Seit Wochen bestimmt die Schließung der Straße von Hormus das wirtschaftliche Weltgeschehen - und die internationalen Schlagzeilen. Die gegenseitige Blockade durch beide Konfliktparteien, den Iran und die USA, haben den Schifffahrtsverkehr durch das Nadelöhr zwischen Persischem Golf und dem Golf von Oman, und damit dem Indischem Ozean, fast vollständig zur Erliegen gebracht.
Nur wenige Schiffe passieren seitdem die an ihrer schmalsten Stelle keine 30 Seemeilen breite Meerenge. Denn das Risiko ist trotz des derzeit herrschenden unruhigen Waffenstillstands hoch – wer es eingeht, riskiert, beschossen oder aufgebracht zu werden. Vor wenigen Tagen versuchte nun zum ersten Mal eine Megayacht den Durchbruch - mit Erfolg: die 142 Meter lange “Nord”.
Die 2021 von Lürssen abgelieferte “Nord” verfügt über einen Stahlrumpf, Aluminiumaufbauten und ein Teakdeck. Im Ranking der größten Superyachten belegt sie Platz 12. Markant ist vor allem das Vorschiff, dessen verbreitetes Deck über einen Hubschrauberlandeplatz verfügt und vom Bug her gesehen optisch an ein militärisches Spezialfahrzeug oder sogar einen Flugzeugträger erinnert. Die in Grautönen gehaltene Farbgebung verstärkt diesen Eindruck.
Was “Nord” veranlasst hat, die Passage in östlicher Richtung zu riskieren, ist nicht bekannt. Die Megayacht ist russisch geflaggt, die reguläre Besatzungsstärke wird mit rund 40 Personen angegeben. Bei einem Innenraumvolumnen von 10.154 Gross Tons erreicht sie mit vier MTU-Antriebseinheiten eine Höchstgeschwindkeit von 20 Knoten.
Sowohl die USA wie auch der Iran haben unterschiedliche Voraussetzungen für eine mögliche Durchfahrt bekannt gegeben, der Verkehr bleibt jedoch minimal: Während vor der Krise durchschnittlich etwa 140 Schiffe die Straße von Hormus in beide Richtungen durchfuhren, sind es derzeit kaum 20, ein Zustand, der bereits seit Anfang März für einen wirtschaftlichen Ausnahmezustand gesorgt - und hierzulande nicht zuletzt an den Tankstellen zu spüren ist.

Ressortleiter Reise