Smartdock im TestAnlegen per Smartphone

Jan-Ole Puls

 · 23.07.2026

Smartdock im Praxistest: Der Skipper kann sich beim Hafenmanöver frei an Bord bewegen und Motor sowie Bugstrahlruder per Smartphone steuern.
Foto: KI-generiert
Smartdock soll Hafenmanöver deutlich erleichtern, besonders für Einhandfahrer und kleine Crews. Im Praxistest zeigt sich, was die App-Steuerung im Hafen kann und wo klassische Seemannschaft unverzichtbar bleibt.

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In diesem Teil geht es um den Praxiseindruck im Hafen. In Teil 2: Wie Smartdock technisch nachgerüstet wird, welche Motoren unterstützt werden, was das System kostet und welche Sicherheitsfunktionen die App-Steuerung absichern.

Smartphone statt Joystick: Was Smartdock leisten soll

Mit Smartdock hat Thitronik eine Nachrüstlösung auf den Markt gebracht, die Hafenmanöver deutlich vereinfachen soll – besonders für Einhandfahrer. Motor und Bugstrahlruder können vom Skipper per Smartphone von überall an Bord gesteuert werden. Wir haben das System getestet.

Fast jeder Motorenhersteller bietet heute Joystick-Systeme an, mit denen Antrieb, Lenkung und Bugstrahlruder gleichzeitig bedient werden können. Die Preise beginnen dabei meist erst bei 15.000 Euro – und teilweise ist nicht einmal die Montage durch einen Fachbetrieb im Preis enthalten. Ältere Motoren sind von solchen Systemen ohnehin ausgeschlossen. Eine Nachrüstung ist damit kaum möglich.

An diesem Punkt setzt Smartdock an. Die Technik ist für den Endkunden möglichst einfach gehalten und über das Smartphone bedienbar. „Ich wollte allein aufs Wasser, aber nicht immer wie ein aufgeschrecktes Huhn übers Boot rennen, um überall die Leinen überzuwerfen", sagt Smartdock-Entwickler Mark Tietje zur Idee hinter seinem Produkt. Wir testen es auf einer Kiel Classic 44 in Eckernförde.

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Thitronik: Kein klassisches Start-up

1984 gegründet, konzentrierte sich Thitronik zunächst auf Schiffselektronik. 2010 erfolgte ein Eigentümerwechsel – und damit ein Schwerpunktwechsel hin zu Elektronik für Wohnmobile. Neun Jahre später zog die Firma von Kiel nach Eckernförde; wenig später entstand Smartdock. Es handelt sich also nicht um ein klassisches Start-up: Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen mehr als elf Ingenieure, die auch an Smartdock arbeiten. Der Support wird vollständig im eigenen Haus geleistet – wer anruft, erhält direkt einen fachkundigen Ansprechpartner, etwas, worauf der Hersteller nach eigener Aussage großen Wert legt.

Smartdock im Hafen: Der erste Praxiseindruck

An- und Ablegen kann grundsätzlich jeder auch ohne Smartdock – in gewissem Sinne ist das System eine technische Ergänzung. Wer jedoch allein an Bord ist oder sich das Manövrieren generell erleichtern möchte, findet in Smartdock eine echte Hilfe.

Das zeigt sich beim Test schnell. Das System reagiert verzögerungsfrei: Zwischen einem Tastendruck auf dem Smartphone und der Reaktion des Bootes vergeht keine spürbare Zeit. Laut Tietje ist das auf die schnelle Verbindung zwischen Steuergeräten und App zurückzuführen.

Die Bedienung ist zudem intuitiv. Schon nach wenigen Minuten hat man sich an die App gewöhnt und kann das System wie selbstverständlich nutzen. Von den drei Ansichten, die die App bietet, gefällt uns die dritte am besten – das ist allerdings Geschmackssache.

Steuern und gleichzeitig anpacken

Der größte Vorteil von Smartdock: Der Steuermann kann sich immer dort aufhalten, wo er gerade gebraucht wird. Sollen etwa vom Vordeck aus Leinen ausgebracht werden, kann er genau dort stehen und das Boot per Tastendruck um ein paar Zentimeter nach vorne, hinten oder seitwärts dirigieren. Dabei bleibt zumindest eine Hand für die Leine oder den Bootshaken frei.

Der frei wählbare Standort ermöglicht außerdem oft einen besseren Überblick über die Gesamtsituation, als viele Steuerstände ihn bieten. Bis auf etwa fünf Zentimeter ließ sich so der Bug der Kiel Classic an die Pier fahren – vom Steuerstand aus wäre das wegen fehlender Sicht kaum möglich gewesen.

Besonders hilfreich wird das System, wenn Wind ins Spiel kommt. Wird das Boot beim Anlegen durch eine Böe von der Pier weggedrückt, kann gleichzeitig die Leine bedient und gegengesteuert werden, ohne erst zum Steuerstand zurückzulaufen. Für solche Momente ist der sogenannte High-Mode vorgesehen, bei dem alle Systeme gemeinsam genutzt werden. Die Leistung wird dabei etwas erhöht, das Boot dadurch deutlich agiler.

Smartdock ersetzt keine Seemannschaft

Smartdock legt das Boot nicht selbstständig an oder ab. Wer Wind, Strömung oder das eigene Boot nicht einschätzen kann, wird mit dem System kein besserer Skipper. Es nimmt die eigentliche Arbeit nicht ab, sondern erleichtert sie lediglich. Es geht nicht darum, das Boot vollständig per Smartphone zu fahren – vielmehr geht es um die letzten Zentimeter. Genau dort spielt Smartdock seine Stärken aus.

Hier geht es zu Teil 2: Wie Smartdock technisch nachgerüstet wird, welche Motoren unterstützt werden, was das System kostet und welche Sicherheitsfunktionen die App-Steuerung absichern.


Smartphone statt Steuerstand: Ist das die sinnvollste Hilfe für Einhandfahrer oder macht zu viel Technik Hafenmanöver unnötig kompliziert? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

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Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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