Leonie Meyer
· 19.06.2026
Die Groupe Beneteau reagiert auf den anhaltenden Rückgang an Nachfragen im US-Markt mit einem radikalen Schritt. Das Werk in Cadillac im US-Bundesstaat Michigan wird im dritten Quartal 2026 geschlossen. Gleichzeitig sucht der französische Bootsbauer Käufer für die Produktionsstätte und die dort gefertigten Marken Four Winns, Glastron und Scarab Jet. Die Entscheidung betrifft einen der 16 Produktionsstandorte des Konzerns. Nach Angaben der Werft sollen Ersatzteilversorgung und Kundenservice bis zum Abschluss des Verkaufs weiterlaufen.
Der Konzern begründet den Schritt mit zwei Faktoren. Zum einen schrumpfen die Segmente Bowrider und Jetboats, in denen Four Winns und Scarab aktiv sind, bereits seit Jahren. Zum anderen verschärfte der Nahostkonflikt, der im März 2026 begann, die Kaufzurückhaltung in diesen bereits schwachen Marktsegmenten erheblich.
Das Werk in Cadillac erreichte 2026 trotz fortgesetzter Investitionen nicht die geplanten Produktionszahlen. In den Geschäftsjahren 2024 und 2025 summierten sich die Betriebsverluste der drei amerikanischen Marken auf etwa 30 Millionen Euro. Die betroffenen Marken erwirtschafteten 2025 weniger als fünf Prozent des Konzernumsatzes. Die Groupe Beneteau erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Gesamtumsatz von rund 850 Millionen Euro.
Mit der Schließung will Beneteau Ressourcen auf die verbleibenden sieben Marken lenken. Dazu gehören Beneteau, Jeanneau, Prestige, Excess, Lagoon, Wellcraft und Delphia. Diese Marken sollen das Vertriebsnetz in Europa, Amerika und Asien künftig allein bedienen. Yannick Madiot, Geschäftsführer der Dayboating-Sparte, betonte die Leistung der Mitarbeiter in Cadillac und kündigte Unterstützung für die Belegschaft an, wie es in der Pressemitteilung heißt.
Der Konzern hält trotz der Werksschließung an seiner Produktstrategie fest. 2026 bringt Beneteau 24 neue Modelle auf den Markt, nach 23 Neuvorstellungen im Vorjahr. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im ersten Quartal 2026. Der Auftragsbestand für das laufende Jahr wuchs bis Ende April um knapp zehn Prozent bei konstanten Wechselkursen. Diese Zahlen bestätigen laut Werft die Ausrichtung auf Innovation und Produktentwicklung.
Bruno Thivoyon, Vorstandsvorsitzender der Groupe Beneteau, verwies auf die Auswirkungen der geopolitischen Lage, die außerhalb der Kontrolle des Unternehmens liege. Der Konzern passe seine Kostenstruktur an die veränderten Marktbedingungen an. Gleichzeitig wolle man die Investitionsfähigkeit erhalten und die Mitarbeiter verantwortungsvoll begleiten. Thivoyon verwies auf die 140-jährige Geschichte des Unternehmens als Grundlage für die Bewältigung der aktuellen Herausforderungen.
Benjamin Bénéteau gründete das Unternehmen vor 140 Jahren in der französischen Region Vendée. Heute zählt die Groupe Beneteau zu den führenden Herstellern in der weltweiten Bootsindustrie. Der Konzern betreibt 16 Produktionsstätten und beschäftigt 6.200 Mitarbeiter, hauptsächlich in Frankreich, den USA, Polen, Italien, Portugal und Tunesien. Die Bootssparte umfasst neun Marken mit mehr als 135 Modellen von Segelbooten und Motorbooten, sowohl als Einrumpf- als auch als Katamaranvarianten. Die Sparte Boating Solutions bietet Tages- und Wochenvermietung, Marinas sowie digitale Dienste und Finanzierungen an.

Redakteurin Wassersport Digital-Redaktion
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