Auf eine Art markiert die 800 einen Schlusspunkt. Anders ausgedrückt beendet sie den 2018 eingeleiteten Auffrischungsprozess der Ferretti-Yachts-Modellreihe und ersetzt die FY780. Der Neustart wurde wie üblich intern abgewickelt, wobei sich die Strategische Produktabteilung mit Vorsitz Piero Ferrari mit den hauseigenen Konstrukteuren absprach. Bei einer Länge von 24,47 Meter und einer maximalen Breite von 5,91 Meter lässt sich die 800 als Kompaktformat vermarkten, sogar eine Konfiguration mit einer verkürzten Badeplattform ist erhältlich, um das Fahren und Ankern in diversen Schutzgebieten zu ermöglichen. Hier bleibt die Gesamtlänge des Bootes einen Zentimeter unter 24 Metern.
Das neue Flybridge-Format ist auch optisch das Ergebnis einer Zusammenarbeit von erfahrenen Designern. Filippo Salvetti zog die Außenlinien und siedelte die neue Ferretti deutlich zeitgenössischer an als ihre Vorgängerin. Dabei balancierte er diesen Ansatz gekonnt mit Blick auf die Identität der Marke aus. Yachthändler Oliver Sieckmann drückt es so aus: „Die Ferretti Yachts 800 führt die Stärken der FY780 weiter, setzt moderne Akzente, ohne das klassische Design der Marke aus den Augen zu verlieren.“ Das gilt auch für IdeaeItalia, die die Innenausstattung planten.
Was sofort auffällt, sind die großen Fenster und der Verlauf der oberen Aufbauten-Linien, wodurch die Flybridge sanft zum Heck hin abfällt – ein Bruch mit der Tradition, denn in der Regel verläuft sie parallel zum Rumpf. Sämtliche Optimierungen der Außenflächen führten in erster Linie zu mehr Platz, das zeigt die penible Vermessung der Räume und die Gegenüberstellung mit der Konkurrenz. So soll die FY 800 im Vergleich zu anderen Formaten der 78-bis-82-Fuß-Klasse mit 76 Quadratmeter Outdoor-Fläche rund 9 Quadratmeter mehr im Angebot haben und mit einem Startpreis von 4,8 Millionen Euro etwa 11 Prozent unter dem Durchschnitt des Segments liegen.
Diese zweidimensionalen Qualitäten treibt die Flybridge auf die Spitze. Auf 40 Quadratmeter Fläche – 8 Quadratmeter größer als bei der Azimut 78 Fly – ist viel Platz fürs Möbelrücken und für „größere Gesellschaften“, bestätigt Oliver Sieckmann. Standardmäßig steht an Steuerbord ein Speiseplatz mit viel Stauraum unter dem Sofa.
Getränke und kleine Gerichte kommen von der mit Kühlschrank, Eismaschine und Grill ausgestatteten Bar gegenüber. Für den Sonnenschutz gibt es zwei Varianten: Entweder hat das Hardtop einen festen Glaseinsatz oder verstellbare Lamellen. Am Steuerstand bieten zwei bequeme Sessel entspanntes Sitzen, auch bei längeren Fahrten.
Am 7 Quadratmeter großen Strandclub gibt es ein ausklappbares Sofa im Heckspiegel, das die Fläche in eine Terrasse mit Meerblick verwandelt. Das Cockpit (15 Quadratmeter) begrenzt gläsernes Schanzkleid, für freie Sicht von der Lounge zur Badeplattform und zum Wasser.
An Backbord führen Stufen hinauf zur Fly und hinab zu den Crewquartieren auf dem Unterdeck. Über das Seitendeck geht es nach vorn zur Galley und weiter zur 14 Quadratmeter großen Buglounge mit C-Sofa, Liegen und mobilem Bimini. Unter dem Sofa sind die Rettungsinseln verstaut. „Diese Lounge ist ein echter Rückzugsort“, kommentiert der deutsche Händler, vor allem im Vergleich zur eher geselligen Top-Terrasse.
Nach einer Analyse der Bewegungsabläufe wählte Ferretti Yachts ein Layout, das ein neues Konzept in die Serie einbringt. Die Galley lässt sich nicht nur per Schiebetür zum Salon schließen oder öffnen, sondern ist auch über das Foyer zu erreichen und verbindet sich obendrein mit dem Steuerstand. Dieser wiederum hat einen abschließbaren Zugang zum Flur. „Die Abläufe funktionieren, ohne die Wege der Gäste zu kreuzen“, erklärt Sieckmann.
Der 22 Quadratmeter große und über 2 Meter hohe Salon ist lichtdurchflutet und bietet selbst vom Sofa aus einen ungehinderten Blick auf das Meer. Zur Auswahl stehen zwei Einrichtungsstile, „Classic“ sowie „Contemporary“, dessen leuchtende Holzoberflächen und Stoffe in frischen Tönen von den Farben des Meeres inspiriert sind. Oliver Sieckmann fasst es für seine Kunden so zusammen: „Classic schafft eine warme, elegante Atmosphäre, während Contemporary eine moderne Leichtigkeit vermittelt.“
Drei Salon-Grundrisse sind im Angebot: In der Standardausführung steht ein maßgefertigtes Sofa mit optionalem Molteni-Couchtisch auf der Backbordseite, kombiniert mit einem frei stehenden Fernseher (43 bis 65 Zoll) auf dem Schrank an Steuerbord. Alternativ wird das TV-Möbel durch ein zweites Sofa ersetzt, in diesem Fall gleitet ein 55‑Zoll-Fernseher aus dem hohen Schrank am Eingang heraus. Die dritte Lösung umfasst wieder ein großes Staumodul anstelle des zweiten Sofas und komplettiert dieses Ensemble mit einem ausziehbaren Fernseher.
Der Speiseplatz besteht standardmäßig aus einem Minotti-Esstisch aus Rauchglas für acht Personen, die Stühle entwarf das Studio Alf DaFrè. Über eine Schiebetür sind es wenige Schritte ins Foyer und von dort ins Ruderhaus, an dessen Steuerbordseite die Crew eine kleine Messe nutzt. Rudergänger freut, dass die Windschutzscheibe aus einer einzigen Glasfläche ohne Stützpfosten besteht. Wem die Standard-Displays mit 16 Zoll zu klein sind, der wählt einfach größere in 24 Zoll.
Auch auf dem Unterdeck gibt es dank 2 Meter hoher Decken ausreichend Stehhöhe. Hier kommen eine Mastersuite (18 Quadratmeter) mittschiffs, eine VIP im Bug und zwei weitere Gästekabinen auf insgesamt acht Schlafplätze. In der Master sind der begehbare Kleiderschrank und das Badezimmer so angeordnet, dass sie eine natürliche Trennung zum Maschinenraum bilden und im Schlafzimmer für Ruhe sorgen. Auf der Backbordseite der Kabine steht ein Sofa, gegenüber ein Schminktisch plus Pouf „Pill“ von Tumidei. Dank der verschiebbaren Betten lässt sich die Aufteilung der beiden Gästekabinen anpassen.
Am Heck führt vom Crewbereich aus drei Kabinen plus Bad eine wasserdichte Tür direkt in den Motorenraum. In der Standardvariante treiben die Ferretti Yachts 800 zwei Zwölfzylinder von MAN mit jeweils 1.139 Kilowatt auf bis zu 27 Knoten und eine Reisegeschwindigkeit von 24 Knoten an. Optional leisten zwei MAN-V12-Aggregate jeweils 1.323 Kilowatt für maximal 31 Knoten sowie ökonomische 27 Knoten. Kreiselstabilisatoren von Seakeeper halten die 800 in der Waage und werden auf Wunsch von Zero-Speed-Flossen unterstützt.

Redakteurin News & Panorama
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