Jan-Ole Puls
· 21.05.2026
Die Aquaspirit S350 C soll mit ihrem Aluminium-Rumpf und ihrer hohen Leistung punkten. 30 PS dürfen angehängt werden. Wir haben das kleine Powerpaket auf dem Rhein getestet.
Kaum ein Segment im Wassersport ist so groß und lebendig wie das der kompakten Rigid Inflatable Boats (RIBs). Klar, sie sind auch für viele die perfekte Ergänzung oder Alternative zum großen Boot.
Eigner von größeren Cruisern nehmen diesen Bootstyp als Tender, um an den Strand zu fahren, Einkäufe zu transportieren oder in der Ankerbucht mobil zu sein. Andere nutzen die Boote für den kurzen Ausflug auf dem Wasser und einige fürs Angeln oder für die Arbeit auf dem Wasser. Der Hersteller Aquaspirit, kurz AQS, fertigt auch viele Modelle für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) oder andere Organisationen. Der größte Vorteil der Schlaucher liegt in ihrer Robustheit und Wendigkeit. In diesem Umfeld tritt die Aquaspirit S350 an, ein 3,48-Meter-Boot mit Aluminium-Rumpf und klassischer Schlauchboot-Konfiguration. Mit einer Maximalmotorisierung von bis zu 30 PS und einer Zuladung von über 500 Kilogramm will die S350 sowohl Einsteiger als auch erfahrene Eigner überzeugen.
Das Boot steht noch auf dem Trailer, als wir ankommen. Zwei Details fallen sofort ins Auge: Einmal ist es der flache Unterwasserteil des Rumpfes und als Zweites die außergewöhnliche Halterung am Bug. Diese fungiert als Trittstufe mit zusätzlicher Klampe. Gebaut ist der kleine Kasten aus Aluminium – so wie übrigens der gesamte Rumpf. Im Bug gibt es eine kleine Sitzfläche, unter der sich Stauraum befindet. Dort können vier dünne, aber zur Bootsgröße passende Festmacher oder ein kleiner Anker verstaut werden. Auch die Bootsplane lässt sich in dem Schapp ordentlich unterbringen. Der Aluminium-Boden ist mit einer Antirutschbeklebung ausgestattet. Diese funktioniert im Nassen sowie im Trockenen mit Schuhen ohne Probleme.
Varianz gibt es für den Steuerstand. Unser Testboot ist die S350 C mit Lightkonsole. Die Version bietet eine Sitzbank für zwei Personen und ein Lenkrad, welches auf einer Rohrkonstruktion vor den Fahrer geführt ist. Diese wirkt auf den ersten Blick etwas wackelig, das können wir allerdings in unserem Test nicht bestätigen. Alles hält ohne Spiel und bleibt da, wo es soll, auch wenn man sich mal ordentlich festhalten muss. Der Schalthebel ist steuerbords montiert und gut zu erreichen. Unter der Sitzfläche findet man Stauraum für eine Tasche oder einen Sechserträger Wasser. Auch die Batterie und sämtliche Elektronik sind dort verbaut. Die Batterie ist ordnungsgemäß in einer Batteriekiste untergebracht und vor Verrutschen gesichert. So soll es sein.
Wem die Version nicht gefällt, der kann sie auch mit zwei einzelnen Sitzduchten oder als AQS S350 SC bekommen. Die SC-Version bietet eine Sportkonsole mit Jockeysitz. Gerade für Vereine oder Wasserrettung ist diese Version gut geeignet, erzählt uns Alex Solz von Boats & more. Er vertreibt die Boote im süddeutschen Raum.
Anders als viele Schlauchboote mit Kunststoff- oder Luft-Boden ist die S350 mit einem leichten und vor allem robusten Aluminium-Rumpf gefertigt. Diese Bauweise bietet gegenüber reinen Kunststoff- oder Sandwichkonstruktionen eine höhere Rumpfstabilität und damit bessere Fahreigenschaften. In diesem Segment konkurriert das Boot mit Modellen von Zodiac, Highfield und Quicksilver, wobei der Aluminium-Rumpf der Aquaspirit eine gewisse Langlebigkeit und Robustheit verschafft, die vielen rein freizeitorientierten PVC-RIBs fehlt. Auch einfach auf den Strand fahren oder am Stein anlegen ist für den Rumpf kein Problem. Kratzer können dem Material außerdem nicht groß etwas anhaben.
Der Rumpf besteht aus der Aluminium-Legierung EN AW 5083 H111. Dieses Material gilt im professionellen Schiffbau als bewährt: korrosionsbeständig, relativ leicht und zugleich strukturell belastbar. Die Platten sind innen und außen verschweißt, wodurch eine doppelte Wandstärke entsteht, die Steifigkeit und Haltbarkeit erhöht. Aluminium ist korrosionsbeständig, reparaturfreundlich und widerstandsfähig gegenüber leichten oder auch mal schwereren Kollisionen mit Stegen oder flachen Untergründen.
Die Schlauchkörper bestehen serienmäßig aus PVC. Das ist in dieser Preisklasse üblich und wirtschaftlich sinnvoll, bringt jedoch bekannte Einschränkungen bei UV-Beständigkeit und Alterungsresistenz mit sich. Optional sind Hypalon-Schläuche erhältlich, was die Lebensdauer deutlich erhöhen dürfte, allerdings ebenso zu spürbar höheren Anschaffungskosten führt.
Die Verarbeitung der Schläuche ist ordentlich, die Verklebungen wirken gleichmäßig. Scheuerleisten und Verstärkungen an beanspruchten Stellen sind vorhanden, ohne übermäßig massiv auszufallen. Antirutschdeck, Hebeösen, Staufächer und eine mechanische Teleflex-Steuerung gehören zur Grundausstattung. Verarbeitung und Materialwahl wirken funktional und robust.
Die Verarbeitung des Aluminium-Rumpfes ist sauber, Schweißnähte und Kanten sind ordentlich ausgeführt, Beschläge sachgerecht montiert. Besonders hervorzuheben ist die mehrlagige Struktur des Rumpfes – ein Ansatz, der sonst eher von professionellen Arbeits- oder Polizeibooten bekannt ist.
Auf dem Wasser überzeugt die S350 durch typische RIB-Eigenschaften: wendig, stabil und gut spurtreu, auch bei leicht kabbeligen Bedingungen. Seit einigen Wochen darf das Boot nun auch mit einem 30 PS starken Außenborder gefahren werden. Dazu wurden ein paar Änderungen an der Materialdicke vorgenommen. Die Werft begründet die Erweiterung mit einer erhöhten Nachfrage. Mit der Maximalmotorisierung erreicht das Boot Geschwindigkeiten um 34,5 Knoten, oder wie man binnen eher sagt: 64 Stundenkilometer, was für den Spaß zwischendurch, Tagesausflüge oder als Tender mehr als ausreichend ist.
Das Handling ist intuitiv, die Steuerung vorhersehbar und auch für weniger erfahrene Fahrer gut zu beherrschen. Aber: Man muss sich an das Boot gewöhnen. Der oben schon angesprochene flache Unterwasserteil neigt dazu, auszubrechen. Der Außenborder hält das Ganze noch gut auf Spur, es fühlt sich aber an, als würde man über das Wasser rutschen. Auf Bildern oder von außen betrachtet ist das auch richtig. Man verliert aber nicht die Kontrolle, nur das Bootsgefühl ist im ersten Moment anders. Hat man sich dran gewöhnt, macht es sogar richtig Spaß. Bei höheren Wellen sollte man allerdings vorsichtiger fahren. Die Alternative ist, noch eine zweite Person mitzunehmen.
Die Fahreigenschaften werden mit dem zusätzlichen Gewicht deutlich angenehmer. Auch ein schwererer Motor könnte helfen. Als Offshore- oder Hochsee-Boot ist die S350 aber eh nicht gedacht – sie ist vielmehr für geschützte Binnen- oder Küstengewässer konzipiert. In Kombination mit einem 15-PS-Außenborder bleibt das Boot im führerscheinfreien Bereich und erreicht bereits Geschwindigkeiten, die für diese Bootsgröße mehr als ausreichend sind.
Die Einsatzbereiche der S350 sind vielseitig: als Freizeit- und Urlaubsboot für Tagesausflüge, als Tender für Yachten oder Katamarane, für Einsteiger ohne Bootsführerschein oder als funktionales Allround-RIB für leichte Arbeitseinsätze oder auch als Angelboot.
In der Praxis zeigt die Aquaspirit ihre Stärken vor allem in Robustheit, Fahrsicherheit und Alltagstauglichkeit. Wer sich für dieses Boot oder allgemein für ein Rib entscheidet, sollte sich überlegen, wo das Boot die meiste Zeit zum Einsatz kommt. Gerade in sonnenreichen Revieren sollte ein potenzieller Käufer über das Upgrade nachdenken. Die serienmäßigen PVC-Schläuche sind zwar zweckmäßig und günstig, bieten jedoch nicht die Langlebigkeit von Hypalon.
Das Boot wird aus Marine- Aluminium der Legierung EN AW 5083 H111 gebaut. Die Schweißnähte sehen gut und professionell aus. Der Rumpf hat einen doppelten Boden.
Der Dreizylinder-Motor ist im normalen Gebrauch nicht allzu laut. Bei Vollgas wird er natürlich lauter, bleibt aber im normalen Bereich.
| Drehzahl U/min | Geschwindigkeit kn | Geschwindigkeit km/h | Verbrauch l/h | Reichweite sm | Reichweite km | Lautstärke dB (A) |
| 1.000 | 2,2 | 4,0 | 0,9 | 52 | 96 | 58 |
| 2.000 | 4,1 | 7,6 | 1,6 | 54 | 101 | 61 |
| 3.000 | 5,2 | 9,6 | 2,65 | 42 | 77 | 68 |
| 3.500 | 9,4 | 17,4 | 3,4 | 59 | 109 | 69 |
| 4.000 | 14,2 | 26,3 | 4,6 | 66 | 121 | 70 |
| 4.500 | 16,3 | 30,2 | 5,4 | 64 | 119 | 74 |
| 5.000* | 22,3 | 41,3 | 6,3 | 75 | 139 | 76 |
| 5.500 | 29,4 | 54,4 | 8,4 | 74 | 138 | 82 |
| 6.200 | 34,5 | 63,9 | 10,5 | 70 | 129 | 88 |
* Hier liegt der wirtschaftlichste Bereich in einer guten Gleitfahrt. Gemessen bei unserem Test mit zwei Personen an Bord, leichtem Wellengang und 8 Knoten Wind. 30 Prozent Benzin im Tank.
Insgesamt ist die Aquaspirit S350 kein Komfortboot, sondern ein ehrliches, robustes Arbeits- und Freizeitgerät. Wer ein unkompliziertes, langlebiges RIB sucht, findet hier ein durchdachtes Modell. Das gilt besonders dann, wenn der Eigner in langlebigere Hypalon-Schläuche investiert.
Gute Verarbeitung
Robuster Alu-Boden
Mit einer Kammer fahrbar
Standard-PVC-Schläuche
Mit 30 PS sportlich
Ausreichend Stauraum
Lenzpumpe als Standard
Persenning kostet extra
Das Pendant von Zodiac. Das Nomad Rib Alu 3.6 ähnelt in vielerlei Hinsicht dem Aquaspirit. Optisch ist es jedoch etwas weicher gezeichnet und nicht so radikal wie die AQS. Preis: 7.963 €
Die Brig Eagle 3.5 ist mit einem Kunststoffboden ausgestattet. Das Boot ist weniger radikal und eher als reines Tenderboot ausgelegt. Trotzdem stellt sie einen guten Kompromiss zur S350 C dar. Preis: 24.500 €
Die S370 desselben Herstellers ist sozusagen die größere Schwester. Sie ist zwar deutlich schwerer, darf aber auch mit doppelter Motorenleistung, also 60 PS, betrieben werden. Preis: 27.800 €
* Angebot von Yachting24 gültig für Versicherungssumme 76.000 Euro (bei Zeitwertdeckung), Selbstbeteiligung 500 Euro, Haftpflicht-Deckungssumme 8 Millionen Euro.

Redakteur Test & Technik