Mit Leichtigkeit fliegt die Aquila 42 Coupe über die lang gezogene Dünung des Mittelmeers. Ein schönerer Tag lässt sich kaum vorstellen: perfektes Wetter, kaum Wind und nur die sanfte Altwelle des letzten Sturms von gestern Nacht. Wir fahren bei angenehmen 2.500 Umdrehungen, die Motoren brummen gleichmäßig vor sich hin, und die Foils machen das Boot spürbar leichter. 21 Knoten stehen auf der Logge, Landschaft und andere Boote ziehen vorbei.
Ihre große Schwester, die Aquila 46 Coupe war im vergangenen Jahr für den European Powerboat Award nominiert. Gleichzeitig hatten wir die Gelegenheit, die kleinere, aber nicht weniger interessante 42 Coupe zu testen. Mit ihr stellt Aquila einen Motorkat der 40-Fuß-Klasse vor. Zwar bringt das Konzept mit zwei Rümpfen und 4,85 Metern Gesamtbreite naturgemäß viel Fläche mit, doch das, was wirklich anders ist, ist unter dem Boot verbaut. Erwähnenswert: Mit dieser Breite bewegt sich die Aquila am schmalen Ende der Powerkatamaran-Klasse, viele Mitbewerber liegen eher zwischen sechs und sieben Metern.
Serienmäßig ist die Coupe mit dem sogenannten Hydro-Glide-System ausgerüstet, einem Carbon-Semi-Foil zwischen den Rümpfen. Es soll den Katamaran während der Fahrt leicht aus dem Wasser heben und so den Komfort verbessern. Wie deutlich dieser Effekt in der Praxis ausfällt, zeigt der Fahrteil dieses Tests.
Dennoch machen die Abmessungen klar, dass wir hier auf einem richtig ausgewachsenen Boot sitzen. Mit Außenbordmotoren und Anker misst es 13,06 Meter über alles, mit Innenbordmotorisierung sind es ein paar Zentimeter weniger (12,88 Meter). Der Rumpf selbst ist doppelt gestuft und auf Offshore-Eigenschaften ausgelegt.
Angetrieben wird die Standardversion von zwei Mercury Verado V10 mit je 400 PS, inklusive Joystick-System. Alternativ bietet Aquila zwei Volvo Penta D6 mit je 440 PS und DPI-Sterndrive an. Der Kraftstoffvorrat ist mit 1.552 Litern üppig bemessen – mehr als etwa die Galeon 430 EXP mitbringt.
Das Hauptdeck folgt einem Ein-Ebenen-Konzept. Cockpit, Salon und Steuerstand liegen auf einem Niveau und sind über eine breite, dreiteilige Schiebetür miteinander verbunden, von der sich zwei Paneele öffnen lassen.
Der Heckbereich ist funktional eingerichtet. Zentral befindet sich eine wandelbare Sonnenliege mit verstellbarer Rückenlehne, die sich als nach vorn gerichtete Sitzbank nutzen oder zur Liegefläche umbauen lässt. Darunter steckt Stauraum für alles, was an Bord gehört. Ergänzend gibt es eine Sitzgelegenheit an Backbord sowie ein GFK-Pantry-Modul mit Stauraum, Corian-Oberfläche und integriertem Mülleimer. Optional lässt sich hier ein Kühlschrank ergänzen. Ein Elektrogrill ist ebenso vorgesehen, er ist mit 0,59 mal 0,40 Metern ausreichend groß für das BBQ zwischendurch.
Praktisch sind die seitlichen Einstiegstüren an Backbord und Steuerbord. Gelagert sind sie in soliden Edelstahlbeschlägen. Zudem sind umlaufende Handläufe und integrierte Stufen zu den Seitendecks vorhanden. Das Cockpit ist selbstlenzend, verfügt über LED-Beleuchtung und wasserdichte Fusion-Lautsprecher. Am Heck, zwischen den beiden Motoren, sitzt eine ausziehbare Edelstahl-Badeleiter mit Teakstufen, dazu eine Warm-Kalt-Heckdusche.
Auf dem Bug fällt zuerst der Durchgang zum Steuerhaus auf. Er erfolgt nicht nur über die Seitendecks, die für unseren Geschmack zu schmal ausfallen, sondern zusätzlich über eine zentrale, elektrisch betätigte Carbon-Klappe im vorderen Salonbereich. Öffnet sie sich, entsteht ein direkter Zugang zur Buglounge. Dort warten zwei nach vorn gerichtete Liegen mit Kopfstützen und klappbaren Armlehnen auf Gäste. Becherhalter, seitliche Ablagen, LED-Beleuchtung, Edelstahlhandläufe und Lautsprecher machen das Vorschiff zum Lieblingsplatz vor Anker. Für Fender und Leinen sind seitliche, selbstlenzende Stauräume vorgesehen. Der Zugang zu Anker, Kette und elektrischer Ankerwinde wiederum ist zentral untergebracht.
Der Salon profitiert sichtbar von der Katamaranbreite. Große Fensterflächen aus Sicherheitsglas sorgen für einen nahezu umlaufenden Blick nach draußen und machen den großen Raum hell und einladend. An Backbord steht eine L-förmige Sitzgruppe mit festem Tisch, der sich manuell absenken und mit Einlegepolstern in eine zusätzliche Schlafgelegenheit verwandeln lässt. Die Pantry mit Corian-Arbeitsfläche ist in den Salon integriert. Sie umfasst eine Edelstahlspüle, Stauraum, Schubladen, Mikrowelle und einen 130-Liter-Kühl-/Gefrierschrank. Ferner Steckdosen, Handläufe unterhalb der Arbeitsfläche und ein Staufach im Boden.
Bei den Materialien setzt Aquila auf furnierte Möbeloberflächen mit Massivholz-Abschlüssen, gepolsterte Deckenpaneele und dezente LED-Akzente. Manuelle Blenden an den Seitenfenstern sorgen für Sicht- und Sonnenschutz. Optional lässt sich ein großes, elektrisch öffnendes Fiberglas-Schiebedach ordern, ebenso ein aus der Decke absenkbarer Fernseher. Die Bordelektrik läuft über ein C-Zone-Digitalschaltsystem, zur Batterietechnik gehören unter anderem AGM-Start- und Verbraucherbatterien, ein Mastervolt-Inverter/Lader sowie zwei 30-A-Landanschlüsse.
Der Steuerstand liegt geschützt im Innenraum, wirkt durch die großen Fensterflächen aber nicht abgeschottet. Zwei Carbon-Steuersitze mit klappbaren Sitzpolstern stellen den Arbeitsplatz des Fahrers dar. Daneben liegt eine nach vorn gerichtete Lounge, sodass ein Mitfahrer während der Fahrt in Fahrtrichtung sitzen kann. Das Armaturenbrett ist als schwarze Acrylfläche ausgeführt. Lenkradposition, Gashebel und Joystick sind ergonomisch angeordnet, dazu kommen USB- und USB-C-Anschlüsse, ein kabelloses Ladepad, Becherhalter, Fußstützen, Kompass und ein manuell zu öffnendes Seitenfenster.
Unter Deck: In jedem Rumpf befindet sich eine Kabine mit separatem Bad. Die Eignerkabine liegt backbords, die VIP-Kabine im Steuerbordrumpf. Beide Kabinen verfügen über große Rumpffenster, Stauraum in Form von Schränken und Schubladen, Leselampen, USB-Anschlüsse und Memory-Foam-Matratzen. Die Liegeflächen sind mit 194 mal 153 Zentimetern identisch dimensioniert. So richtig gibt es an Bord keine klassische Hierarchie zwischen kleiner Gästekammer und großer Eignersuite, eher zwei nahezu gleichwertige Schlafbereiche. Einzig das etwas größere Bad an Backbord sticht hervor. Wer mehr Platz zum Umziehen braucht, belegt besser die gegenüberliegende Seite und nimmt dafür das etwas kleinere Bad in Kauf. Beide Rümpfe haben also ihre Vorzüge.
Verarbeitungsmäßig zeigt sich die Aquila gut. Ein paar Spaltmaße sind nicht perfekt, und bei der ein oder anderen Dichtstoffnaht hätte man sauberer arbeiten können, das Gros ist aber überzeugend ausgeführt. In Schulnoten würden wir dem Boot in dieser Hinsicht eine Zwei minus geben. Technisch zeigt sich die 42 Coupe für längere Aufenthalte vorbereitet. Zur Sicherheit sind sechs automatische Bilgepumpen und eine Feuerlöschanlage im Maschinenraum der Dieselversion verbaut – vorbildlich! Der Zugang zu Technik und Maschinen erfolgt über große Luken im Cockpit.
Nachdem wir uns alles gründlich angeschaut haben, geht es auf die Probefahrt. Wir legen mit der Backbordmaschine von der Pier ab und verlassen die Marina unter Zuhilfenahme des zweiten Motors. Wie anfangs erwähnt, gibt es eine Innenborder- und eine Außenborderversion. Ersteres ist eine Option, die rund 100.000 Euro zusätzlich kostet. Klarer Vorteil sind der Platzgewinn an Deck sowie die Kraftstoffart – ob sich der Aufpreis irgendwann rechnet, sei allerdings dahingestellt.
Beim Verlassen der Hafenausfahrt beschleunigen wir. Da die Foils erst oberhalb von 14 Knoten spürbar werden, fühlt sich zunächst noch alles vertraut an: Nichts knirscht, nichts wackelt, nichts vibriert. Wir schieben die Hebel weiter nach vorn und spüren, wie das Boot sein Wellensystem verlässt und sich auf die eigene Welle setzt. Die Geschwindigkeit schnellt nach oben, bei 2.500 Umdrehungen in der Minute stehen 21,1 Knoten auf der Logge. Dieser Wert ist auch der wirtschaftlichste Bereich in der Gleitfahrt.
Wir beginnen mit kleineren Lenkmanövern und ziehen immer engere Kreise. Das Boot macht dabei keine Kapriolen und folgt dem Rudergänger zuverlässig. Erst bei höheren Wellen und rund 40 Knoten wird es ungewohnt: Das Foil liefert dann so viel Auftrieb, dass es höhere Wellen förmlich als Sprungschanze nimmt und leicht abhebt. Das Aufsetzen fällt durch die zwei Rümpfe härter aus als bei einem Monohull – doch auch dabei bleibt alles ruhig, nichts knarzt oder verzieht sich. Zurück im Hafen helfen die weit auseinanderliegenden Motoren beim Anlegen. Auch für Katamaran-Einsteiger sollte das, mit etwas Übung, kein Problem darstellen.
Viel Platz
Flacher Tiefgang für schöne Buchten
Laufdeck zu schmal
Gute Fahreigenschaften auch bei Wellengang
Hydro-Glide-System
Zwei vollwertige Kabinen
Spaltmaße Innenausbau
Hochwertige, elektrische Komponenten verbaut
Je ein Landanschluss pro Seite
| Drehzahl U/min | Geschwindigkeit kn | Geschwindigkeit km/h | Verbrauch l/h | Reichweite sm | Reichweite km | Lautstärke dB(A) |
| 600 | 3,3 | 6,1 | 3,7 | 1.177 | 2.179 | 65 |
| 1000 | 5,9 | 10,9 | 11,0 | 708 | 1.310 | 66 |
| 1500 | 8,0 | 14,8 | 28,1 | 376 | 696 | 70 |
| 2000 | 11,0 | 20,4 | 65,0 | 223 | 413 | 74 |
| 2250 | 16,6 | 30,7 | 72,2 | 303 | 562 | 76 |
| 2500 | 21,1 | 39,1 | 83,5 | 333 | 617 | 80 |
| 2750* | 29,0 | 53,7 | 90,0 | 425 | 787 | 78 |
| 3000 | 31,0 | 57,4 | 108,3 | 378 | 699 | 78 |
| 3250 | 35,5 | 65,7 | 135,0 | 347 | 642 | 79 |
| 3550 | 40,0 | 74,1 | 168,0 | 314 | 582 | 82 |
* Hier liegt der wirtschaftlichste Bereich in einer guten Gleitfahrt. Gemessen bei unserem Test mit fünf Personen an Bord, leichtem Wellengang und acht Knoten Wind. 48 Prozent Diesel im Tank, 21 Prozent Wasser.
Bei einer Marschfahrt von 1.000 Umdrehungen in der Minute und einer Geschwindigkeit von 5,9 Knoten ist das Boot unterdurchschnittlich leise. Gerade einmal 66 Dezibel waren am Fahrstand messbar.
Ankerleine und Kette · Edelstahl-Anker · elektrische Toiletten · Mercury Verado V10 400 HP · Badeleiter aus Edelstahl · Joysticksteuerung · Active Trim · Kohlefaser-Foils · Ankerwinsch elektrisch mit 1.000 Watt · Polster in der Farbe Quartz
Gebaut wird der Rumpf in Vinylester-Infusion. Auch Deck, Schotten und Verstärkungen entstehen laut Werft in dieser Bauweise. Die Werft hat ihren Sitz in Shanghai.
Als Option lässt sich entweder ein Bugstrahlruder mit oder ohne Joystick-Integration wählen. Serienmäßig wird das Boot ohne dieses Extra ausgeliefert.
Durch die Aquila-Hydro-Glide-Technologie besitzt das Boot Tragflügel (Foils). Im Semi-Foiling-Modus wird das Boot leicht aus dem Wasser gehoben. Ab 14 Knoten merkt das der Skipper am Steuer.
Wer das Boot in der Arktis fahren möchte, kann sich die Heat-Option bestellen. Sie soll den Betrieb des Bootes auch bei Wassertemperaturen zwischen −10 und 5 Grad Celsius ermöglichen und schützt die empfindlichen technischen Systeme vor den Auswirkungen der Kälte.
Der Leopard 40 PC ist etwas kleiner als die Aquila 42, setzt dafür aber stärker auf längere Reisen. Leopard positioniert ihn ausdrücklich als kompakten Powerkat für Küstenfahrten.
Der Makai 37 ist zwar rund zwei Meter kürzer, dafür ist seine Breite fast gleich. Außerdem ist das Konzept sehr ähnlich. Auch der Makai bietet die Option auf ein Foil-System.
Das auffälligste Merkmal der YOT 41 ist ihr offenes und variables Deckslayout. Die seitlichen Terrassen lassen sich elektrisch ausklappen und vergrößern die nutzbare Fläche am Wasser.
Hafenmanöver Schritt für Schritt - mit dem Motorboot knüpft an die Frage an, wie sich ein Motorboot im Hafen beherrschen lässt. Das Buch zeigt An- und Ablegemanöver aus der Vogelperspektive und erklärt die Abläufe für verschiedene Antriebsarten und Liegeplätze.
Handbuch für Motorbootfahrer behandelt unter anderem Rumpfformen, Motorentechnik, Navigation und Sicherheit an Bord. Farbillustrationen erläutern zudem praktische Manöver Schritt für Schritt.
Sind Foils der nächste konsequente Schritt für schnelle Motorkatamarane oder wird die Technik bei hohem Tempo unnötig anspruchsvoll? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in die Kommentare.

Redakteur Test & Technik
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