Wer bei 63 Fuß automatisch an ein weiteres luxuriöses GFK-Schiff im Stil großer Serienwerften denkt, wird von der neuen Pearl 63 überrascht. Denn was die Briten hier entwickelt haben, ist weit mehr als ein Facelift der 62er mit ein paar neuen Details. Die aktuell kleinste Pearl stammt erneut aus der Feder von Bill Dixon, der seit Jahren für den unverwechselbaren Markenlook sorgt. Für das Interieur zeichnet, wie gewohnt, Kelly Hoppen hauptverantwortlich. Ihr Design bewegt sich zwischen Boutique-Hotel und modernem Apartment: hell, aufgeräumt und elegant. Zur Auswahl stehen drei verschiedene Stilrichtungen, die jeweils auf eigene Farbkonzepte setzen. Die Möblierung und die grundsätzliche Raumaufteilung bleiben jedoch unverändert. Trotz aller Designverliebtheit ist die Pearl 63 jedoch ein echtes Boot, das gefahren werden möchte, und kein schwimmendes Loft, das nur im Hafen glänzt.
Das Boot liegt in der Swanwick Marina in Southampton. Wir betreten es über die teakbelegte Badeplattform. Hier wartet bereits das erste Highlight, wie uns Iain Smallridge, Managing Director von Pearl, erklärt. Die Rede ist von der Heckgarage, die klassisch unter der Achterlounge angeordnet ist. Sie bietet Platz für einen 2,85-Meter-Tender oder einen Jetski; alternativ lässt sich der Raum als Crewkabine nutzen. Die Badeplattform kann abgesenkt werden. Mit zusätzlichen Halterungen könnten so auch Schlauchboot und Jetski transportiert werden.
Auf das Hauptdeck gelangt man ausschließlich über die Steuerbordseite, da das Sofa auf Backbord keinen Durchgang lässt. Das bedeutet, dass man beim An- und Ablegen etwas längere Wege hat oder eine weitere Person benötigt.
Der Heckbereich ist mit einem L-Sofa ausgestattet, auf dem bequem sechs Personen Platz finden. Davor stehen zwei Tische, die sich zu einem großen zusammenklappen lassen. Wird mehr Raum gewünscht, können die Balkone an beiden Seiten hydraulisch ausgeklappt werden. Das erweitert die Fläche jeweils um rund drei Quadratmeter und öffnet zugleich den Blick aufs Wasser. Bevor wir unter Deck gehen, werfen wir einen Blick aufs Vorschiff und die Flybridge. Der Weg nach vorn ist beidseitig möglich, die Gangborde sind breit und ebenfalls mit Teak belegt. Im Vorschiff finden wir einen Lounge-Bereich mit Sonnenliege für drei bis vier Personen sowie eine weitere Sitzecke. Insgesamt zählen wir hier zwölf Getränkehalter – der Lieblingsplatz für Gäste und Eigner zum Sonnen und Entspannen dürfte damit gefunden sein.
Auch der Ankerkasten ist großzügig bemessen und über eine Klappe gut zugänglich. Die elektrische Ankerwinde ist bei dieser Bootsgröße selbstverständlich; immerhin müssen 40 Tonnen sicher gehalten werden.
Die Flybridge reiht sich beim Komfort nahtlos ein. Zwar gibt es hier weniger Getränkehalter, dafür aber mehr Sonnenliegen in unterschiedlicher Ausführung. Das Dach lässt sich elektrisch öffnen, und der Fahrstand entspricht in der Ausstattung dem Innensteuerstand (dazu später mehr). Die Sicht ist sehr gut. Für das Anlegen stehen Kameras zur Verfügung, sodass sich der Bereich achtern problemlos einsehen lässt. Eine Außenpantry mit Grill, Spüle und Kühlschrank ist ebenfalls vorhanden.
Eine Etage tiefer zeigt sich im Salon ein modernes, harmonisches Gesamtbild. Designerin Kelly Hoppen setzt hier ihre kreative Handschrift fort, die man auch bei den größeren Modellen findet. Helle Polster, Holzdekore mit geraden Jahresringen und Corian-Arbeitsflächen gehören zu ihren charakteristischen Gestaltungsideen. Die Pantry an Backbord lässt natürlich nichts vermissen – Kochfeld, Dunstabzug, Backofen, Spüle, viel Arbeitsfläche und Kühlschrank. Gegenüber befindet sich ein L-förmiges Sofa.
Die Heckscheibe lässt sich absenken, wodurch der Innenraum teilweise mit dem Außenbereich verschmilzt. An der Stelle, an der die Scheibe verschwindet, entsteht eine Art Bar-Tresen. Weiter vorn, eine Stufe höher, befinden sich ein großes U-Sofa sowie ein kleiner zusätzlicher Sitzbereich. Die erhöhte Ebene bietet zwei Vorteile: Durch die großen Fenster wurde die Aussicht optimiert und die darunterliegende Eignerkabine gewinnt an Kopffreiheit. Auch hochgewachsene Kunden werden sich hier sehr wohlfühlen.
Kommen wir zum bereits erwähnten Innenfahrstand. Neben Steuerrad, Gashebeln und dem Joystick-System gibt es eine Schalterleiste mit Kippschaltern für diverse Funktionen, ein Bedienelement für das Bugstrahlruder sowie zwei große Multifunktionsdisplays. Die Motordaten oder Autopilot-Informationen finden sich auf einem Extra-Monitor. Insgesamt lässt sich die Pearl 63 von hier bequem steuern und die Anordnung ist gut gewählt: Sowohl im Sitzen als auch im Stehen erreicht man alle Bedienelemente.
Um auf das Unterdeck zu gelangen, gibt es zwei Treppen. Die erste befindet sich neben dem Steuerstand. Hier unten liegt der Drei-Kabinen-Bereich für die Gäste. Im Vorschiff befindet sich die VIP-Kabine, davor auf beiden Seiten Gästesuiten mit zwei Einzelbetten. Diese sind 87 Zentimeter breit und zwei Meter lang. Das Design wirkt edel, große Rumpffenster lassen Tageslicht herein. Neben den drei Kabinen sind außerdem zwei Bäder vorhanden. Eines davon gehört zur VIP-Kabine. Hier misst das Doppelbett 1,60 mal 2,00 Meter, reichlich Stauraum gibt es sowohl im Bettkasten als auch an den Rumpfseiten zur Genüge.
Zu der über die gesamte Schiffsbreite reichenden Eignerkabine gelangt man über eine Wendeltreppe im Heck. Die Kabine selbst ist geräumig und hell. Das Doppelbett misst 1,80 mal 2,00 Meter, ein Sofa mit Tisch, ein Arbeits- oder Schminkbereich und natürlich ein eigenes Bad ergänzen den Bereich. Die großen Rumpffenster lassen viel Tageslicht einfallen und vergrößern den Raum optisch. Hinter der Kabine liegen die Motoren. Zur Wahl stehen drei Aggregate von Volvo Penta: IPS 1050 als Standard, IPS 1200 als Upgrade und IPS 1350 als höchste Ausbaustufe. Verbaut sind immer zwei Motoren mit IPS-Antrieb. Der Rumpf, der zur Pearl 62 gleich geblieben ist, wurde für diese Antriebsart optimiert. Wir fahren bei unserem Test in England die stärkste Motorisierung mit 2 mal 1.000 PS.
Ab aufs Wasser. Dank Joystick-System lässt sich das Boot leicht manövrieren. Beim Auslaufen prüfen wir Geräusche und Vibrationen – abgesehen von einer losen Vase fällt nichts auf. Auch bei höheren Drehzahlen bleibt die Fahrt ruhig. Der Seakeeper reduziert das Rollen spürbar, und bei 0,6 Meter Welle ist die Fahrt sehr angenehm. Auf dem Weg in Richtung Isle of Wight erreichen wir 35,8 Knoten bei 376 Litern pro Stunde. Ökonomischer fährt die Pearl bei 2.100 U/min mit 23,8 Knoten bei 252 Litern – für beide Motoren zusammen. Kurven, Slalom und andere Manöver meistert die Pearl problemlos. Sie wirkt groß und träge, ist aber nicht unhandlich. Auffällig ist die geringe Lautstärke: 62 dB(A) bei Volllast und unter 60 dB(A) bei normaler Cruisingfahrt.
Zurück im Hafen werfen wir noch einen Blick auf die Verarbeitung, finden aber nichts Negatives. Insgesamt kann man bei der Pearl 63 von einem durchdachten Nachfolger der 62er sprechen. Rumpf und Deck sind gleich geblieben, der Rest hat sich deutlich verändert.
Die Pearl 63 präsentiert sich als durchdachte Weiterentwicklung ihrer Vorgängerin. Sie kombiniert modernes Design mit praktischen Lösungen, wie der großen Heckgarage, den Balkontüren sowie großzügigen Bereichen an und unter Deck.
Die Kabinen wirken hell und gut genutzt. Auf dem Wasser bleibt das Boot leise, stabil und einfach zu manövrieren. Insgesamt ein stimmiges Gesamtbild.
Großzügige Heckgarage
Sehr leise im Betrieb
Kein Durchgang auf Backbord