SicherheitDiese Feuerlöschsysteme gibt es und so funktionieren sie

Jan-Ole Puls

 · 19.12.2022

Feuer an Bord bedeutet in der Regel den Verlust des Schiffes.
Foto: Michael Amme, Hersteller, Marc André Bergmann
Feuer an Bord

FEUER! Dieses Wort möchte kein Eigner von seiner Crew hören, geschweige denn erleben. Um im Ernstfall schnell handeln zu können, gibt es automatische Feuerlöschanlagen, die Brände im Motorraum eigenständig erkennen und bekämpfen. Eine Bestandsaufnahme

Der Albtraum jedes Bootseigners ist Feuer. Auf See, aber auch im Hafen ist ein Brand oft gleichzusetzen mit dem Verlust des Bootes. Wenn es in den heimischen vier Wänden brennt, kommt im besten Fall schnell die Feuerwehr. Das ist auf See etwas komplizierter oder schlichtweg nicht möglich. Wer keinen Feuerlöscher griffbereit hat oder das Feuer aus anderen Gründen nicht bekämpfen kann, muss unweigerlich das Boot verlassen.

Aber wieso kann es überhaupt zum Brand kommen? Ein häufiger Grund ist, dass auf Booten viel Technik auf kleinem Raum verbaut ist. Durch die Salzluft können elektrische Kontakte mit der Zeit korrodieren. Da der Übergangswiderstand damit steigt, werden die Kontaktstellen stärker belastet und können heiß werden, was wiederum zum Brand führen kann. In diesem Fall spricht man von einem Elektrobrand. Da Kabel häufig hinter Verkleidungen versteckt sind, wird ein solcher Brand oft zu spät entdeckt, und das ganze Boot steht in Flammen. Weitere mögliche Brandarten sind Gasbrände, Fettbrände beim Kochen oder Motorbrände.

Welche Wirkweisen zum Löschen eines Brandes gibt es?

Um die Gefahr im Motorraum oder an anderen gefährdeten Stellen wie der Pantry zu minimieren und im Ernstfall direkt das Feuer löschen zu können, gibt es Feuerlöschsysteme, die im Motorraum angebracht werden und oftmals gleich funktionieren: Es gibt einen Auslöser, der den Feuerlöscher, oft Aerosol, auslöst und den Motorraum mit dem Löschmittel flutet. Aerosol-Löschmittel wird auch als trockener Nebel bezeichnet und ist ein heterogenes Gas mit kleinsten flüssigen oder festen kolloiden Schwebeteilchen. Es trennt auf molekularer Ebene die chemische Verbindung der Flamme und entzieht ihr somit wichtige Brandmoleküle. Aerosol-Löscher sind für alle Brandklassen geeignet und lassen sich einfach und flexibel in den zu schützenden Bereichen installieren. Dank wartungsarmer Technik und einer langen Lebensdauer von oft über 15 Jahren punkten sie auch im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit. Es gibt verschiedene Hersteller für diese Systeme, hier zeigen wir beispielhaft vier von ihnen.

Feuer ist der Albtraum, aber leider keine Seltenheit

Den Anfang macht die Firma Wetrax, vertrieben von flo trade GmbH. Die Firma bietet je nach Motorraumgröße unterschiedliche Feuerlöschsysteme an. Das kleinste nennt sich RSL 100 CR und ist für Räume mit maximal ein Kubikmeter Nettovolumen vorgesehen. Der RSL 400 CR ist für etwas größere Motorräume bis zu fünf Kubikmeter Nettovolumen gedacht. Der Feuerlöscher arbeitet mit einem Thermo-Detektionskabel, das im Falle eines Brandes schmilzt und so den Löschvorgang auslöst: Das Aerosol wird freigesetzt und löscht das Feuer. Außerdem soll das Löschmittel laut Hersteller keine Schäden anrichten.

Da das System nicht unter Druck gelagert werden muss, ist es praktisch wartungsfrei. Eine Lebensdauer von über 15 Jahren wird angegeben. Die kleinste und günstigste Version startet bei 499 Euro und ist aus pulverbeschichtetem Stahl. Eine Carbon-Style- und Edelstahl-Version ist gegen Aufpreis erhältlich. Der Preis bezieht sich auf ein komplettes Löschsystem inklusive Installationsmaterial, Thermo-Detektionskabel und Zünder.

Verschiedene Systeme in der Übersicht Foto: BOOTE
Verschiedene Systeme in der Übersicht

Das Feuerlöschsystem Boat and Yacht M1, vertrieben von SVB, funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie das Wetrax-System. Es ist ebenfalls in verschiedenen Größen erhältlich. Für kleine Motorräume ist die Variante M1-1 geeignet (bis 0,5 Kubikmeter Nettovolumen), es folgen M1-2 (bis ein Kubikmeter), M1-3 (bis 1,5 Kubikmeter) und das M1-4 (bis 2,9 Kubikmeter). Auch hier soll das System praktisch wartungsfrei sein und ist im Motorraum zu verbauen. Ein Hitze-Detektionskabel ist ebenfalls vorhanden. Außerdem ist zu erwähnen, dass ein Schallgeber als Brandmeldung mitgeliefert wird, dieser muss über zwölf Volt angeschlossen werden, ist aber sinnvoll, um im Ernstfall über das Auslösen des Systems informiert zu werden. Die Preise beginnen bei circa 655 Euro für das M1-1 Feuerlöschsystem.

Die Größe des Systems richtet sich nach dem Motorraum

Ebenfalls bei SVB erhältlich ist der Jockel-Schaumfeuerlöscher mit zwei Kilogramm Inhalt. Der Vorteil gegenüber Aerosol-Löschern ist, dass Schaum gezielter auf den Brandherd aufgebracht werden kann. Aufgrund der geringen spezifischen Dichte sind wasserfilmbildende Schaummittel in der Lage, auf der Oberfläche des Brandguts einen geschlossenen dampfdichten und wässrigen Film zu bilden. Das funktioniert auch bei brennenden Flüssigkeiten. Diese Sperrschicht verhindert den Austritt von Dämpfen und Gasen und behindert die Sauerstoffzufuhr zum Brandgut, das Feuer wird damit erstickt. Zudem hat Schaum aufgrund seines Wasseranteils einen kühlenden Effekt und lässt sich später gut entfernen.

Der Schaumlöscher besitzt einen Automatik-Löschkopf und ist ebenfalls zur festen Montage im Motorraum gedacht. Er besteht aus einem pulverbeschichteten Stahlbehälter. Ein Schaumlöscher muss allerdings alle zwei Jahre gewartet werden. Der Jockel-Schaumfeuerlöscher kostet 209,95 Euro. Das Löschsystem muss vertikal montiert werden, was man bei der Anschaffung und Installation beachten sollte.

Das letzte System kommt von der Firma Bonpet und nennt sich Löschampulle. Die Ampulle soll für einen circa acht Kubikmeter großen Motorraum ausgelegt sein. In ihr ist eine Flüssigkeit, welche dem Feuer Sauerstoff entzieht und gleichzeitig kühlt. Damit soll ein erneutes Auflodern der Flammen vermieden werden. Die Flüssigkeit im Inneren besteht aus einer Mischung aus Bonpet-Flüssigkeit und Wasser (sechs Prozent). Bei einer Temperatur von 85 Grad bricht das Glas der Ampulle an einer Sollbruchstelle, und ein definierter Strahl wird freigesetzt. Nach dem Brand soll die Umgebung leicht zu reinigen sein, da man die Flüssigkeit lediglich mit einem feuchten Tuch wegwischen kann. Der slowenische Hersteller gibt einen zehn Jahre wartungsfreien Betrieb an. Die Ampulle kostet 139 Euro und ist in verschiedenen Farben erhältlich.

Fazit

Es ist unbedingt ratsam, ein Feuerlöschsystem an Bord zu haben. Und zwar unabhängig von der Motorraumgröße oder dem Motortyp. Ob es ein komplettes System mit Zünder und Alarmgeber sein muss, ist Geschmackssache. Die Bonpet-Löschampulle oder ein fest installierter Automatik-Schaumlöscher sind sicherlich eine kostengünstigere Alternative zu den sonst eher teuren Mitstreitern.


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