Im März 2029 sollte die größte Residenz-Yacht der Welt in See stechen – so lautete der ursprüngliche Plan. Doch Großprojekte dieser Dimension gehorchen eigenen Gesetzen. Wurde letztes Jahr noch verkündet, dass der monumentale Yachtliner des Schweizer Unternehmers Frank Binder bei der Meyer Werft im niedersächsischen Papenburg entstehen soll, ist es nun anders gekommen. Wie Boat International nun veröffentlichte, wurde der Bauvertrag mit China Merchants Cruise Shipbuilding, kurz CMCS, unterzeichnet – ein Partnerwechsel, der weit mehr ist als eine geografische Verschiebung.
Doch zunächst zum Projekt selbst, das die Yachtwelt seit seiner Ankündigung in Atem hält.
„Wir wollen einen einzigartigen Lebensstil auf einer Residenz-Yacht bieten, die mit einer tollen Gemeinschaft reist", erklärt Binder, der für die Umsetzung die Firma Ulyssia Residences AG gründete und namhafte Branchenexperten um sich scharte. Allen voran CEO Alain Gruber, der sein Handwerk bei Luxushotelketten wie The Ritz-Carlton verfeinerte. Das Konzept geht dabei weit über das klassische Kreuzfahrterlebnis hinaus: “Ulyssia” soll eine Plattform sein, um sich auf fremde Kulturen einzulassen, einen positiven Einfluss zu hinterlassen – und in Krisensituationen dank umfangreicher medizinischer Einrichtungen an Bord schnell humanitäre Hilfe leisten zu können. In Zusammenarbeit mit NGOs sind zudem aktive Meeresschutzprojekte geplant. Luxus mit Haltung, könnte man sagen.
Auf 323 Metern Länge und 16 Decks entfaltet sich ein Projekt, das in der Geschichte des privaten Schiffbaus seinesgleichen sucht. An Bord entstehen 122 Privatresidenzen und 22 Gästesuiten für maximal 250 Bewohner und Gäste – eine bewusst gewählte Dichte, die den Charakter einer exklusiven Wohngemeinschaft auf See bewahren soll, anstatt das anonyme Massenfeeling eines konventionellen Kreuzfahrtschiffes zu erzeugen.
Für die Gestaltung von “Ulyssia” konnte Binder einige der klangvollsten Namen der internationalen Yacht- und Designszene verpflichtet. Das Exterieur stammt aus der Feder von Espen Øino, dessen Portfolio einige der außergewöhnlichsten Superyachten der Welt umfasst. Das Interieur der öffentlichen Bereiche sowie ausgewählter Residenzen verantwortet die Mailänder Architektin Francesca Muzio, deren Studio FM Architettura auf über 150 Projekte im Yacht- und Luxushotelbereich verweisen kann. „Wir wollten Authentizität an Bord bringen", betont Muzio – und konzipierte dafür unter anderem einen Gourmet-Markt, auf dem Bewohner typische Produkte der jeweils besuchten Orte entdecken können, begleitet von lokalen Köchen, die authentische gastronomische Erfahrungen bieten.
Für die individuelle Gestaltung der Residenzen wurden weitere Designer engagiert: Jean Michel Gathy, Sabrina Monte Carlo, Jenan Interiors – und in einer für die Yachtwelt ungewöhnlichen Besetzung auch Musiklegende Lenny Kravitz. Ein vom Guggenheim Museum inspiriertes Atrium bildet das architektonische Herzstück der öffentlichen Räume.
Die Residenzen selbst sind das Herzstück des Projekts. Mit Wohnflächen zwischen 113 und 982 Quadratmetern, individueller Gestaltung nach Eignerwunsch, privater Lobby und exklusivem Aufzug für jede Einheit erreicht das Angebot eine Dimension, die auch an Land beeindrucken würde. Der Einstiegspreis liegt bei rund 8,7 Millionen Euro für die kleinsten Suiten – ein Betrag, der den Kreis potenzieller Interessenten naturgemäß überschaubar hält, aber dem Exklusivitätsanspruch des Projekts vollkommen entspricht.
Was “Ulyssia” seinen Bewohnern darüber hinaus bieten wird, liest sich wie ein Katalog der exklusivsten Einrichtungen, die sich auf begrenztem Raum denken lassen – wobei 323 Meter Länge freilich erhebliche Freiheiten erlauben. Yachtclub mit integrierter Marina, Tauchzentrum mit Triton-Tauchbooten, Spa mit medizinischer Abteilung, Sterne-Restaurants, Theater, Bibliothek, Kunstatelier, Sportplätze, Simulatoren sowie Garagen für die Fahrzeuge der Bewohner gehören ebenso dazu wie zwei Helikopter und eine Flotte von Luxustender. Als Wellness-Partner konnte Chenot gewonnen werden, als Expeditionsspezialist EYOS Expeditions, um alle Private Aviation-Anfragen kümmert sich VistaJet.
Der Antrieb ist als ambitioniertes Hybridsystem konzipiert, das Methanol, Biokraftstoffe, Diesel, Batterien und Solartechnologie kombiniert – ein Bekenntnis zur Nachhaltigkeit, das dem Gesamtanspruch des Projekts entspricht.
Und nun zum entscheidenden Kurswechsel: “Ulyssia” wird nicht mehr – wie 2025 angekündigt – bei der Meyer Werft in Papenburg gebaut, sondern bei China Merchants Cruise Shipbuilding. Die Wahl von CMCS ist dabei laut Boat International alles andere als eine Verlegenheitslösung. Die chinesische Werft verfügt über nachgewiesene Expertise im Expeditionskreuzfahrtbau und lieferte das erste polar-taugliche Expeditionsschiff in chinesischer Produktion. Sie arbeitet eng mit ihrer Tochtergesellschaft Deltamarin zusammen – einem finnischen Ingenieurhaus mit tiefem Verständnis für komplexe Bordsysteme und hochwertige Ausstattungsintegration.
Das Projektteam bleibt erhalten. Der Wechsel zu CMCS betrifft ausschließlich den Schiffbau – das Gesamtkonzept, die Designer, Partner, der Anspruch: alles unverändert. Die Jungfernfahrt ab Monaco ist nun für 2031 geplant.
Residenzen:
Ausstattung:
Zeitplan:
Hotels und exklusive Kreuzfahrten passen gut zusammen, weswegen neben dem Four Seasons und Ritz Carlton nun auch die Hotelmarke Aman ihren ersten Yacht-Liner „Amangati“ präsentierte, der ab 2027 auf Reisen gehen soll. Mit nur 47 Suiten, einem großen Spa-Bereich und gehobener Gastronomie verspricht der von Sinot Design gestaltete Yachtliner einzigartige Kreuzfahrterlebnisse.

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv