen. Auf dem Weg über den Pazifik wird das Wasser von der Sonne stark erwärmt. Es entsteht eine Temperaturdifferenz: im Osten, vor Südamerika, der kalte Perustrom und im Westen, im Bereich der Philippinen, warmes Wasser.
Aus bisher nicht endgültig geklärten Gründen kommt es alle drei bis sieben Jahre zu einer Störung dieses Kreislaufs: Der Südostpassat schwächt sich so stark ab, dass das warme Wasser von Westen nach Osten zurück schwappt. Der kalte, nährstoffreiche Perustrom wird zurückgedrängt. Mit der Umkehr des Windsystems gehen gewaltige Klimaveränderungen einher, die sich bis nach Afrika auswirken.