Neue SteuerregelungIn England wird tanken teurer

Martin Hager

 · 30.06.2026

Der 44 Meter lange CDM-Explorer MAVERICK während eines Stopps in London.
Foto: Maverick
Die britische Steuerbehörde HMRC veröffentlichte eine neue Richtlinien zur Treibstoffbesteuerung von Superyachten. Die Regelung klassifiziert die meisten Superyachten als Privatschiffe, nicht als kommerziell genutzte Yachten. Dies führt zu erheblich höheren Treibstoffkosten beim Bunkern in britischen Häfen.

Themen in diesem Artikel

Die britische Steuer- und Zollbehörde HM Revenue & Customs, kurz HMRC, hat im Juni 2026 eine Klarstellung zur steuerlichen Behandlung von Treibstoff für Superyachten herausgegeben. Die Richtlinie führt keine neue Gesetzgebung ein, sondern bekräftigt die Position , dass die meisten Superyachten beim Treibstoffkauf in Großbritannien als Privatyachten (Private Pleasure Craft, kurz PPC) zu behandeln sind. Dies gilt auch für viele Schiffe im Chartergeschäft, die üblicherweise kommerziell registriert sind. Die neue Regelung betrifft sowohl Superyachten als auch deren Tender und hat direkte Auswirkungen auf die Treibstoffkosten. Laut HMRC gilt ein Schiff als Privatyacht, wenn es vom Eigner, Charterkunden oder Gästen für private oder Freizeitzwecke genutzt wird. Dazu zählen Urlaubstörn, Weltreisen und Chartertouren. Die Eignerstruktur, die kommerzielle Registrierung oder die Beschäftigung von Crew machen ein Schiff nicht automatisch zu einem kommerziellen Fahrzeug.

Klassifizierung von Superyachten

Die HMRC erklärt in der Richtlinie, dass viele Yachten, Tender und Supportyachten zwar kommerziell betrieben und für Charterreisen angeboten werden, dies allein jedoch nicht zu einer Einstufung als kommerzielles Schiff führt. Nur in Ausnahmefällen werden Yachten als kommerzielle Schiffe betrachtet. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn sie von einer Regierungsbehörde oder einem Industriekunden beauftragt werden, nicht-freizeitbezogene Dienstleistungen zu erbringen.

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Unterschied zwischen Weißem und Roten Diesel

In Großbritannien gibt es zwei Arten von Diesel: Weißer Diesel und Roter Diesel. Weißer Diesel ist der Standard-Diesel, der zum vollen Steuersatz verkauft wird. Die Mehrwertsteuer wird zum Standardsatz erhoben, und es gibt keine Steuerermäßigung. Weißer Diesel wird häufig für den Straßenverkehr und alle Anwendungen verwendet, die sich nicht für einen Steuernachlass qualifizieren. Roter Diesel ist derselbe Standard-Diesel, jedoch rot eingefärbt, um anzuzeigen, dass er zu einem reduzierten Steuersatz verkauft werden kann. Er wird auch als „marked gas oil" bezeichnet und ist für bestimmte steuerbefreite oder steuerbegünstigte Zwecke vorgesehen. Dazu gehören der Nicht-Antriebsverbrauch auf Schiffen wie Generatoren oder Heizungen sowie bestimmte landwirtschaftliche, Bau- und Industrieanwendungen an Land. Private Boote und Yachten sind nicht berechtigt Roten Diesel zu erhalten oder ihn für den Antrieb zu verwenden.

Regelungen für Roten Diesel auf Privatyachten

Die HMRC hat festgelegt, dass Roter Diesel an Privatyachten in Großbritannien geliefert werden kann. Der Kunde muss jedoch die Aufteilung zwischen Antriebs- und Nicht-Antriebsverbrauch erklären. Auf alle Lieferungen von 2.300 Litern oder mehr wird der volle Mehrwertsteuersatz angewendet. Der Treibstofflieferant ist für die Zahlung des zusätzlichen Betrags für den Antriebsverbrauch verantwortlich. Wird Roter Diesel für andere als die erlaubten Zwecke genutzt, behandelt die HMRC dies als Steuerhinterziehung. In Deutschland wird es ähnlich gehandhabt.

Finanzielle Auswirkungen

Mitte Juni wurde der Steuersatz für Roten Diesel von 0,119 Euro pro Liter auf 0,076 Euro pro Liter gesenkt, gültig bis zum 31. Dezember 2026. Der Steuersatz für Weißen Diesel liegt derzeit bei 0,62 Euro pro Liter. Dies führt zu einem Unterschied von 0,54 Euro pro Liter an Steuern, die an die HMRC für den Antriebstreibstoff von Privatyachten zu zahlen sind. Die genauen finanziellen Auswirkungen variieren je nach Treibstoffverbrauch und Betriebsprofil der Yacht, können aber für größere Schiffe erheblich sein. Eine Superyacht, die 50.000 Liter Antriebsdiesel bunkert, muss mit einer zusätzlichen Steuerlast von etwa 27.000 Euro rechnen. Bei Yachten wie der 118,8 Meter langen “Breakthrough” mit einem Dieseltank mit 545.000 Litern Fassungsvermögen summieren sich die zusätzlich zu zahlenden Steuern auf 294.000 Euro. Die Klassifizierung eines Schiffes hat also erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtkosten des in Großbritannien gekauften Treibstoffs, insbesondere für größere Superyachten mit hohem Treibstoffbedarf.

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Martin Hager

Martin Hager

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv

Martin Hager ist Chefredakteur der Magazine YACHT und BOOTE EXCLUSIV. Er segelt seit seiner Kindheit, Surfen, Kitesurfen und Wingfoilen ergänzen seit vielen Jahren seinen sportlichen Horizont. Die Liebe zum Wassersport führte ihn zum Schiffbaustudium und von dort im Jahr 2004 in die Hamburger Redaktion des Delius Klasing Verlages. Seine Leidenschaft für den Bootsbau, die Yachtbranche und die spannenden Charaktere, die das Yachting prägen, gibt er mit Freude weiter – sei es in seinen Artikeln, als auch im Gespräch mit Lesern und der Branche.

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