Sören Gehlhaus
· 11.09.2026
Azimut wagt mit der Magellano 27M erneut eine neue Ausrichtung. Das ist umso bemerkenswerter, als dass es die dritte Generation der Magellano-Serie ist und die Italiener sich innerhalb der Linie ohnehin schon neu erfunden haben. Grob knüpft die Magellano 27M an die Magellano 30M an, für die Azimut Ken Freivokh (Exterior) und Vincenzo De Cotiis (Interior) engagierte.
Für das „Crossover of the seas“ genannte Konzept ging man gewohnt progressiv vor. Gemeint ist eine Motoryacht, die Eigenschaften von Verdrängern und Gleitern zusammenführt. Sie soll auf langen Passagen komfortabel unterwegs sein, bei Bedarf aber auch deutlich schneller laufen können.
Für die Gestaltung arbeiten bei diesem Modell gleich drei Büros und Designer zusammen. Der Finne Jarkko Jämsén zeichnet für das Außendesign mit futuristischen Anklängen verantwortlich. Die Innenräume stammen vom Mailänder Architekturbüro AMDL CIRCLE, das auch den Umbau von Azimuts Stammsitz im norditalienischen Avigliana leitete. Dritter im Bunde ist der Architekt und Stardesigner Michele De Lucchi.
Jämsén beschreibt die Magellano 27M als eine Art ortsbezogenes Kunstwerk. Das Boot soll nicht im Gegensatz zur Natur stehen, sondern mit Wasser, Himmel und Licht wirken. Dieses Konzept zeigt sich in den großen, möglichst ruhigen Flächen des Aufbaus. Auffällig sind der positive Deckssprung und Fensterbänder, die eingerahmt wirken.
Azimut nennt das prägende Gestaltungselement Loop-Linie. Gerade, präzise Abschnitte treffen dort auf weichere Rundungen. Dadurch wollte man ein Profil erzeugen, das technisch und skulptural zugleich wirkt. Die Flächen sollen Licht und Spiegelungen aufnehmen, ohne durch zahlreiche aufgesetzte Details unruhig zu werden.
Am Heck greift Azimut ein bekanntes Element der Magellano-Reihe auf. Holzlamellen filtern das Sonnenlicht und schaffen einen Wechsel aus Schatten und warmen Reflexen. Sie geben dem Heck außerdem eine visuelle Tiefe, die bei vielen modernen Motoryachten durch große Glasflächen und glatte Lackflächen verloren gehe.
Das auffälligste Merkmal der Magellano 27M verbirgt sich im Innenraum. Das Hauptdeck ist als großzügige verglaste Loggia über dem Meer angelegt. Der Begriff beschreibt einen geschützten Übergangsraum zwischen innen und außen, der bei diesem Boot deutlich mehr sein soll als ein überdachter Sitzplatz.
Die Grenzen zwischen Salon, Seitendecks und Außenbereich sollen möglichst fließend wirken. Große Glasflächen holen die Umgebung in den Wohnraum. Gleichzeitig sorgen Holzlamellen und architektonische Elemente für Schutz vor Sonne und Einblicken. Das Ergebnis ist ein Bereich, in dem sich Gäste auch während längerer Passagen nahe am Wasser aufhalten können, ohne vollständig im Freien zu sitzen. Vielmehr soll der Blick vom Salon über die Loggia und hinaus auf das Meer wandern.
Im Innenraum setzt Azimut konsequent auf Holz. Eiche und Walnuss werden mit unterschiedlichen Oberflächen kombiniert. Gerillte, geflammte, gravierte und plastisch bearbeitete Elemente sollen für Abwechslung sorgen.
Die Eignersuite im Vorschiff greift dieses Konzept ebenfalls auf. Dort wird die Wand hinter dem Bett zum Gestaltungselement. Nach Angaben der Werft kommt ein handgewebter Stoff des japanischen Herstellers Hosoo zum Einsatz. Das Muster imitiert die Struktur eines Baumstamms und führt damit das Thema Holz in den Textilien weiter.
Weitere Details verweisen auf japanische Handwerkstraditionen. Dazu gehören von Hand bearbeitete Tischoberflächen in der Naguri-Technik. Ergänzt wird das Interieur durch Leuchten von Produzione Privata, dem von Michele De Lucchi gegründeten Designstudio, sowie durch Leuchten von Artemide.
Unterhalb der Wasserlinie vertraut Azimut auf einen sogenannten Dual-Mode-Rumpf. Das Konzept verbindet einen tiefgehenden, auf Komfort ausgelegten Rumpf mit der Fähigkeit, bei höheren Geschwindigkeiten ins Gleiten beziehungsweise in einen schnellen Halbgleitmodus zu wechseln.
Der Rumpf basiert auf Vertikal-Steven und Doppelchine. Der lotrechte Bug verlängert die Wasserlinie und soll für einen weicheren Eintritt in die Welle sorgen. Die beiden Kimmkanten verteilen den Wellenschlag über mehrere Flächen und können dadurch Spritzwasser sowie harte Schläge reduzieren. Ein zentraler Skeg verbessert laut Azimut zusätzlich die Kursstabilität.
Für die Praxis bedeute das mehr Spielraum bei der Wahl der Geschwindigkeit. Bei rauer See kann die Yacht langsamer und komfortabler unterwegs sein. Bei passenden Bedingungen stünden zugleich genügend Leistung für zügige Überfahrten zur Verfügung. Azimut gibt für die Magellano 27M eine Reisegeschwindigkeit von bis zu 16 bis 18 Knoten an. Je nach Motorisierung liegt die Höchstgeschwindigkeit bei bis zu 21 beziehungsweise 23 bis 24 Knoten. In Baunummer 1 sind zwei Zwölfzylinder von MAN mit jeweils 1.213 Kilowatt verbaut für Geschwindigkeiten von mehr als 24 Knoten und eine Reichweite von rund 1.000 Seemeilen bei 12 Knoten.
Azimut verwendet nach eigenen Angaben bei rund 30 Prozent der Yacht Kohlefasern. Das soll Gewicht sparen und dadurch Effizienz sowie Fahrleistung verbessern. In dieser Größenklasse wirkt sich ein möglichst niedriges Gewicht direkt auf Beschleunigung, Verbrauch und Rumpfverhalten aus.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Geräusch- und Vibrationsreduzierung. Unter dem Namen Azimut Silent Technology bündelt die Werft verschiedene technische Maßnahmen. Dazu gehören elastische Lagerungen für Motoren und Generatoren, spezielle Schalldämpfer sowie Partikelfilter.
Optional ist ein Zero Emission Hotel Mode erhältlich. Dabei versorgt ein Batteriesystem mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen die Bordverbraucher vor Anker. Generatoren können dann zeitweise ruhen und allem nachts oder in sensiblen Buchten für mehr Ruhe sorgen.

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV
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