Galeon 335 GTODer Alleskönner unter zehn Metern? Teil 2

Jan-Ole Puls

 · 10.07.2026

Der Sitzbereich im Vorschiff ist gut erkennbar.
| Foto Galeon Yachts
Mit ihrem kleinsten Modell will die polnische Galeon-Werft Fahrspaß, Alltagstauglichkeit und vor allem hohen Wochenendkomfort vereinen – und das auf weniger als zehn Metern Rumpflänge. Ob dieses Konzept aufgeht, zeigt der BOOTE-Test. Teil zwei liefert noch mehr Eindrücke, Details und Informationen zum Boot.

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Unter dem Hardtop befindet sich an Backbord eine Wetbar mit Kühlschrank, Spüle sowie großzügigen Arbeits- und Stauflächen. Ein Grill oder Kochfeld fehlt allerdings, sodass serienmäßig keine warmen Mahlzeiten zubereitet werden können. Das Hardtop lässt sich asymmetrisch nach achtern öffnen. Es überspannt die gesamte Bootsbreite, ist nach vorn und zu den Seiten geschlossen und reicht bis zur hinteren Sitzbank. Im Grunde sitzt hier eher ein nach achtern offenes Deckshaus auf dem Rumpf als ein klassisches Hardtop. Mittig zwischen Bugdurchgang und Steuerstand führt der Niedergang in die Kabine. Die dreistufige Treppe ist angenehm breit, lediglich die oberste Stufe fällt leicht nach vorn ab.

Überraschend viel Platz unter Deck der Galeon

Der erste Blick fällt auf einen überraschend geräumigen Salon mit voller Stehhöhe. Ein U-Sofa mit Tisch und klappbarer Platte dominiert den Raum. An Backbord begrenzt ein Schrank die Sitzgruppe. Hier sitzen unter anderem Sicherungen und Schalter der Bordelektrik. Auch eine Mikrowelle findet dort Platz, gehört aber nicht zur Serienausstattung. Mit wenigen Handgriffen lässt sich das Sofa über den höhenverstellbaren Tisch in eine großzügige Liegefläche verwandeln. Auch diese Lösung kostet allerdings Aufpreis. Licht fällt von allen vier Seiten in den Salon und sorgt für eine angenehme Atmosphäre.

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Zwei komfortable Doppelkojen

Unter dem Cockpitboden, direkt hinter der Treppe, liegt eine zweite vollwertige Doppelkoje. Die Stehhöhe ist hier zwar auf rund einen Meter begrenzt, dafür bietet die Liegefläche in Länge und Breite keinerlei Einschränkungen. Indirekte LED-Beleuchtung sorgt zusätzlich für Gemütlichkeit.

Komfortabler Sanitärbereich

An Steuerbord befindet sich unter Deck ein ausgewachsener WC-Raum. Elektrische Toilette, hochwertiger Waschtisch und eine Jalousie vor dem Rumpffenster verleihen dem Kompaktformat einen überraschend luxuriösen Eindruck. Lediglich eine separate Duschkabine fehlt. Insgesamt profitiert der Wohnbereich von der cleveren Rumpfform: Unter Wasser dominiert ein tiefes, mehrfach gestuftes V, darüber wird der Rumpf schnell breit und bleibt auch im Vorschiff sehr voluminös. Das schafft reichlich Platz für ein komfortables Wochenende an Bord.

Moderner Steuerstand mit Mercury-Technik

Bei allem Komfort bleibt der Steuerstand das Herz dieses Powerboats. Der Skipper sitzt auf einem der beiden längs verschiebbaren Sitze mit klappbarer Sitzfläche oder fährt im Stehen. Links und rechts sorgen Schiebefenster für Frischluft. Im Blickfeld liegt ein großes Multifunktionsdisplay. Darunter sitzt eine vorbildlich beschriftete Batterie hochwertiger Edelstahlschalter für sämtliche fahrrelevanten Systeme. Rechts vom Lenkrad dreht sich alles um die Motorsteuerung. Die Verados werden über das digitale Gas- und Schaltsystem samt Display bedient. Active Trim, Kupplung und speicherbare Fahrprofile lassen sich per Tastendruck aktivieren. Davor sitzt der Mercury-Premier-Joystick inklusive Skyhook- und Dockhook-Funktion. Direkt daneben befinden sich die Taster für die serienmäßigen Trimmklappen.

Sportliche Fahrleistungen

Schon beim Verlassen des Werfthafens wird klar: Dieses Boot will nach vorn. Temperamentvoll wie ein kräftig motorisiertes RIB geht die Galeon 335 GTO in die Beschleunigung. Die beiden 400-PS-Außenborder greifen beherzt ins Wasser. Ab 14 Knoten gleitet das Boot an. Die Drehzahl liegt bei gut 4.000 Touren. Bei 5.000 U/min fühlt sich die 335 GTO am wohlsten. Die Reisegeschwindigkeit beträgt dann rund 32 Knoten, der Verbrauch liegt bei etwa 160 Litern pro Stunde. Liegen die Hebel auf dem Tisch, erreicht das Boot 42 Knoten. Bei 6.300 U/min genehmigen sich die Verados rund 270 Liter pro Stunde.

Sicheres Handling auf dem Wasser

Das Fahrverhalten ist unter allen getesteten Bedingungen astrein. Das Boot wirkt leicht, liegt sauber auf dem Wasser und geht souverän durch die Welle. Vor allem in schnellen Kurven zeigt der Rumpf seine Qualitäten. Selbst enge Radien steckt die 335 GTO sauber weg. Kein Untersteuern, kein Wegrutschen. Kavitation scheint kein Thema zu sein – vorausgesetzt, der Fahrer geht mit ein bisschen Gefühl ans Active Trim.

Gleichzeitig sorgen das gestufte Unterwasserschiff und die weit ausladenden Rumpfflächen über Wasser für eine trockene Fahrt. Dem Fahrer ist das Dauergrinsen praktisch ins Gesicht gemeißelt, während die Gäste im Cockpit auch bei zackigeren Manövern entspannt bleiben. Wer steht, findet genau dort Haltegriffe, wo sie gebraucht werden. Auf den Sitzen und Bänken ist jederzeit guter Halt vorhanden.

Leider reichte die Zeit am Testtag nicht für eine ausführliche Fahrt auf der Ostsee. Das Verhalten in Wellen ließ sich deshalb nur anhand der Heckwellen eines größeren Schwesterschiffs auf dem Fluss simulieren. Diese nimmt die 335 GTO souverän, trocken und komfortabel – ein Eindruck, der für rauere Bedingungen durchaus optimistisch stimmt.

Präzise Hafenmanöver per Joystick

Auch im Hafen hinterlässt das Testboot einen ausgezeichneten Eindruck. Einen großen Anteil daran hat der optionale Mercury-Joystick mit seinen Positionierungsfunktionen. Während die beiden Außenborder am Heck mit kurzen Gasstößen auf der Stelle arbeiten, hält das Boot seine Position sauber parallel zum Steg – ganz ohne Leinen. Zuvor ließ es sich mit wenigen Bewegungen des Joysticks präzise an den Liegeplatz manövrieren. Auch das ist zwar aufpreispflichtig, passt aber hervorragend zum insgesamt vielseitigen Konzept der Galeon 335 GTO.


Teil 1 des BOOTE-Tests lesen Sie hier:


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Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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