Nicht jeder möchte jahrelang auf seine 70-Meter-plus warten. Da lohnt es sich, einen Blick auf den Secondhand-Markt zu werfen. Im gehobenen Segment wird man ab rund 120 Millionen Euro fündig und damit in Kürze zum Eigner. BOOTE EXCLUSIV stellt das Ranking der teuersten Superyachten vor, angefangen mit “Kensho”, “Boardwalk” und “Pelorus”.
Schon allein wegen ihrer zwischen Blau und Türkis schimmernden Metallic-Lackierung sticht die 75,2 Meter lange Admiral von 2022 aus dem Meer der schwimmenden Spezialitäten hervor. Während das in Berlin ansässige und dem Auftraggeber wohlbekannte Architekturbüro von Holger Schulze-Seeger half, die Kubatur zu verpacken, kümmerte sich der in Paris lebende Designer Sanjit Manku um das luftige Zen-Interieur. Beide Adressen hatten zuvor mit Yachten kaum etwas am Hut und krempelten bei diesem gut 75 Meter langen Wagnis vor allem das typische Layout um.
Einen klassischen Hauptdeck-Salon gibt es nicht, stattdessen einen Speisesaal für zwölf Personen unmittelbar vor dem Cockpit, der dank fehlender Seitendecks die knapp 13 Meter Yachtbreite voll ausnutzt. Darauf folgen VIPs, das aus vier Räumen bestehende Master-Apartment und schließlich die Brücke. Den so frei gewordenen Platz in der ersten Reihe auf dem Oberdeck nutzt ein 85 Quadratmeter großer Panorama-Salon. Treppen steigen ist nicht notwendig, ein Aufzug mit Perlmuttknöpfen verbindet alle vier Etagen. Auf der Orderliste, die der Auftraggeber bei The Italian Sea Group einreichte, stand darüber hinaus ein dieselelektrischer Antrieb mit 16 Knoten Höchstgeschwindigkeit.
Das Projekt 707 nahm zwischen 2019 und 2021 am Feadship-Standort Aalsmeer Form an und entstand in den Grafikprogrammen der benachbarten Haus- und Hofkonstrukteure Studio De Voogt. Die Innenausstattung der gut 76 Meter wiederum zeichnete die US-Amerikanerin Amy Halffman, die früher die Interieur-Abteilung von Westport leitete und dort bereits mit dem „Boardwalk“-Eigner zu tun hatte. Tilman Fertitta, Eigentümer des NBA-Teams Houston Rockets und US-Botschafter in Italien, verkauft, weil er dieses Frühjahr gleichnamige und optisch ähnliche 117 Meter von Lürssen entgegennimmt.
Damit er sich an Bord des Stahl-Alu-Formats heimisch fühlt, orientierte sich die Designerin an den Räumen des von Fertitta betriebenen Post Oak Hotels in Houston. Neben dem palastartigen Ambiente erwartet die 14 Gäste ein gigantisches Beach-, Spa-, Sport- und Tauchzentrum auf dem Unterdeck sowie ein stattlicher, mit Mosaiken geschmückter Pool in exponierter Lage auf dem vorderen Sonnendeck. Nach der körperlichen Ertüchtigung serviert die Crew einen Drink an einer der sechs (!) Bars, die geschickt über die Etagen verteilt sind. Groß renovieren müssten neue Eigner nicht, Y.CO bezeichnet den Zustand des Schmuckstücks als „makellos“.
Yachtspotter lieben sie, zu Recht. Die 114,5 Meter lange Lürssen zählt zu den weltweit berühmtesten Formaten und zu den zeitlosen Meisterwerken von Designer Tim Heywood. Ihre Geschichte lässt sich unverblümt als wechselhaft bezeichnen und nahm ihren Anfang mit der 72-Meter-Yacht „Coral Island“, die Lürssen 1994 ablieferte. Deren Eigner benötigte allerdings zügig deutlich mehr Schlafplätze und orderte kurzerhand einen Neubau um die 100 Meter. „Pelorus“ trat schließlich 2003 ins Rampenlicht und wurde umgehend als Ikone und Meilenstein für die Werft, eigentlich für die ganze Branche, hochstilisiert.
Nicht zuletzt wegen ihrer stattlichen Länge, des opulenten Strandhaus-Interieurs von Terence Disdale und der Besonderheiten wie eines Kinos auf dem Oberdeck oder einer sogenannten Disco-Garage. Da der auftraggebende Scheich allerdings schnell das Interesse an seinem Schatz verlor, geriet „Pelorus“ in die Hände von Roman Abramowitsch, der sie zum Hotspot für diverse Fußball-Stars machte. Zur Liste der Eigner gesellten sich in schneller Folge noch ein Musikmanager, ein weiterer Scheich und schließlich ein asiatischer Immobilien-Milliardär. Diverse Refits bescherten „Pelorus“ unter anderem einen größeren Pool sowie ein überarbeitetes Interieur. Vieles blieb beim Alten, sogar das Antriebspaket aus Wärtsilä-Dieseln, die dem 18,3 Meter breiten Koloss immerhin bis zu 20 Knoten schnelle Passagen bescheren.

Redakteurin News & Panorama