Fiart Seawalker 43 PanoramaSicht nach allen Seiten

Jan-Ole Puls

 · 12.06.2024

Auch bei über 25 Knoten fährt sich die Seawalker 43 Panorama ohne Probleme. Selbst bei enger Kurvenfahrt und Welle
Die Seawalker 43 Panorama von Fiart ist keine komplette Neuentwicklung. Vielmehr handelt es sich um ein Facelift mit technischen Änderungen und einem Namenszusatz. Ob sie trotzdem überzeugen kann, musste sie vor Cannes beweisen

Der Vorgänger der Panorama stammt aus dem Jahr 2020. Die Idee, das größte Boot der werfteigenen Walkarounds zu erneuern, sollte die SW 43 vielseitiger und komfortabler machen. Hauptmerkmal ist die größere Windschutzscheibe, daher der Namenszusatz. Sie wurde ebenfalls vollständig von der technischen Abteilung von Fiart in Italien entworfen und gebaut, um ein komfortables Boot für längere Fahrten zu schaffen.

Beginnen wir mit unserem Sea Trial. Schon vom Steg aus, an dem die Fiart während des Cannes Yachting Festival liegt, fallen einem als Erstes die großen flächigen Rumpffenster und das weit nach hinten gezogene Hardtop auf. Wir betreten sie über die große Heckplattform (3,99 x 1,20 Meter). In Blickrichtung Bug befindet sich eine große Liegefläche. Drei bis vier Personen können hier bequem die Sonne genießen.

Das Rückenpolster der Liege lässt sich verschieben, sodass um den Tisch herum eine Sitzbank entsteht. Die Scharniere dafür sind aus Edelstahl. Der Tisch besteht aus Teakholz und ist höhenverstellbar. Zwei Einzelsitze runden die Sitzecke in Richtung Wetbar ab. Insgesamt können sechs Personen einen Platz finden. Die Wetbar verfügt über die übliche Ausstattung (Spüle, Gasherd, Kühlschrank und Staufächer). Sie ist groß genug für einen Snack. Ein Kühlschrank für Getränke ist vorhanden und wird wahrscheinlich mehr genutzt als der Gasherd.

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Skipper kann wassergeschützt an Bord der Fiart Seawalker 43 Panorama navigieren

Zur Abstützung des Hardtops ist in der Mitte eine ellipsenförmige Säule angebracht. Sie fügt sich gut in das Design des Bootes ein und stört weder beim Fahren noch beim normalen Leben an Bord. Das Hardtop ist direkt mit der Windschutzscheibe verbunden und schließt den Raum im vorderen Bereich ab. So kann der Skipper auf der SW 43 wettergeschützt navigieren. Außerdem ragt das T-Top achterlich über die Sitzgruppe hi­naus und bietet so auch ohne Sonnensegel ausreichend Schatten.

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Der Steuerstand der SW 43 Panorama ist mit zwei großen Garmin-Monitoren ausgestattet. Zusätzlich befinden sich zwischen den Displays Knöpfe zum Schalten von Funktionen. Funkgerät und Zip-Wake-System sind ebenfalls vorhanden. Das Lenkrad ist mit Leder bezogen und liegt gut in der Hand, der Doppelgashebel (elektrisch) ist von Volvo Penta. Am Bug ist eine weitere große Liegefläche (2,00 x 2,20 Meter). Die Polster sind hochwertig verarbeitet und bei unserem Testboot in der Farbe Blau gehalten. Das Deck und Teile des Sülls sind mit Teakholz belegt. Im Bug befinden sich zwei ausfahrbare Lampen. Diese sorgen besonders in der Dämmerung oder nachts für ein angenehm beleuchtetes Vordeck. Eine kleine Edelstahlreling ist bis zum Steuerstand geführt. Sie dient eher als Anschlagpunkt für die Fender. Um sich beim Gehen festzuhalten, ist sie zu niedrig.


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Modernes Interieur

In der Kabine geht es modern zu. Pastellfarbene Polster, weiße Oberflächen und sandfarbene Verkleidungen prägen das Bild. Man wähnt sich fast in einem Einrichtungshaus. Das Design mag nicht jedem gefallen, aber es ist stimmig und sehr modern. Direkt am Niedergang befinden sich ein kleines Zweisitzer-Sofa und der direkte Zugang zum vorderen Bett. Wer möchte, kann für mehr Privatsphäre im Bug ein extra Schott mit Tür bestellen. Die Stehhöhe unter Deck beträgt zwei Meter.

Auf dem Weg zur Unterflurkabine kommen wir an der Nasszelle vorbei. Sie ist schön groß und mit separater Dusche, elektrischem WC, Waschbecken und dem obligatorischen Spiegel ausgestattet. Auch hier wird das Farbkonzept wieder aufgegriffen. In der Unterflurkabine können zwei Personen in Einzelbetten schlafen. In der Mitte befindet sich ein Nachttisch, dessen Kopfteil mit Mikrofaserstoff bezogen ist. Das sieht edel aus. Ansonsten gibt es viel Stauraum und eine Stehhöhe von etwa 1,73 Meter. Die Qualität des Ausbaus überzeugt. Am Ausstellungsboot gab es nichts zu beanstanden.

Ein Kunstwerk in der Eignerkabine auf der Fiart Seawalker 43 Panorama

Die wohl größte Besonderheit des Bootes ist ein Kunstwerk in der Eignerkabine: ein Stück Entstehungsgeschichte des Bootes. Die Möbel der Panorama sind gefräst. Das Sperrholz, das als Werkbank dient, wird dabei unweigerlich mitgefräst. Doch anstatt es wegzuwerfen, fertigt die Künstlerin Annalaura di Luggo für jedes Boot ein einzigartiges Wandpaneel an. Es wird am Schott zwischen Ankerkasten und Kabine angebracht.

Zur Probefahrt: Bei bestem Wetter verlassen wir den Hafen von Cannes. Die Sonne scheint, und das Yacht Festival ist in vollem Gange. Vorbei an den großen Azimuts und der neuen Nimbus W11 geht es hinaus aufs Meer. Der Wind bläst mit etwa 15 Knoten aus West, und die Welle ist nicht höher als einen halben Meter. Langsam geben wir Gas. Bei 1500 Umdrehungen haben wir bereits 9,2 Knoten auf der Logge. Aus dem 10-Knoten-Geschwindigkeitsbereich heraus beschleunigen wir und erreichen bei etwa 2400 Umdrehungen pro Minute 19 Knoten und damit eine gute Gleitfahrt.

Der wirtschaftliche Bereich liegt bei 3000 Umdrehungen pro Minute und 26,6 Knoten. Rechnet man 15 Prozent Reserve ab, erreicht das Boot mit dem 1150-Liter-Tank eine Reichweite von 212 Seemeilen. Sind beide Gashebel am vorderen Anschlag, erreichen wir mit 57 Prozent Tankinhalt, acht Personen an Bord und halb vollem Wassertank 36 Knoten. Dabei lässt sich die Seawalker 43 Panorama gut steuern. Die IPS-Motoren ziehen das Boot auch bei größeren Wellen durch die Kurve. Und ja, ziehen ist hier das richtige Wort. Denn beim IPS-Antrieb zeigen die Propeller nicht wie üblicherweise nach hinten sondern nach vorne. Sämtliche Manöver meistert die Fiart ohne Beanstandungen.

Fazit

Die Fiart Seawalker 43 Panorama ist ein gut durchdachtes und sauber verarbeitetes Boot. Durch die Möglichkeit der individuellen Farbgestaltung und eines zusätzlichen Schotts können persönliche ­Wünsche beim Layout unter Deck umgesetzt werden.

Vorteile

  • + modernes Design
  • + separate Dusche
  • + hochwertige Verarbeitung

Technische Daten

  • CE-Kategorie: B/14
  • Länge über alles: 13,84 m
  • Breite: 3,99 m
  • Verdrängung (o. Motoren): ca. 9500 kg
  • Tiefgang: ca. 1,04 m
  • Durchfahrtshöhe: 4,14 m
  • Kraftstofftank: 1150 l
  • Schlafplätze: 4
  • Testmotorisierung: 2 x 480 PS
  • Preis ab: 648 000 €
  • Weitere Infos: www.fiart.com

Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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