Ein Artikel von Lori Schüpbach
Der Markt für Elektroboote scheint aktuell in einer schwierigen Phase zu sein. Die Schlagzeilen um den Konkurs des schwedischen Vorzeige-Elektro-Pioniers X-Shore waren Ende Oktober der vorläufige Höhepunkt der negativen Meldungen. Zuvor hatten dieses Jahr schon Q Yachts und Rand Boats als hoffnungsvolle Elektroboot-Anbieter Insolvenz anmelden müssen. Wobei vor allem das Aus von Rand Boats überraschend kam: Das dänische Unternehmen der Brüder Carl und Oscar Rand hatte nach der Gründung 2014 mit kleinen elektrischen Mietbooten in und um Kopenhagen großen Erfolg. Doch offenbar stand die vorgesehene Wachstumsstrategie – Rand sprach vom Masterplan 2035 – auf zu wackeligen Füßen. Inzwischen geht es den Werften besser und sie haben neue Investoren gefunden.
Ganz anders ist die Gemütslage bei der österreichischen Frauscher Bootswerft GmbH & Co in Gmunden am Traunsee. Im Sommer kam mit Georg Frauscher ein Vertreter der vierten Generation zur Geschäftsleitung – die Erfolgsgeschichte ist um ein Kapitel reicher. Die 1927 gegründete Frauscher-Werft bietet seit 1955 Boote mit Elektroantrieb an – aber nicht nur. Und genau hier ist wohl einer der wichtigsten Unterschiede zu den oben erwähnten Newcomern zu finden: Die Werft hat es in den letzten bald 100 Jahren verstanden, Innovation und Tradition unter einem Dach zu vereinen. Das Produkt-Portfolio entwickelten sie stets weiter, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren.
Was braucht es, um einen unbeschwerten Tag auf dem Wasser genießen zu können? Schönes Wetter, genügend Zeit und ein passendes Boot. Mit der 650 Alassio zeigen die Verantwortlichen von Frauscher, dass sie an alles gedacht haben: bequeme Sitz- und Liegemöglichkeiten, Schatten gegen die womöglich allzu stechende Sonne, kühle Getränke, eine gute Musikanlage, eine Badeleiter und genügend Stauraum. Motorbootfahrer-Herz, was willst du mehr?
Mit ihrem schnittigen Rumpfdesign zieht die 650 Alassio schon im Hafen die Blicke auf sich – erst recht in der getesteten Sonderausführung Wham! Das Farbkonzept erinnert an die Pop-Art der 1960er-Jahre. Das Boot ist eingeteilt in zwei Bereiche: einerseits das Cockpit mit zwei frei bewegbaren Sesseln sowie einer Hecksitzbank, bei Bedarf geschützt von einem mit wenigen Handgriffen aufgespannten Bimini. Und andererseits die große Sonnenliege, mit den Maßen 1,62 Meter mal 1,80 Meter, im Heck mit direktem Zugang zur Badeplattform.
An Bord gelangt man am einfachsten von hinten. Die ausziehbare Badeleiter ist sauber unter der Plattform verstaut. Teak ist auf der Badeplattform Standard, genauso wie im Cockpit und auf dem Deck. Die achterliche Sonnenliege verfügt über eine erhöhte Kopfpartie und ist lang genug, dass auch erwachsene Personen bequem darauf verweilen können.
Unter der Sonnenliege ist Platz für den Motor und die Batterien – beim Testboot mit Pod-Antrieb und lediglich zwei 6-kWh-Lithium-Akkus blieb hier jede Menge Stauraum für Verdeck, Rettungswesten und anderes Material. Unter der Hecksitzbank ist eine Kühlschublade eingebaut, daneben gibt es weiteren Stauraum für Taschen und Jacken. In den seitlichen Schwalbennestern sind Handys und andere kleine Utensilien gut aufgehoben. Auf Wunsch sind diese Stauräume sogar beleuchtet.
Fahrer und Beifahrer sitzen in den erwähnten frei bewegbaren Sesseln. Im Wissen, dass die 650 Alassio normalerweise äußerst gemütlich unterwegs ist, eine problemlose Wahl. Die leicht geschwungene, rahmenlose Windschutzscheibe passt zum Design und zu den Linien des Bootes. Der Fahrer genießt einen guten Überblick, die wenigen Bedienelemente sind stimmig auf dem Armaturenbrett angeordnet und gut zu erreichen. Auf dem kleinen Display werden sämtliche relevanten Werte wie Stromverbrauch, Batterieladestand und Reichweite jederzeit angezeigt. Je nach Motorisierung können hier zusätzliche Konfigurierungen und Einstellungen vorgenommen werden.
Während der Elektrobootmarkt derzeit mit Herausforderungen zu kämpfen hat, zeigt Frauscher, dass sich ein etabliertes Unternehmen mit einem breit diversifizierten Angebot erfolgreich behaupten kann. Die 650 Alassio ist dabei ein rundum gelungenes Boot für entspannte Tage auf dem See. Wer vor allem baden, sonnen und gemütlich fahren möchte, hat hier eine gute Wahl gefunden.
Attraktives Design
Sportlicher Rumpf
Etablierte Werft mit langjähriger E-Boot-Erfahrung
Einfaches Fahrverhalten
Genug Platz als Dayboat
Bauqualität Frauscher-typisch auf einem sehr hohen Level
Verschiedene Motoren zur Auswahl und dazu passende Batteriesysteme
Die 650 Alassio verfügt über ein schnittiges Rumpfdesign, das möglichst wenig Wasserwiderstand generiert. Für Elektroboote ein elementarer Faktor, um die Reichweite zu erhöhen. Trotzdem gilt es, mit Bedacht unterwegs zu sein: Um die Geschwindigkeit zu verdoppeln, wird rund die achtfache Leistung benötigt. Zwischendurch ein Blick auf den Batterieladestand ist also zwingend.
Frauscher bietet die 650 Alassio mit unterschiedlichen Elektromotor-Konfigurationen an. Beim Testboot war ein Pod-Antrieb von Kräutler installiert, der 11 kW leistet. Die Werft gibt dafür mit zwei 6-kWh-Akkus bei 10 km/h eine Reichweite von über 45 km an. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 16 km/h. Mit der stärksten Motorisierung (50 kW) werden 30 km/h erreicht.
Die Rümpfe und das Deckslayout des Bootes aus Dänemark sehen deutlich moderner aus und auch der Elektromotor ist wesentlich größer (50 kW). Dennoch ist es eine gute Alternative. Preis: ab 95.081 €
Ebenfalls elektrisch und aus Österreich ist die Marian Magic 640. Das Boot ist eine gute Alternative zur Frauscher. Es besitzt das gleiche Konzept und ein ähnliches Design. Preis: ab 61.880 €
Die X-Shore 1 ist die schwedische Variante. Mehr nordischer Stil, einfacher, aber auch mit guter Bauqualität. Diesmal sogar aus Kohlefaser. Der Motor ist außerdem deutlich größer (125 kW). Preis: 153.510 €
Frauscher 650 Alassio versichern ab 710,74 Euro im Jahr* – Haftpflicht und Kasko. Viele Optionen möglich: Extradeckung für den Antrieb mit Motorschutz Plus. Einfach online ausrechnen und abschließen: Yachting24.de
* Angebot von Yachting24 gültig für Versicherungssumme 144.000 Euro (bei Zeitwertdeckung), Selbstbeteiligung 500 Euro, Haftpflicht-Deckungssumme 8 Millionen Euro
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