DHL setzt seinen Ausbau der Wasserlogistik in Berlin fort. Nach dem Pilotprojekt zwischen Südhafen Spandau und Westhafen, das seit Oktober 2022 läuft, plant der Logistikkonzern eine zweite Route im Südosten der Stadt. Die neue Strecke soll von Köpenick über Oberschöneweide, Rummelsburg und Treptow bis zum Osthafen führen. Ein erstes Probeanlegen fand bereits in der Köpenicker Altstadt statt. Der Regelbetrieb startet noch 2026. Das zweite Solarschiff wird größer dimensioniert sein als das bestehende Boot und mehr Sendungen transportieren können. Entlang der Route sind solarbetriebene Packstationen vorgesehen. Der Genehmigungsprozess läuft in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.
Das erste Solarschiff befördert täglich rund 350 Sendungen auf der Spree. Seit Projektstart im Oktober 2022 wurden mehr als 300.000 Pakete transportiert und das komplett emissionsfrei. Das 10,50 Meter lange und 2,50 Meter breite DHL-Boot erreicht zwölf Stundenkilometer. Die Solarpaneele auf dem Dach liefern genug Energie für sechs bis acht Stunden Fahrt ohne Sonneneinstrahlung. Bei Sonne ist die Fahrtdauer unbegrenzt. Ein E-Lkw bringt die Sendungen vom Paketzentrum Börnicke zum Südhafen Spandau. Vom Westhafen aus übernehmen elektrische Lastenräder der Firma Rytle die letzte Meile. Die gesamte Transportkette kommt ohne fossile Brennstoffe aus, wie DHL angibt.
DHL sieht erhebliches Wachstumspotenzial für den Wassertransport. Laut Unternehmensangaben gegenüber dem Tagesspiegel könnten perspektivisch bis zu 15 Prozent aller Berliner Pakete über Wasserstraßen befördert werden. Die bestehende Route im Westen wird um Haltepunkte am Humboldthafen am Hauptbahnhof und am Wikingerufer erweitert. Bezirksvertreter im Südosten sehen in der neuen Route eine Chance, Lieferverkehre direkt an wassernahe Paketstationen zu verlagern. Das Konzept zielt darauf ab, Straßenverkehr in dicht bebauten Bezirken zu reduzieren und die innerstädtische Zustellung effizienter zu organisieren.
Die Industrie- und Handelskammer Berlin verweist auf den deutlich niedrigeren Energiebedarf der Binnenschifffahrt im Vergleich zu Lkw und Bahn. CO₂-Emissionen und Umweltbelastungen fallen entsprechend geringer aus. Zugleich gilt der Transport über Wasser als kostengünstig. Nachteile bestehen bei Geschwindigkeit und Flexibilität. Für Massengüter und planbare Lieferketten bleibt die Wasserstraße konkurrenzfähig. Berlins Wasserstraßen verteilen sich auf Zuständigkeiten von Bund und Land. Spree, Havel, Dahme, Teltowkanal und Landwehrkanal zählen zu den Bundeswasserstraßen und werden vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt betreut.
Die wachsende Nutzung wirft Fragen zur Finanzierung und zum Ausbau auf. Berufsschifffahrt, Logistik und Wassertourismus konkurrieren um begrenzte Kapazitäten. DHL betreibt in Berlin bereits eine E-Zustellflotte von rund 1.000 E-Fahrzeugen und 1.700 elektrischen Lastenrädern. Knapp 50 Prozent der Berliner Zustellbezirke werden bereits emissionsfrei beliefert. Die Solarschiffe fügen sich in diese Nachhaltigkeitsstrategie ein. Die Kooperation mit dem Berliner Senat sieht mindestens zehn solarbetriebene DHL Packstationen entlang der Wasserstraßen vor. Der Genehmigungsprozess hat begonnen.

Redakteurin Wassersport Digital-Redaktion