PflegeVerdeck reinigen – So entfernen Sie Stockflecken und Algen

Hauke Schmidt

 · 12.04.2026

Pflege: Verdeck reinigen – So entfernen Sie Stockflecken und AlgenFoto: YACHT/A. Lindlahr
Sichtkontrolle. Stockflecken entstehen meist auf der Innenseite des Verdecks
Nach wenigen Jahren zeigen sich am Verdeck hässliche Gebrauchsspuren: Grüne Nähte und Flecken außen, schwarze Stockflecken (Spak) innen. Das Tuch wird durchlässig, trocknet langsam und bietet Algen und Schimmel ideale Bedingungen. Wir zeigen, wie Sie Ihr Verdeck reinigen – selbst oder beim Profi – und das Tuch wieder wasserdicht machen.

Themen in diesem Artikel

Grüne Seife und Schrubben helfen beim Verdeck-Reinigen leider nicht weiter. Das Tuch weicht bei Regen durch, trocknet langsam ab und schützt das Cockpit nicht mehr richtig. Das fördert weiteren Befall durch Schimmel und Algen. Eine gründliche Reinigung und neue Imprägnierung sind nötig – entweder in Eigenregie oder beim Fachmann.

​Profi-Reinigung: Teuer, aber gründlich

Eine Möglichkeit ist die professionelle Verdeck-Reinigung beim Bootsbauer oder Sattler. In der Regel gibt dieser das Verdeck an eine darauf spezialisierte Großreinigung weiter. Die Preise richten sich nach dem Gewicht der Plane.

Kosten-Beispiel:

  • Verdeck für ein Zehn-Meter-Boot (ca. 3,5 Kilogramm): ca. 270 Euro
  • Dauer: Bis zu vier Wochen (inkl. Hin- und Rücktransport)

Wer schneller Erfolg möchte und Kosten sparen will, greift zur Eigeninitiative.

​Verdeck selber reinigen

Der Griffbereich an der Hinterkante des Verdecks ist stark verschmutzt
Foto: YACHT/H. Schmidt
Im ersten Arbeitsgang werden Oberflächliche Verschmutzungen entfernt. Wunder darf man jedoch nicht erwarten

Die Reinigung erfolgt in drei Arbeitsschritten: Vorreinigung, Stockfleckenentfernung und Imprägnierung. Der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen – allein durch die Trockenzeiten zwischen den Arbeitsschritten sind Sie gut zwei Tage beschäftigt.

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Kosten DIY:

  • Spezialreiniger, Stockfleckenentferner, Imprägnierung: ca. 100 Euro
  • Ersparnis gegenüber Profi: ca. 170 Euro

Schritt 1: Vorreinigung – Oberflächenschmutz entfernen

Der Power Cleaner enthält Chlor und sollte gleichmäßig aufs trockene Tuch aufgesprüht werden
Foto: YACHT/H. Schmidt
Nach der Vorreinigung geht es Spak und Algen an den Kragen. Der Power Cleaner muss eventuell mehrfach angewendet werden, entfernt aber auch tief im Gewebe sitzende Verschmutzungen
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Zunächst werden oberflächliche Verschmutzungen entfernt. Dazu das Verdeck in warmem Wasser einweichen. Ein selbstgebautes Becken aus vier 2,5 Meter langen und zehn Zentimeter hohen Brettern sowie einer Gewebeplane eignet sich dafür gut – deutlich praktischer als die Badewanne.

  1. Tuch mit warmem Wasser einweichen (20-30 Minuten)
  2. Spezialreiniger (z.B. von MTS-Schimmelservice oder Ultramar) auf das feuchte Tuch sprühen
  3. Mit weicher Bürste ins Gewebe einarbeiten
  4. Ca. 20 Minuten Einwirkzeit
  5. Gründlich mit Wasser ausspülen

Ergebnis: Das Gewebe wird sauberer, aber Algen und Stockflecken verschwinden noch nicht komplett. Weitere Schritte sind nötig.

Schritt 2: Stockflecken und Algen bekämpfen

Unerschrockene rücken Spak und Algen mit verdünntem Hygienereiniger (Natriumhypochlorit) zu Leibe. Das funktioniert zwar, birgt aber Risiken: Die Wirkung lässt sich schlecht steuern, und für die Nähte kommen oft mit Baumwolle umsponnene Fäden zum Einsatz. Die Naturfaser quillt bei Nässe auf und sorgt für regendichte Nähte. Die aggressive Chlor-Verbindung setzt der Baumwolle aber zu und verkürzt ihre Lebensdauer deutlich.

Besser: Spezielle Reiniger für Verdecke

Produkte wie Tentoclean von MTS-Schimmelservice oder der Power Cleaner von Ultramar sind seit Jahrzehnten am Markt und tausendfach erprobt. Bei korrekter Anwendung ist das Risiko von übermäßigem Nahtverschleiß deutlich geringer.

Anleitung:

  1. Power Cleaner gleichmäßig auf das trockene Tuch aufsprühen
  2. Eine Stunde Einwirkzeit
  3. Kontrolle: Sind Stockflecken deutlich reduziert? Falls ja, zweite Portion Power Cleaner aufsprühen
  4. Warten, bis Algen und Spak nicht mehr erkennbar sind
  5. Tuch mit fließendem Wasser sorgfältig spülen

Ergebnis: Selbst stark verschmutzte Griffbereiche sehen nach dem Trocknen wieder aus wie neu.

Wichtig bei hellbeigen Baumwollmischgeweben:

Laut Gerhard Macht vom Schimmelschutzservice können im Produktionsprozess eisenhaltige Ablagerungen im Stoff entstehen. Diese neigen beim Einsatz von Stockfleckenentfernern zu Verfärbungen. Er empfiehlt daher die Vorbehandlung mit seinem Faserschutzmittel. Andere Farbtöne oder reine Kunstfasertücher sind unkritisch. Verdeckstoffe sind in der Regel UV-beständig eingefärbt. Vor Ausbleichen muss man sich daher keine großen Sorgen machen.

​Schritt 3: Imprägnierung – Schutz vor neuem Befall

Die Imprägnierung kann auf­gesprüht, gepinselt oder gerollt werden. Am besten auf der Innenseite beginnen
Foto: YACHT/H. Schmidt
Die Imprägnierung macht das Tuch wieder wasserdicht. Außerdem trocknet es schneller, das schützt vor frühzeitigem Neubefall durch Algen und Spak

Eine gute Imprägnierung macht das Tuch nicht nur wasserdicht – mindestens genauso wichtig ist es, das Durchfeuchten des Stoffs zu verhindern, damit er schnell abtrocknen kann. Zudem wirkt der Wasserschutz fettabweisend. Damit lässt sich das Tuch leichter reinigen, und Algen und Schimmel finden weniger Nährstoffe.

Anleitung:

  1. Imprägnierung kann aufgesprüht, gepinselt oder gerollt werden (am gleichmäßigsten mit Rolle)
  2. Auf der Innenseite beginnen
  3. Antrocknen lassen
  4. Außenseite behandeln (an den Nähten ist die Imprägnierung bereits durchgeschlagen – das Tuch nimmt dort nichts mehr an)
  5. Gut durchtrocknen lassen (mindestens 24 Stunden)
  6. Wassertest: Perlt Wasser ab? Dann funktioniert die Imprägnierung

Wichtig:

  • Verdeck muss flach liegen
  • Immer beidseitig bearbeiten
  • Keine Putzmittelreste im Tuch (sonst haftet die Imprägnierung nicht)
  • Trockenzeiten beachten
  • Scheiben nicht benetzen! Falls doch etwas danebengeht, sofort mit feuchtem Mikrofasertuch aufnehmen – auf keinen Fall eintrocknen lassen.

Hochwertige Imprägnierungen überstehen auch Waschgänge. Durch mechanische Belastung beim Falten des Tuchs, Hagel und Starkregen nutzen sie sich aber ab. Daher muss der Schutz alle zwei bis drei Jahre erneuert werden.

​Warum sind Algen und Stockflecken so hartnäckig?

Gerhard Macht vom Schimmelschutzservice nennt Gründe für die zunehmende Problematik: "Die verschärften Biozidrichtlinien verhindern die wirksame Ausrüstung der Stoffe." Bei nicht idealer Lagerung setzt das Material daher schon beim Hersteller Spak an. Ab 60 Prozent Feuchte fühlen sich Schimmelpilze wohl – ein Wert, der bei Verdecken im Frühjahr und Spätsommer schnell erreicht ist. Die starken Temperaturschwankungen sorgen dann für viel Kondenswasser.

Auch die Scheiben pflegen

Verdeckscheiben sind empfindlich. Wasserflecken und Schmutz lassen sich mit <a href="http://www.vuplex.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Vuplex</a> schonend ent­fernen. Einsprühen und mit einem sauberen Mikrofasertuch polieren, so verschwinden sogar leichte Kratzer | YACHT/H.  SchmidtVerdeckscheiben sind empfindlich. Wasserflecken und Schmutz lassen sich mit Vuplex schonend ent­fernen. Einsprühen und mit einem sauberen Mikrofasertuch polieren, so verschwinden sogar leichte Kratzer | YACHT/H. Schmidt

Verdeckscheiben sind empfindlich. Wasserflecken und Schmutz lassen sich mit Vuplex schonend entfernen. Einsprühen und mit einem sauberen Mikrofasertuch polieren – so verschwinden sogar leichte Kratzer.

Zeitaufwand und Kosten im Überblick

DIY: Verdeck selbst reinigen

  • Zeitaufwand: Zwei Tage (inkl. Trockenzeiten)
  • Kosten Reinigungsmittel: ca. 100 Euro

Profi-Reinigung (Zonklaar o.ä.):

  • Zeitaufwand: Bis vier Wochen (Transport + Reinigung)
  • Kosten: ca. 270 Euro

Ersparnis DIY: ca. 170 Euro

Wer sein Verdeck selbst reinigt, spart also deutlich Zeit und Geld – mit etwas Geduld und den richtigen Reinigern ist das Ergebnis überzeugend.


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Hauke Schmidt

Redakteur Test & Technik

Hauke Schmidt zog bereits im Opti-Alter an die Küste und wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf. Seit 2006 ist der Diplom Ozeanograf als Redakteur im Ressort Test & Technik tätig. Zu den Kernaufgaben gehören Ausrüstungs- und Bootstest, aber auch Praxisthemen rund um Elektronik, Seemannschaft und Refit. Als leidenschaftlicher Selbermacher verbringt er die Sommer am liebsten mit seiner Familie auf dem Wasser und die Winter mit Arbeiten am Boot.

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