Sargo 36So schlägt sich das finnische Taschenmesser im Test

Jan-Ole Puls

 · 13.01.2025

Die finnische Werft Sargo verspricht einfaches Handling, Seetüchtigkeit und eine moderne Optik
Foto: Ole Puls
Ein Boot für die ganze Saison – so wirbt die finnische Werft Sargo. Einfaches Handling, Seetüchtigkeit und eine moderne Optik werden ebenfalls versprochen. Beim BOOTE-Test musste sich die 36er vor Kiel beweisen.

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Sargo, früher bekannt als Minor, ist eine finnische Werft, die sich auf robuste Allwetter-Sportboote spezialisiert hat. Das 1967 gegründete Unternehmen baut Boote zwischen 25 und 45 Fuß, die sich nicht nur an der finnischen Küste, sondern auch darüber hinaus großer Beliebtheit erfreuen. Die Boote zeichnen sich durch ihre außergewöhnliche Seetüchtigkeit aus, besonders bei wechselhaftem Wetter, und gelten als ideale Begleiter für raue Bedingungen.

Die Mitte des Sargo-Spektrums

Das klingt für uns vielversprechend und so ein Ding mussten wir natürlich selbst fahren. Bei der Auswahl des richtigen Modells stehen wir allerdings vor der Frage: „Welches ist am besten geeignet?“ Die nagelneue 31-Fuß-Version wäre eine naheliegende Wahl gewesen – und wir werden sie sicher bald testen –, aber dieses Mal entscheiden wir uns für die Mitte des Spektrums: die Sargo 36. Besonders interessant an diesem Test ist, dass wir die Gelegenheit bekommen, ein Eignerschiff zu fahren. So konnten wir gleichzeitig die Besitzer nach ihrer Meinung fragen, uns aber auch unseren eigenen Eindruck machen. Also auf nach Kiel, in die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein, genauer gesagt nach Strande am Nordufer der Kieler Förde.

Am Steg 7 erwartet uns ein hellgrauer Rumpf, der in unseren Augen sehr gut zu dem weißen Aufbau und der schwarz eloxierten Reling passt. Auffällig ist auch das nach vorne gezogene Dach. Dadurch stehen die Scheiben in einem positiven Winkel, was mehr Platz im Innenraum, aber auch einen besseren Wasserablauf von den Scheiben ermöglicht. Eigenschaften, die nicht nur für das nordeuropäische Schmuddelwetter vom Vorteil sind.

Über die serienmäßige und für Sargo typische Bugtreppe gehen wir an Bord und staunen über die Höhe des Schanzkleides. 80 Zentimeter messen wir später. Das Gangbord ist mit rund 40 Zentimetern Breite ideal, um sich zu bewegen. Man fühlt sich gleich sicher. Durch die Backbordtür betreten wir das geräumige Deckshaus. Das Dekor ist in Eiche gehalten, was den Innenraum angenehm hell und luftig macht. Optional ist auch ein Teakholz erhältlich.

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An Steuerbord ist ein Fahrstand für zwei Personen eingebaut. Hier befindet sich alles, was zur Schiffsführung benötigt wird. Außerdem sind zwei luftgefederte Sitze eingebaut. Diese sind bequem und funktionieren bei der späteren Probefahrt gut. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings, dass sie sich bei Wellengang bewegen. Am Übergang von der Windschutzscheibe zum Dach sind weitere Anzeigen angebracht.

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Nahezu 360-Grad-Rundumsicht

Hinter dem Steuerstand befindet sich eine erhöhte Sitzecke mit Tisch. Dieser kann abgesenkt und zu einem zusätzlichen Schlafplatz umgebaut werden. Auf der gesamten Backbordseite ist dann die Pantry mit Spüle, Herd und viel Stauraum angeordnet. Optional könnte hier ein dritter Sitz gewählt werden. Auf diesem Boot wurde jedoch der Stauraum bevorzugt. „Wir sind sowieso meistens nur zu zweit unterwegs, da ist der extra Platz wichtiger als ein weiterer Sitz“, kommentiert Eignerin Frau Schmidt die Wahl der Optionen. Der Boden ist mit Kunstteak belegt. Ansonsten wirkt das Cockpit luftig und lichtdurchflutet. Die Rundumsicht beträgt nahezu 360 Grad. Das Dach kann zusätzlich geöffnet werden.

Aufteilung unter Deck

Eine Etage tiefer im Vorschiff befindet sich die Eignerkabine. Das Bett ist 1,70 x 2,00 Meter breit und es gibt ausreichend Stauraum in Schränken und unter dem Bett in Form von Schubladen. Zwei kleine Bullaugen sorgen für Frischluft, ebenso eine Decksluke. Das angrenzende Badezimmer ist mit Toilette, Waschtisch und Dusche ausgestattet. Zur Aufbewahrung von Handtüchern und Hygieneartikeln ist Platz im Waschtisch oder hinter dem Spiegel. Dahinter befindet sich der Sicherungskasten. So ist er gut erreichbar und trotzdem vor Feuchtigkeit geschützt.

Unter dem Cockpit liegt die Gästekabine. Sie ist entweder mit zwei Einzelbetten oder mit einem Zusatzpolster zu einem großen Doppelbett ausgestattet. Außerdem kann man zwischen einem großen Kleiderschrank oder einer kleinen Toilette wählen. Letztere sorgt für mehr Ruhe bei Besuch an Bord.

Das Achterdeck

Tritt man aus der Unterflurkabine an die frische Luft, kommt man auf das große Achterdeck mit Sitzbank. Die 36 ist auch als Flybridge-Version bestellbar, was bei unserem Testboot nicht gewünscht war. Ab Werft kann man sich ebenso für eine Dachverlängerung und ein Verdeck entscheiden. Ganz am Heck gibt es dann noch eine Badeplattform.

Warum man sich für eine Sargo entscheidet

Aber natürlich muss das Boot auch die BOOTE-Prüfkriterien bestehen. Also lösen wir die Leinen und fahren rückwärts aus dem Liegeplatz. Herr Schmidt bewegt den Joystick und schon dreht sich die Sargo auf der Stelle. „Eine meiner Lieblingsfunktionen an Bord“, sagt er. Langsam steuern wir aus dem Strander Hafen, vorbei an den Seglern aus Schilksee. Die Dünung der letzten Tage liegt noch in der Bucht und wir hoffen auf weniger Welle, wenn es Richtung Laboe geht.

Die kurze Überfahrt überbrücken wir mit einem Gespräch und fragen die Eigner, warum sie sich für die Sargo entschieden haben. „Na ja, wir kommen von einem sportlichen Segelboot, haben aber mit der Zeit gemerkt, dass wir dem nicht mehr gerecht werden. Bevor etwas passiert, wollten wir dann umsteigen. Ganz weg vom Wasser war aber keine Option“, erzählt Herr Schmidt. „Auf der Suche nach dem passenden Boot haben wir uns dann viel angeschaut“, ergänzt seine Frau. Von der Sealine bis zur Nimbus war vieles dabei. Die Wahl fiel schließlich auf die Sargo 36. „Wichtig war mir außerdem, dass das Boot gute Seeeigenschaften hat“, erzählt er. „Ein Stahlverdränger eher für Binnengewässer sollte es auch nicht sein und ein bisschen Power ist auch okay“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Die Testfahrt mit der Sargo 36

Jetzt aber zurück zum echten Test: Bevor wir ablegen, werfen wir noch einen Blick in den geräumigen Motorenraum. Er beherbergt zwei Volvo-Penta-Motoren, die servicefreundlich unter einer großen Motorraumklappe auf dem Achterdeck untergebracht sind. Die beiden D6-Aggregate leisten je 340 PS. Die Verlegung der Schläuche und Kabel ist fachmännisch ausgeführt. Sogar die Schalldämmung, die bei anderen Booten manchmal eher stiefmütterlich behandelt wird, bleibt ohne Beanstandung. Auch eine Webasto-Standheizung hat hier einen Platz gefunden. Sie verfügt über 5,5 kW Heizleistung.

Vor Laboe geben wir außerhalb der Geschwindigkeitsbegrenzung Gas. Schnell überschreiten wir die Rumpfgeschwindigkeit und kommen in Gleitfahrt. Der Rumpf setzt weich in die Welle ein und hebt sich leicht wieder an. Man merkt der Sargo ihre Offshore-Tauglichkeit an. Die

Kurvenlage ist gut, nicht zu sportlich, nicht zu konservativ. Würde man sie mit einem Autotyp vergleichen, käme man auf einen SUV. Und ehrlich gesagt, ist sie das auch, nur eben auf dem Wasser.

Auch beim Slalom verhält sie sich sportlich. Sie schaukelt sich ein wenig auf, aber sobald man zur Geradeausfahrt zurückkehrt, stoppt diese Bewegung sofort. Zu keiner Zeit fühlt sich das unsicher oder unkontrolliert an.

Legt man den Hebel auf den Tisch, erreichen wir bei 50 Zentimetern Welle und Urlaubsbeladung 36,1 Knoten bei 3480 Umdrehungen pro Minute. Die Werft gibt mit den gleichen Motoren eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 36,1 Knoten an. Sie erreicht also ihre angegebenen Werte. Eine entspanntere und vor allem wirtschaftlichere Gleitfahrt liegt bei 3000 Umdrehungen und 29,1 Knoten. Der Geradeauslauf ist bei der Geschwindigkeit hervorragend, man könnte das Lenkrad loslassen. Nach etwa 20 Seemeilen Testfahrt haben wir einen umfassenden Eindruck gewonnen und kehren zurück an unseren Liegeplatz nach Strande.


Technische Daten

  • CE-Kategorie: B/12
  • Länge über alles: 11,80 m
  • Breite: 3,65 m
  • Verdrängung: 8400 kg
  • Tiefgang (Antrieb unten): 1,10 m
  • Durchfahrtshöhe: 4,85 m
  • Kraftstofftank: 860 l
  • Max. Motorisierung: 2 x 324 kW (440 PS)
  • Testmotorisierung: Volvo Penta D6-340
  • Preis inklusive Testmotor: ab 530.651 €
  • Weitere Infos: mittelmannswerft.de

Messergebnisse


Fazit

Qualitativ spielt die Sargo 36 in einer hohen Liga. Alles ist ordentlich verlegt und auch der Innenausbau ist hochwertig gemacht. Die Fahrwerte sowie das typisch skandinavische Design überzeugen. Wer ein Fahrtenboot für quasi jedes Revier sucht, ist mit der 36er gut beraten.

Handling

Seegängigkeit

Anpassbarkeit

Moderne Optik


Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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