REV OceanPlan für Jungfern-Forschungsreise steht

Sören Gehlhaus

 · 01.09.2026

Eine der REV-Ocean-Missionen wird eine Forscherin des Alfred-Wegener-Instituts zu Ansammlungen der freischwimmenden Braunalge Sargassum führen, die im subtropischen Atlantik an der Meeresoberfläche vorkommen.
Foto: Alfred-Wegener-Institut / Julia Schnetzer
Das Forschungsschiff „REV Ocean“ startet im April 2027 von Rio de Janeiro aus zu seiner ersten großen Forschungssaison. Geplant sind zehn Missionen zu Tiefsee-Ökosystemen, Unterwasserbergen, Meeresschutzgebieten und dem Großen Atlantischen Sargassum-Gürtel. Eine Mission wird von einer Forscherin des Alfred-Wegener-Instituts mitgeleitet.

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Die norwegische Initiative REV Ocean hat die Routenplanung für die ersten Forschungsreisen ihres gleichnamigen Schiffs vorgestellt. Die erste Mission soll im April 2027 in Rio de Janeiro beginnen, wo vom 7. bis 9. April die UN Ocean Decade Conference stattfindet. Von dort aus führt das Programm durch den Südatlantik, die Karibik, die Sargassosee und den östlichen tropischen Pazifik. Die geplanten Einsätze sollen bis Ende 2028 laufen.

​Zehn Missionen über zwei Jahre

An Bord werden internationale Forschungsteams in zehn Missionen unterschiedliche marine Lebensräume untersuchen. Zu den Themen zählen Unterwasserberge vor Brasilien, Kaltwasserkorallen, Tiefsee-Ökosysteme, sogenannte Blue-Carbon-Lebensräume und grenzüberschreitende Meeresschutzgebiete. Auch die Verbindung zwischen wissenschaftlichen Daten und politischen Entscheidungen spielt eine zentrale Rolle.

Die Projekte entstehen gemeinsam mit regionalen Partnern. Beteiligt sind unter anderem Universitäten, Naturschutzorganisationen, Einrichtungen der Vereinten Nationen und Behörden. Nach Angaben von REV Ocean sollen die Missionen nicht nur neue Daten liefern, sondern auch den Aufbau von Fachwissen in den beteiligten Regionen unterstützen.

Braunalge als Schwerpunkt

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Großen Atlantischen Sargassum-Gürtel. Dabei handelt es sich um ausgedehnte Ansammlungen der freischwimmenden Braunalge Sargassum, die im subtropischen Atlantik an der Meeresoberfläche vorkommt. Eine Mission im August 2027 soll den Gürtel nördlich von Brasilien zwischen Fortaleza und Port of Spain in Trinidad und Tobago untersuchen. Die wissenschaftliche Leitung übernehmen die AWI-Forscherin Mar Fernández-Méndez und Prof. Linda Amaral Zettler vom Königlichen Niederländischen Institut für Meeresforschung, NIOZ. Die Expedition soll mehrere Fragen gleichzeitig klären. Untersucht werden die Artenvielfalt in den Sargassum-Matten, die Rolle der Algen im Kohlenstoffkreislauf von der Oberfläche bis zum Meeresboden sowie die mögliche Anreicherung von Mikroplastik.

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​„Die pelagische Braunalge Sargassum wächst an der Meeresoberfläche im gesamten subtropischen Atlantik und bindet während ihres Wachstums dank der Photosynthese große Mengen an Kohlenstoff“, erklärt Mar Fernández. „Wenn sie absinkt, kann sie einen Teil des Kohlenstoffs dauerhaft binden und zum Klimaschutz beitragen. Bislang hat jedoch noch niemand genau gemessen, wie genau diese wildwachsenden Sargassum-Matten zum globalen Kohlenstoffkreislauf beitragen. Zudem gibt es viele Unbekannte hinsichtlich ihres Verbleibs in der Tiefsee.“

Außerdem ist eine Ausbildungskomponente für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus Inselstaaten vorgesehen, die besonders von Sargassum-Anlandungen betroffen sind. Seit 2011 erreichen große Mengen der Braunalge regelmäßig Küsten der Karibik. Dort können sie ökologische und wirtschaftliche Probleme verursachen, etwa durch die Belastung von Stränden, den Rückgang der Wasserqualität und Einschränkungen für Tourismus und Fischerei. Gleichzeitig wird Sargassum auch als mögliche Rohstoffquelle untersucht.

Forschungsschiff mit Tiefseeausrüstung

„REV Ocean“ ist 195 Meter lang, 22 Meter breit und hat einen Tiefgang von 5,65 Metern. Der Stahl-Alu-Kasko wurde 2018 nach Plänen von Espen Øino International auf Kiel gelegt, bei VARD im norwegischen Brattvag ausgerüstet und 2024 ebendort um zwölf Meter verlängert. Während „REV Ocean“ von außen als robuster Explorer durchgeht, soll ein Teil der Innenräume nach Yachtstandard und Vorgaben von H2 Yacht Design im niederländischen Vlissingen ausgebaut werden. Dazu zählt ein zentrales Atrium mit Glasaufzug und Hängetreppe. Die dritte Station erreichte der Gigant auf eigenem Kiel im Frühjahr 2025.

Das Schiff verfügt über neun permanente Labore für biologische, chemische und ozeanografische Untersuchungen. Hinzu kommt ein flexibel nutzbares Arbeitsdeck, auf dem missionsbezogene Ausrüstung untergebracht werden kann. Für die Tiefseeforschung stehen zwei bemannte und unbemannte Systeme zur Verfügung. Das ferngesteuerte Tauchfahrzeug ROV Aurora ist für Einsätze bis 6.000 Meter Tiefe ausgelegt. Das bemannte Tauchboot Aurelia kann drei Personen bis in eine Tiefe von 2.300 Metern bringen und dort bis zu acht Stunden eingesetzt werden. Beide Systeme verfügen über Kameras und Sensoren für die gezielte Beprobung von Wasser, Meeresboden und Organismen.

Die technische Ausstattung macht „REV Ocean“ zu einer schwimmenden Forschungsplattform. Nach Angaben des Betreibers sollen an Bord nicht nur Proben genommen und Daten gesammelt werden. Ein Auditorium, ein Klassenraum, ein Konferenzraum und weitere Besprechungsbereiche sind dafür vorgesehen, Forschende, politische Entscheidungsträger und Vertreter von Behörden unmittelbar mit der Feldforschung zusammenzubringen.

Daten sollen öffentlich zugänglich bleiben

Jede Mission ist in drei Phasen gegliedert: zunächst die Planung mit regionalen Partnern, anschließend zwei bis fünf Wochen auf See und danach die Auswertung sowie Treffen an Land. Als Erfolgskriterien nennt REV Ocean unter anderem neue Basisdaten, Grundlagen für Meeresschutzgebiete, politische Handlungsempfehlungen und Ausbildungsangebote.

Die Ergebnisse sollen über die Ocean Data Platform und weitere geeignete Plattformen bereitgestellt werden. Damit sollen die Daten auch nach dem Ende der jeweiligen Expedition für Forschung, Politik und Naturschutz zugänglich bleiben. Für die maritime Forschung ist die Reise aus mehreren Gründen interessant. Die REV Ocean verbindet die Kapazitäten eines großen Forschungsschiffs mit moderner Tiefseeausrüstung und einer Infrastruktur für internationale Zusammenarbeit. Entscheidend wird sein, ob aus den gesammelten Daten konkrete Schutzmaßnahmen entstehen. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Forschung und Meeresschutz setzt das Programm an.

Philanthropie und Charter

REV Ocean reiht sich ein in eine Reihe privater Forschungsinitiativen mit philanthropischer Ausrichtung. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Superyacht-Eigner und Spielentwickler Gabe Newell mit Inkfish. Das Schmidt Ocean Institute wurde von Eric und Wendy Schmidt 2009 gegründet und zählt die 111 Meter lange „Falkor (too)“ zu seiner Flotte. Der Ex-Google CEO besaß mehrere große Motoryachten, seine Frau ist begeisterte Maxi-Seglerin. Der US-Investor Ray Dalio und sein Sohn betreiben marine Forschung auf eigene Rechnung mit „OceanXplorer“ (87 m).

„REV Ocean“ fährt vornehmlich, aber nicht ausschließlich als Forschungsschiff. Angedacht ist, dass die 195 Meter 25 Prozent des Jahres im Charterbetrieb unterwegs sind. Auch Auftraggeber Kjell Inge Røkke dürfte von Zeit zu Zeit an Bord kommen. Der norwegische Unternehmer gründete REV Ocean 2017, der Hauptsitz befindet sich in Fornebu. Das übergeordnete Ziel sei, den Ozean wieder gesund zu machen. Alle Gewinne aus Projekten sollen wieder in die Arbeit für einen gesünderen Ozean reinvestiert werden. ​

Kjell Inge Røkke hat dem Meer viel zu verdanken. Branchen, die seine Karriere geprägt hätten, seien von denselben Systemen abhängig, für deren Schutz er sich heute einsetzt. Als UN-Sonderbeauftragter für die Ozeane bringt er seine Überzeugung in die Gremien ein, in denen globale Entscheidungen getroffen werden.


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Sören Gehlhaus

Sören Gehlhaus

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV

Sören Gehlhaus wurde 1981 in Berlin geboren und besegelte auf Jollen die Unterhavel, in den Ferien den Ratzeburger See und die Ostsee auf „Dickschiffen“. Zeitgleich mit dem Beginn des Studiums in Lübeck trat 2001 das Kitesurfen auf den Plan, und die intensive Ausübung des neuen Sports sorgte für den beruflichen Schwenk zum Journalismus. Nach Volontariat beim b&d Verlag in Hamburg folgten viele Jahre der redaktionellen Arbeit für ein Kitesurf-Magazin und 2018 der Wechsel zu BOOTE EXCLUSIV.

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