Die italienische Werft Tuccoli blickt auf eine bereits 70-jährige Bootsbaugeschichte zurück. Die Werft konzentrierte sich anfangs auf robuste Arbeitsboote für Berufsfischer. Über Jahrzehnte entwickelte sich das Unternehmen zu einem Hersteller, der sowohl Arbeitsboote als auch Freizeitboote fertigt. Tuccoli Marine produziert in Italien und führt alle Schritte von der Planung bis zur Fertigung im eigenen Betrieb durch. Die Werft beschäftigt sich mit Strömungssimulation (Computational Fluid Dynamics; CFD), um optimale Rumpfformen zu entwickeln. Dabei werden besonders die Wellenverhältnisse im Mittelmeer berücksichtigt, die sich durch kürzere Abstände und steilere Flanken von Ozeanwellen unterscheiden.
Die Boote nutzen ein Längen-Breiten-Verhältnis, das die Stabilität bei Seegang verbessern soll. Zudem ist die V‑förmige Rumpfform vom Bug bis zum Heck ausgeprägt. Die Gewichtsverteilung ist so angelegt, dass Trimmklappen oder Stabilisatoren weniger zum Einsatz kommen.
Tuccoli Marine gliedert ihr Angebot in drei Modellreihen mit Booten zwischen etwa 7 und 13,5 Metern Länge. Die Boote lassen sich für verschiedene Zwecke ausstatten: Angler erhalten Behälter, Rutenhalter und Arbeitsflächen. Freizeitnutzer können Sonnenliegen, wasserabweisende Polster und Pantrys wählen, außerdem bietet die Werft unterschiedliche Deckslayouts und Innenausstattungen an.
Unser Testboot, die T295 SF Montecristo, gehört zur SAV-Baureihe (Sport Activity Vessel) und ist ein zehn Meter langer Cruiser, der für Touren mit der Familie ausgestattet ist. Auch für die Entdeckungs- und Angeltour mit Freunden ist sie gut geeignet. Wer ganz viel Wert aufs Angeln legt, ist mit dem Schwester-Modell T295 VM gut beraten, denn das bietet mittschiffs einen riesigen Stauraum mit Schrank für die Angelausrüstung. Dieser Raum ist nicht nur von innen, sondern auch über einen Zugang vom Cockpit aus zu erreichen. Die Ausstattung im Cockpit war auf der VM-Ausstellungsversion mit speziellem Fishing-Equipment ausgerüstet. Unter Deck installiert Tuccoli bei der VM-Ausführung eine wandelbare Sitz-Liege-Einheit. Unser Testboot, die SF‑Variante, hat hier dagegen eine schräg eingebaute Doppelkoje mit den Abmessungen 1,75 mal 2,22 Meter. Eine weitere Doppelkoje befindet sich in einer Unterflurkabine etwa mittschiffs. Sie ist dort untergebracht, wo die Fishing‑Ausführung einen großen Stauraum vorsieht.
Die Nasszelle ist bei beiden Booten identisch. Sie ist mit einem Waschbecken, einer Dusche und einer elektrisch betriebenen Toilette ausgestattet. Beim Sitzen auf der Toilette findet man genügend Beinfreiheit. Der Raum bietet insgesamt ebenfalls ausreichend Platz und wird über ein Bullauge gelüftet. Gegenüber der Nasszelle befindet sich ein großer Schrank, zudem gibt es weitere Stauflächen in Ablagen.
Zwischen der Unterflurkabine und dem restlichen Unterdeckbereich gibt es keine Trennung – also weder Wand noch Vorhang. Der Weg von den Kabinen zum Deck führt über eine ausreichend dimensionierte Treppe.
Im Cockpit ist der Fahrstand an Steuerbord installiert. Auf der anderen Seite steht die Dinette, die sich zur Einmannkoje umbauen lässt – praktisch als Notkoje für Gäste. Gut gelöst: Die Sitzflächen lassen sich seitlich herausziehen, die Gruppe bietet so genügend Platz zum Essen für vier Personen. Hinter dem Fahrersitz ist die Pantry angeordnet, sie bietet einen serienmäßig mit Gas betriebenen Kocher, einen Kühlschrank und ein Spülbecken. Über allem erstreckt sich ein Hardtop mit Luken im vorderen Bereich.
Im hinteren Bereich installierte die Werft auf unserem Testboot Sitzbänke. Das gesamte Cockpit ist jedoch modular ausrüstbar – die Werft bezeichnet das als Tuccoli Modular Deck – mit verschiedenen Ausstattungsmöglichkeiten.
An Steuerbord führt ein Durchgang mit Tür zur Badeplattform. Die Plattform ist rutschfest, es gibt eine solide Leiter sowie eine Heckdusche. Wer vom Cockpit aufs Vordeck möchte, nimmt den sicheren Weg über eine Stufe auf die Seitendecks, die mit reichlich Griffen und einer Reling ausgestattet sind. Auf dem Vordeck befindet sich eine breite, bequeme Liege – ideal für Sonnenanbeter.
Zur Motorisierung bietet Tuccoli Außenborder von Honda, Suzuki und Yamaha an, jeweils als Doppelpack mit 250-PS- oder 300-PS-Motoren. Wir fuhren mit zwei 300-PS-Außenbordern aus dem Hause Suzuki.
Die Werft hat am Fahrstand einen bequemen Sportsitz installiert, von dem aus man Lenkung, Schaltung und andere Bedienelemente gut erreicht und die Monitore uneingeschränkt ablesen kann. Besonderes Lob verdient die Installation eines analogen Kompasses.
In Verdrängerfahrt läuft das Testboot spurtreu und muss kaum korrigiert werden. Zwischen etwa 2.500 und 3.700 Umdrehungen pro Minute liegt der Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt. Der Bug hebt sich zwar an, die Sicht nach vorn bleibt dabei jedoch unproblematisch. Bei rund 4.000 Umdrehungen pro Minute erreicht die Tuccoli in guter Gleitfahrt etwa 22 Knoten; das ist zugleich die wirtschaftliche Fahrweise. In dieser Situation ergibt sich eine Reichweite von rund 157 Seemeilen plus 15 Prozent Reserve, der Geräuschpegel liegt bei etwa 81 dB. Als Höchstgeschwindigkeit erreichen wir mit unserem Testgespann gut 37 Knoten. Die Kursstabilität ist über den gesamten Fahrbereich gut, und bei schneller Kurvenfahrt legt sich das Boot nicht übermäßig auf die Seite, sondern zieht sicher seine Runden. Gewöhnungsbedürftig ist die Lenkübersetzung: Es sind rund 9,5 Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag nötig. Das erfordert viele Drehungen beim Umsteuern, sorgt aber auch für sicheres Verhalten bei Slalomfahrt und beim Verreißen der Steuerung. Am Testtag hatten wir nur mäßige Wellen, die die T295 SF trocken und weich durchfuhr. Beim Hafenmanövertest zeigten sich enge Wendekreise und ein sehr direktes Umsteuerverhalten (Reaktionszeit etwa eine bis zwei Sekunden).
Die beiden Kraftstofftanks – jeweils mit eigenem Kraftstofffilter und einem fernbedienbaren Absperrhahn – stehen unter dem Cockpitboden. Die dazugehörige Klappe ist aus Carbon gefertigt, damit sie beim Hochheben nicht zu schwer ist. Die Installationen machen insgesamt einen sorgfältigen Eindruck. Die Batterien sind ebenfalls unter dem Cockpitboden untergebracht, jeweils in Kästen und mit Riemen gesichert. Die technischen Komponenten am Fahrstand samt Monitoren sind auf dem neuesten Stand. Die Metallverarbeitung (Handläufe, Beschläge und Klampen) hinterlassen einen guten Eindruck. Einziger Kritikpunkt: Die Mittelklampen – besonders praktisch zum Schleusen und Festmachen (für Einhandfahrer) – stehen auf der Zubehörliste. Es gibt ein paar unsaubere Stellen bei der Verarbeitung, die bei zukünftigen Modellen jedoch nicht mehr vorkommen sollen. Ansonsten ist die Verarbeitung ordentlich.
Der selbstlenzende Ankerkasten gehört zum Standard, für die elektrische Ankerwinde zahlt man einen Aufpreis. Bei kleinen Remplern schützt eine solide Scheuerleiste. Zum Befestigen von Fendern bieten sich die solide Reling und Klampen an. Optional lassen sich Klimaanlage/Heizung, 3-kW-Inverter, Solarzellen, Warmwasserboiler, Seakeeper und Verdeck/Persenning bestellen.
Die Tuccoli T295 SF Montecristo ist ein solides Boot, das sich gut für Reisen mit Familie und Freunden eignet. Das modulare Cockpit und das große Vordeck bieten reichlich Platz für Open-Air-Vergnügen. Die Manövrier- und Fahreigenschaften mit den beiden Suzuki-DF-300-Motoren sind gut und sicher.
Solide Rumpfkonstruktion
Teilweise Kohlefaser für einen niedrigen Schwerpunkt
Gute Kurveneigenschaften
Enges Manövrierverhalten
Zwei Doppelkojen
Pantryblock im Außenbereich
Voll ausgerüstete Nasszelle mit 1,89 Meter Stehhöhe
Reling und Handläufe solide
Zwei elektrische Bilgenpumpen und eine Handlenzpumpe gehören zum Standard
Mittelklampe kein Standard
| Drehzahl U/min | Geschwindigkeit kn | Geschwindigkeit km/h | Verbrauch l/h | Reichweite sm | Reichweite km | Lautstärke dB (A) |
| 650 | 3,1 | 5,7 | 4,2 | 365 | 676 | 53 |
| 1.000 | 4,9 | 9,1 | 8,1 | 302 | 560 | 60 |
| 2.000 | 8,2 | 15,2 | 20,6 | 198 | 368 | 71 |
| 2.500 | 9,5 | 17,6 | 33,5 | 141 | 262 | 72 |
| 3.000 | 12,1 | 22,4 | 45,0 | 134 | 248 | 76 |
| 3.500 | 16,9 | 31,3 | 54,1 | 156 | 288 | 78 |
| 4.000* | 22,2 | 41,1 | 70,3 | 157 | 291 | 81 |
| 4.500 | 28,3 | 52,4 | 103 | 137 | 253 | 85 |
| 5.000 | 33,0 | 61,1 | 135 | 122 | 225 | 87 |
| 5.850 | 37,2 | 68,9 | 190 | 98 | 181 | 92 |
* Hier liegt der wirtschaftlichste Bereich in einer guten Gleitfahrt. Gemessen bei unserem Test mit vier Personen an Bord, leichtem Wellengang und Wind. 45 Prozent Diesel im Tank, 20 Prozent Wasser.
Bei Marschfahrt mit 4.000 U/min und 22,2 Knoten zeigte das Boot einen durchschnittlichen Geräuschpegel von 81 dB(A) am Fahrstand.
Fahrersitz · Heckbank · Hardtop · Reling · Griffe Badeleiter · Pantryblock mit Gaskocher, Spüle, Kühlschrank · Nasszellen mit elektrischer Toilette (mit F-Tank), Waschbecken und Dusche · Frischwassersystem · 3 x 100-Ah-Batterien · Navigationsbeleuchtung · Kompass · Hupe
Die Tuccoli wird teilweise aus Carbon gefertigt, dazu gehören das Dach (Schwerpunktvorteil) und die Bodenklappen (um das Öffnen zu erleichtern). Der Rumpf hat zur Verstärkung eine sogenannte Tuccoli Double Structure.
Auf der Zubehörliste steht ein Bugstrahlruder zum einfacheren Manövrieren. Beim Test zeigte sich die Tuccoli jedoch schon mit den beiden Außenbordern recht wendig.
Unser Boot ist mit einem bequemen Fahrersitz ausgestattet. Die Bedienelemente sind uneingeschränkt erreichbar und die Sicht in alle Richtungen ist gut.
Die Tuccoli lässt sich mit zwei Außenbordern (je 250 oder 300 PS) ausrüsten. Angeboten werden Motoren der Hersteller Honda, Suzuki und Yamaha.
Beneteau Flyer 10 Sport Top Die 9,95 Meter lange Flyer hat ein sportliches Design, ein flexibel nutzbares Deck, komfortable Sitz-Liege-Einheiten und ein Hardtop – ideal für Tagestouren und Wassersportaktivitäten.
Navan C30 Der moderne, elegante 10,23 Meter lange Cruiser verfügt über ein geräumiges Cockpit mit Dinette, einen gut geschützten Steuerstand und eine komfortable Kabine mit Doppelkoje.
Parker Sorrento 100 Sportliches Motorboot (10,50 Meter lang) mit großzügigem Cockpit, gemütlicher Kabine und leistungsstarker Twin‑Motorisierung. Ideal für Tagesfahrten, Wassersport und Küstentouren.
* Angebot von Yachting24 gültig für Versicherungssumme 281.000 Euro (bei Zeitwertdeckung), Selbstbeteiligung 900 Euro, Haftpflicht-Deckungssumme 8 Millionen Euro

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE