Bluegame BGX83Crossover-Flaggschiff mit Superyacht-Charme

Boote Exclusiv

 · 23.09.2026

Erweiterte Dimensionen: Mit der 26 Meter langen BGX83 stellt Bluegame ein Format mit Super­yacht-Charme und Zuccon-Linien vor.
Foto: PR
​Das neue Flaggschiff von Bluegame trumpft mit einer rumpfbreiten Eignerkabine auf, an die sich ein großzügiger Beachclub anschließt. Die BGX83 vermittelt das Gefühl, auf einer sehr viel größeren Yacht zu sein, und positioniert sich mit flacher Silhouette als Gegenentwurf zu klassischen Flybridge-Formaten.

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Ein Text von Text Norman Kietzmann

​Größe ist keine unumstößliche Wahrheit. Sie ist mitunter eher ein Gefühl, das die Wahrnehmung entscheidend bestimmen kann. Genau das geschieht an Bord der neuen BGX83 von Bluegame. Sie ist die längste im Segment der Crossover-Yachten, dessen Auftakt 2019 die BGX73 bildete und 2020 um die BGX63 erweitert wurde. Die zusätzlichen Meter sind spürbar. Mehr Raumvolumen, mehr Großzügigkeit, gewiss. Doch das Ergebnis geht über die gewonnenen 10 bis 20 Fuß weit hinaus. Die Italiener haben den vorhandenen Platz so weit optimiert, dass der Eindruck entsteht, auf einer Yacht zu sein, die ihre knapp 26 Meter Länge gefühlt verdoppelt.

„Die BGX83 verkörpert die volle Reife unserer Crossover-Vision und ist der ultimative Ausdruck des ‚X‘-Konzepts, das wir vor Jahren als Erste entwickelt haben. Mit ihr bieten wir ein echtes Superyacht-Erlebnis auf einer 83-Fuß-Plattform, die ein radikales Design, eine außergewöhnliche Wohnlichkeit und eine tiefe, authentische Verbindung zum Meer in sich vereint“, sagt Carla Demaria, CEO von Bluegame.

Vor allem im Heckbereich wird deutlich, was damit gemeint ist. Der Beachclub wird als großzügige Open-Air-Lounge verstanden. Sie verfügt über eine hydraulisch heb- und senkbare Badeplattform, zudem verbreitert sie ein ausklappbarer Flügel an Steuerbord. Gegenüber aus der Bordwand fährt ein Kran mit 800 Kilogramm Traglast – ein von Sanlorenzos SX-Serie übernommenes Feature. Die Nähe zum Wasser macht diesen Ort zum Mittelpunkt des Bordgeschehens. Dabei funktioniert der Beachclub wie ein Scharnier – er meistert den Übergang vom Meer zu Innenbereichen, die sich über zwei Ebenen erstrecken.

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Beachclub als Scharnier zwischen zwei Ebenen

Der Clou: Der Beachclub ist zwischen Hauptdeck und Unterdeck platziert. Letzteres nimmt eine Achterlounge auf – ein Wohnbereich, der intimer wirkt als der auf dem weitläufigen Hauptdeck. Das Split-Level-Design geht auf einen Vorschlag von Luca Santella zurück. 2004 hatte der italienische Olympiasegler die Yachtmarke Bluegame gegründet, die seit 2018 zur Sanlorenzo Group gehört und ihren Hauptsitz in Ameglia unweit von La Spezia unterhält. Als heutiger Leiter der Produktstrategie fand Santella mit dem Büro Zuccon International Project den passenden „Partner in Crime“, um das Konzept galant zu Wasser zu lassen.

Gegenüber einer konventionellen Bauweise, bei der die Decks wie Schichten einer Torte übereinandergelegt sind, werden Höheneben ineinander verzahnt. Die Blicke können sowohl vom Ober- als auch vom Unterdeck zum Beachclub wandern und umgekehrt. Die Kontinuität der Sichtachsen erzeugt eine unerwartete Weitläufigkeit. Die Räume sind optisch verbunden und doch definieren sie Zonen mit eigenständigen Qualitäten, die sich wie Perlen an einer Schnur aneinanderreihen.


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​„Ich verwende gern den Begriff Ökosystem, weil er sich auf Lebensräume bezieht. Hier haben wir viele verschiedene, die miteinander in Relation stehen“, erklärt Bernardo Zuccon. Zusammen mit seiner Schwester Martina leitet er das Büro Zuccon International Project, das 1978 von den Eltern in Rom gegründet wurde. Mit ihren Entwürfen für Sanlorenzo und Bluegame sind sie zu wahren Meistern des Split-Level-Designs geworden – und haben dem Yachtbau auf diese Weise eine gänzlich neue Richtung gegeben.

Drei Handschriften, ein Konzept

Genau an dieser Stelle kommt der dritte Kreative ins Spiel: Der Mailänder Architekt, Designer und Sanlorenzo-Art-Director Piero Lissoni hat die Inneneinrichtung der ersten BGX83 konzipiert und sich hier – genau wie bei früheren Yachtentwürfen – von klassisch nautischen Codes bewusst entfernt. Er spinnt kein Seemannsgarn, sondern lässt die Eleganz und Offenheit eines Lofts zu Wasser. Zeitgenössisches Design bestimmt die Innenräume. Im Hauptsalon sind zwei Sofas aus der „Saké“-Kollektion von B&B Italia (Design: Piero Lissoni) gespiegelt gegenüber platziert. Ihre Komposition ist asymmetrisch. Nur zum Cockpit verfügen sie über gepolsterte, leicht schräg gestellte Armlehnen, während die anderen, zur frei stehenden Bar ausgerichteten Seiten frei bleiben. Die „Borea“-Beistelltische (ebenfalls von Piero Lissoni für B&B Italia) greifen mit ihren dunkelblauen Platten aus emailliertem Lavastein die Farbigkeit des Meeres auf.

Die verspiegelte Rückwand der Achterlounge dient weit mehr als einer vergrößerten Raumwirkung. Sie ist ein adäquates Mittel, um den Fernseher zu verstecken – ein Objekt, das Lissoni visuell unerträglich findet und deshalb stets aus dem Blickfeld verbannt. Hinter der Spiegelwand liegt die Eignerkabine, die sich auf 6,30 Metern über die gesamte Breite der Yacht erstreckt. Die Achterlounge definiert in diesem Sinne eine Art Vorzimmer oder – je nach Betrachtung – eine private Erweiterung der Mastersuite. Ebenfalls auf dem Unterdeck sind je nach Konfiguration drei oder vier Gästekabinen untergebracht. Wobei durch die zusätzliche Kammer vorn an Backbord die Galley in den Salon wandert. Die bis zu dreiköpfige Crew schläft im Bug. Die Erschließung erfolgt jedoch nicht über die Lounge, sondern über eine Treppe direkt neben dem Steuerstand auf dem Hauptdeck. Auffällig ist die leicht gebogene Geometrie der Treppe, die so die Krümmung der Frontscheibe aufgreift.

Eine Flybridge, die nicht als solche zu erkennen ist

Auf dem Hauptdeck gehen in der Lissoni-Version die Funktionen Wohnen, Kochen und Essen fließend ineinander über. Die Blicke gelangen vom Cockpit durch den gesamten Innenraum bis zum Steuerstand und dort durch die große Frontscheibe hinaus aufs Wasser. Keine Trennwand zerschneidet das Raumgefüge und mindert so dessen Größenwirkung. Das gilt auch für die Verbindungswege. Im Salon führt auf der Steuerbordseite eine Wendeltreppe hinab zur Achterlounge. Vom Cockpit geht es über eine externe Treppe hinauf zum Sonnendeck. Die filigrane, leiterhafte Bauweise lässt Blicke passieren, was die Panoramawirkung des Salons enorm steigert, der sich rundum mit großformatigen Fensterfronten zum Meer öffnet. Die asymmetrische Bauweise lässt Platz für eine individuell gestaltbare Außenbar sowie eine Kücheneinheit.

Mit dem Sonnendeck haben Luca Santella und Zuccon International Project eine weitere Überraschung eingebaut. Denn vom Beachclub oder von der Bug-Lounge ist das Sahnehäubchen nicht als solches zu erkennen. Der Grund dafür liegt in einer seitlichen Einfassung durch Glaswände, die die Höhe der niedrigen Frontscheibe fortführen. Wenn drei IPS-1200-­Einheiten von Volvo Penta den GFK-Halbgleiter auf eine effiziente Geschwindigkeit von 28 Knoten sowie einen Topspeed von 30 Knoten beschleunigen, kann es dort etwas zugig werden. Mit den optionalen Vector-Flossenstabilisatoren von Sleipner sind hier oben kaum Rollbewegungen zu spüren. Selbst die mittig platzierte Sitzinsel ist dank ihrer niedrigen Höhe weder von den anderen Deckebenen noch aus der Wasserperspektive zu erkennen. Bei zur Seite genommenen Kissen und hochgefahrenem Tisch entsteht hier ein weiterer, luftiger Essbereich. „Der entscheidende Punkt bei dieser Yacht ist, dass wir keine typische Flybridge wollten, die die Silhouette beeinträchtigen würde. Darum ist alles bewusst flach gehalten, um eine elegante Erscheinung zu geben“, sagt Luca Santella, während sich auf unserer Testfahrt von Rapallo nach Portofino die gesamte Schönheit der ligurischen Küste ausbreitet. Auf Wunsch kann die Panoramaebene auch mit einem Sonnensegel geschützt werden. Für den US-amerikanischen Markt ist zudem eine Hardtop-Variante vorgesehen.

Teak, Lavastein, Designklassiker

Was die BGX83 besonders macht? „Das Schöne an ihr sind die vielen verschiedenen Möglichkeiten. Der Bug-Bereich ist riesig und so gut aufgeteilt, dass man ihn in vielen unterschiedlichen Situationen genießen kann. Dann gibt es den Beachclub, der mit dem Cockpit und dem Sonnendeck verbunden ist. Und man hat den Salon sowie die Achterlounge im Inneren, die sich bei Bedarf klimatisieren lassen. Diese Flexibilität ist für ein Boot dieser Größe wirklich einzigartig“, hebt Luca Santella hervor. Doch auch das Interieur von Piero Lissoni trägt sicher dazu bei, den Wohlfühl-Faktor nach oben zu treiben. Die Inneneinrichtung ist elegant, aber nicht auftrumpfend. Bling-Bling sucht man hier vergebens. Stattdessen sorgen Naturmaterialien für Wohnlichkeit auf dem Wasser. Die Decken im Salon sind mit denselben Teakleisten bezogen wie der Boden, um eine räumliche Klammer zu erzeugen. In den Bädern bringen Natursteinoberflächen eine anmutige Wirkung ein. Die „Stools“ von Charles & Ray Eames (1960) oder der Beistelltisch „Cicognino“ von Franco Albini (1958) weben Klassiker der Designgeschichte mit ein. Sie geben dem Interieur eine kulturelle Erdung.

„Die BGX83 ist das deutlichste Statement dafür, wer wir heute sind. Die allerersten Exemplare sind bereits vor der Markteinführung von Kunden reserviert worden – von treuen Bluegame-Eignern, die nun ihre dritte Bluegame-Reise antreten. Dieses Maß an Vertrauen und Loyalität ist unsere größte Errungenschaft und bestätigt, dass die BGX83 nicht nur ein Flaggschiff, sondern ein Meilenstein für die Marke ist“, so Carla Demaria. Und auch Luca Santella zeigt sich zufrieden: „Mit der BGX83 haben wir die Crossover-Philosophie an ihre absoluten Grenzen gebracht. Wir haben eine echte Wohnung auf dem Wasser geschaffen, in der die Grenze zwischen innen und außen verschwindet. Vom erweiterbaren Beachclub bis zur Mastersuite über die gesamte Breite – jede Linie ist darauf ausgelegt, ein Superyacht-Erlebnis auf einer 83-Fuß-Yacht zu bieten.“ Größe ist eben eine Frage der Wahrnehmung. Und die wird hier gekonnt auf die Spitze getrieben.


Technische Daten

Sonnendeck: Vom Cockpit führt eine filigrane Treppe hinauf zum zweiten Steuerstand und einer zum Esstisch wandelbaren Sitzinsel.
  • ​Länge über alles: 25,60 m
  • Länge (Rumpfform): 23,98 m
  • Breite: 6,30 m
  • Tiefgang (voll): 1,80 m
  • Verdrängung (voll): 72 t
  • Material: GFK
  • Motoren: 3 x Volvo Penta 1200 IPS
  • Motorleistung: 3 x 662 kW
  • Geschwindigkeit (max.): 30 kn
  • Geschwindigkeit (Reise): 28 kn
  • Kraftstoff: 7.000 l
  • Wasser: 1.500 l
  • Konzept: Luca Santella
  • Konstruktion: Louis T. Codega
  • Exterieurdesign: Zuccon International Project
  • Interieurdesign: Lissoni & Partners
  • Klasse: CE B
  • Werft: Bluegame, 2026

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