Nach dem Praxiseindruck im Hafen geht es nun um die Technik: Wie die Nachrüstung funktioniert, was Smartdock kostet und welche Sicherheitsfunktionen die Smartphone-Steuerung absichern.
Wer Smartdock nicht nur spannend findet, sondern für das eigene Boot prüft, landet schnell bei den entscheidenden Fragen: Passt das System zur vorhandenen Motorisierung? Wie aufwendig ist der Einbau? Und was passiert, wenn die Verbindung zum Smartphone abbricht? Die aktuellen Kompatibilitätsangaben nennt Thitronik auf der offiziellen Smartdock-Produktseite.
Smartdock besteht im Wesentlichen aus mehreren Bausteinen. Das Herzstück für die Motorsteuerung ist die ECU (Engine Control Unit), die zwischen den elektronischen Gashebel und den Motor geschaltet wird. Soll zusätzlich ein Bugstrahlruder eingebunden werden, übernimmt die TCU (Thruster Control Unit) diese Aufgabe. Beide Steuergeräte werden anschließend mit der kostenlosen Smartdock-App verbunden, über die alle Manöver ausgeführt werden. Je nach Boot lassen sich auch mehrere Module kombinieren – etwa für zwei Motoren und ein Bugstrahlruder.
Der Einbau folgt dem Plug-and-Play-Prinzip: Auf einer Seite wird der Kabelstrang des vorhandenen Gashebels an die ECU angeschlossen, auf der anderen die Verbindung zum Motor hergestellt. Wichtig ist lediglich zu wissen, welcher Motor verbaut ist, da die Stecker je nach Hersteller variieren. Verkleidung lösen, Kabel finden, anschließen – das sollte auch für Nicht-Tüftler in etwa einer Stunde zu erledigen sein. Wer bereits weiß, wo alle Komponenten sitzen, ist deutlich schneller. Anschließend wird das System in der App eingerichtet, die in der Regel selbsterklärend ist. Bei Fragen steht der Support zur Verfügung. Die App ist kostenlos und soll laut Simon Hierl von Thitronik auch dauerhaft kostenlos bleiben.
Für Motor- und Bugstrahlrudersteuerung – also ECU und TCU – werden 4.950 Euro fällig. Damit liegt Smartdock deutlich unter den Preisen vergleichbarer Herstellerlösungen. Wer zusätzlich Heckstrahlruder, Ankerwinden oder ein elektrisches Horn einbinden möchte, zahlt maximal 8.650 Euro.
Die Verbindung zwischen Smartphone und Boot erfolgt per Bluetooth – bewusst auf eine Reichweite von etwa 50 Metern begrenzt. Eine Steuerung vom Steg oder aus größerer Entfernung ist damit ausgeschlossen. Sind zwei Motoren an Bord, synchronisiert Smartdock beide Antriebe automatisch.
Besonders wichtig sind die Sicherheitsfunktionen: Wird der Gashebel am Steuerstand bewegt, übernimmt dieser sofort die Kontrolle – die App-Steuerung wird automatisch deaktiviert. Reißt die Bluetooth-Verbindung ab oder landet das Smartphone im Wasser, versetzen sich die Motoren automatisch in den Leerlauf. Zudem ist Smartdock ausschließlich für langsame Hafenmanöver ausgelegt: Die Geschwindigkeit ist softwareseitig begrenzt, sodass eine Nutzung außerhalb des Hafens ausgeschlossen ist. Ist bereits ein Joystick vorhanden, übernimmt Smartdock dessen voreingestellte Werte. Andernfalls lässt sich die Leistung in der App anpassen – maximal auf 40 Prozent der Höchstdrehzahl. Für die meisten Hafenmanöver genügen jedoch 20 Prozent. Zum Vergleich: Bei 40 Prozent erreicht eine Axopar 38 mit zwei 300-PS-Motoren bereits knapp neun Knoten.
Gleichwohl gilt: Smartdock legt das Boot nicht selbstständig an. Wer Wind, Strömung oder das eigene Boot nicht richtig einschätzen kann, wird damit kein besserer Skipper. Das System nimmt die Arbeit nicht ab, es erleichtert sie lediglich. Es geht nicht darum, das Boot vollständig per Smartphone zu fahren – sondern um die letzten Zentimeter beim Anlegen. Genau dort spielt Smartdock seine Stärken aus.
Aktuell unterstützt Smartdock Motoren von MerCruiser/Mercury, Volvo Penta und Yamaha; weitere Hersteller sollen folgen. Bei Bugstrahlrudern ist die Kompatibilität bereits breiter aufgestellt. Proportionale Systeme von Sleipner, Vetus und Quick befinden sich in der Erprobungsphase und sollen in den kommenden Wochen integriert werden.
Auch die Weiterentwicklung schreitet voran: Künftig soll Smartdock auf Segelbooten einsetzbar sein – selbst ältere Boote mit klassischer Seilzugschaltung sollen dann nachrüstbar sein. Diese Erweiterung befindet sich noch in der Entwicklung, dürfte aber insbesondere für Einhandsegler interessant werden. Darüber hinaus plant Thitronik die Einführung eines dynamischen Positionierungssystems.
Würden Sie Motor und Bugstrahlruder per Smartphone steuern oder gehört die Hand beim Hafenmanöver an den Fahrstand? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren.

Redakteur Test & Technik
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