InterviewDer Weg zum Bootsangeln – „vom Holzboot zum Hightech-Predator-Rig“

Thorsten Trojan

 · 27.02.2026

Interview: Der Weg zum Bootsangeln – „vom Holzboot zum Hightech-Predator-Rig“Foto: Fred Kotowski
Ein Stachelritter vom Plauer See: Fred auf seinem PikeHunter 530.
​Im Gespräch mit Angelguide Fred Kotowski. Mehr als 200 Tage im Jahr ist Fred Kotowski auf dem Plauer See unterwegs. Geboren und aufgewachsen in der DDR, hat er seine ersten Fische mit minimalem Gerät gefangen – ohne Hightech, ohne Social Media, dafür mit viel Geduld und noch mehr Leidenschaft. Wie er seine Leidenschaft im Bootsangeln findet

​Heute ist er einer der bekanntesten Guides auf dem See, fährt ein voll ausgestattetes PikeHunter 530 Gen3 von RheinlandBoote mit 140 PS Tohatsu und modernster Garmin-Elektronik. Trotz all der Technik ist Fred geblieben, was er immer war: ein ehrlicher, direkter Angler alter Schule, der sagt, was er denkt – und sein Wissen ohne Showeffekte weitergibt.

Fred, was treibt dich nach all den Jahren immer noch raus aufs Wasser?

Ganz einfach: Ich fühl mich auf dem Wasser mehr zu Hause als an Land. Ich bin mit sehr wenig groß geworden, da war Angeln nicht Lifestyle, sondern Alltag. Heute könnte ich theoretisch auch weniger machen – aber wenn morgens der Nebel über dem See hängt, dann weiß ich: Hier gehöre ich hin. Und solange ich auf dem Plauer See noch was Neues lernen kann, bleibe ich draußen.

Du bist in der DDR aufgewachsen. Wie sah Angeln damals für dich aus?

Romantisch zu verklären brauchen wir das nicht – das war sehr einfach. Ich hatte keinen fetten Tackle-Shop um die Ecke. Vieles war Mangelware, das meiste improvisiert. Ein einfacher Kahn, einfache Ruten, Schnur, ein paar Haken, das war’s. Aber genau das hat mich geprägt: Du lernst, Gewässer zu lesen, statt nur auf ein Display zu starren. Wenn du kein Hightech hast, musst du mit Köpfchen angeln.

Was aus dieser Zeit prägt dich bis heute als Guide?

Zwei Dinge: Demut und Ehrlichkeit. Demut vor dem Gewässer – der See schuldet dir nichts. Und Ehrlichkeit, auch gegenüber den Gästen. Ich verspreche niemandem „zehn Hechte garantiert“. Wer so was erzählt, hat vom Angeln am Natursee nicht viel verstanden. Ich sag meinen Leuten klar, wie die Bedingungen sind: gut, schwierig oder knüppelhart. Und dann arbeiten wir zusammen daran, trotzdem Fisch ans Band zu bekommen.

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Was hat sich am meisten verändert?

Drei Dinge: Bootskontrolle, Elektronik, Sicherheit. Früher waren wir beinahe blind auf dem Wasser, heute ist Position und Elektronik alles: Spot-Lock, Drift, Winkel. Elektronik zeigt Strukturen und Fische, aber nur wer lesen kann, fängt besser. Außerdem sind Schwimmwesten, gute Kleidung und Redundanz heute Standard, keine Kür.

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Wie bist du professioneller Guide geworden?

Das war kein Masterplan. Am Anfang bin ich mit einem einfachen Kahn raus – ohne Castingdeck, ohne Hightech, ohne fancy Design. Nur Boot, Motor und ich. Mit den Jahren wurde das professioneller, die Nachfrage größer, und ich hab irgendwann gesagt: Okay, entweder mach ich’s richtig – oder gar nicht.

Heute fährst du ein PikeHunter 530 Gen3. Wie kam es dazu?

Irgendwann stößt du mit einem einfachen Boot an Grenzen. Wenn du bei Wind und Welle mit Gästen draußen bist, willst du Sicherheit, Platz und ein Layout, mit dem man wirklich angeln kann. Das PikeHunter 530 hat mich direkt abgeholt: sehr stabiles Aluminium, viel Bewegungsfreiheit, sinnvolle Stauräume. Außerdem ist es sogar selbstlenzend. Das ist top, weil ich mein Boot fast das ganze Jahr im Wasser liegen lasse und so nie Kummer mit dem Regenablauf habe. Mit dem 140-PS-Tohatsu und der digitalen Schaltung habe ich genug Reserven, auch wenn’s mal richtig ungemütlich wird auf dem See. Das ist kein Spielzeug, das ist Arbeitsgerät.

Und bei der Elektronik hast du ordentlich aufgerüstet …

Ja, das ist inzwischen ein echtes Arbeitscockpit. Vorn der Garmin Force Kraken als Bugmotor, dazu gleich mehrere 12″-GPSMAP-Echolote und LiveScope-Geber – alles sauber auf LiFePo4-Batterien abgestimmt. Ich verbringe jeden Tag viele Stunden auf dem Wasser, da muss das System einfach laufen. Keine Bastellösung, kein Kabelsalat. Ich will mich aufs Führen und auf die Fische konzentrieren, nicht auf Fehlersuche.

Du bezeichnest dich trotzdem als „Angler alter Schule“. Wie passt das mit all der Hightech zusammen?

Ganz einfach: Die Technik ist ein Werkzeug, kein Ersatz fürs Angeln. Viele verwechseln das. Live-Echolot heißt nicht automatisch mehr Fisch im Kescher. Wenn du nicht weißt, was du auf dem Bildschirm siehst, bringen dir die schönsten Farben nichts. Meine Schule war: Struktur lesen, Wind, Temperatur, Jahreszeit, Futterfisch. Das kommt zuerst. Die Elektronik hilft mir, das zu verfeinern. Aber die Basics bleiben oldschool.

Was erlebst du mit deinen Gästen an Bord?

Alles. Vom absoluten Einsteiger, der noch nie einen Baitcaster in der Hand hatte, bis zum Hardcore-Angler, der nur noch den letzten Prozentpunkt rauskitzeln will. Typischer Fehler: zu schnell ungeduldig werden. Drei Würfe, kein Fisch – schon denkt man, man müsse alles ändern. Ich bring den Leuten bei: System reinbringen, ruhig bleiben, Muster erkennen. Und ja, ich sag auch mal deutlich: Du verhaust jeden dritten Wurf, konzentrier dich. Damit muss man klarkommen.

Du hast den Ruf, ehrlich und direkt zu sein. Wie kommt das bei deinen Gästen an?

Die meisten buchen mich genau deswegen. Wer nur ein paar schöne Instagram-Fotos braucht, ist bei mir falsch. Ich sage, was Sache ist. Wenn das Wetter besch…eiden ist, sag ich das vorher. Wenn jemand nur seine eigenen Köder „testen“ will und nichts fängt, sag ich ihm: Vertrau mir, wir wechseln jetzt. Diese Ehrlichkeit ist manchmal unbequem, aber am Ende bringt sie Fisch – und vor allem ­Lernfortschritt.

Du hast auch einen eigenen YouTube-Kanal. Was zeigst du dort?

Ich habe keine Lust auf Hochglanz-Bullshit. Klar, man sieht mein Boot, meine Technik, meine Köder – aber vor allem sieht man echten Alltag: gute Tage, harte Tage, Fehlschläge, Lernkurven. Ich bekomme viele Anfragen von Leuten, die sagen: Ich hab dein Video gesehen, jetzt will ich das live erleben. Und genau so soll es sein: Wer mich bucht, bekommt den gleichen Typen wie auf YouTube – ungeschminkt, manchmal mürrisch, aber immer ehrlich.

Du bist eng mit der Community am Plauer See vernetzt. Wie wichtig ist dir dieses Netzwerk?

Sehr wichtig. Niemand „besitzt“ den See. Wir Guides, die lokalen Angler, Vereine, Tourismus – wir sitzen alle in einem Boot. Ich tausche mich viel aus, gebe Wissen weiter, bekomme auch welches zurück. Das hilft, den See langfristig gesund zu halten. Catch and Release, Schonzeiten respektieren, Spots nicht verheizen – das sind keine Floskeln. Wenn du wie ich seit Jahrzehnten hier bist, willst du, dass auch in 20 Jahren noch gesunde Bestände da sind.

Was würdest du jemandem raten, der heute mit dem Bootsangeln anfangen will?

Erstens: Nicht verrückt machen lassen vom Material. Du brauchst kein Tausende-Euro-Set-up. Eine solide Rute, gute Schnur, ein paar bewährte Köder – fertig. Zweitens: Lerne das Gewässer kennen. Tiefenlinien, Kanten, Krautfelder, Windrichtungen. Drittens: Nimm dir Zeit. Angeln ist kein Sprint. Und wenn du schneller vorankommen willst: Buche einen Guide – muss nicht ich sein, aber jemanden, der sein Gewässer wirklich kennt. Und bewahre die Demut vor dem Wasser. Dein Boot muss zum Vorhaben passen.

Und zum Schluss: Was dürfen Gäste erwarten, die mit dir rausfahren?

Einen ehrlichen Tag auf dem Wasser. Kein Versprechen auf den Meterfisch, aber alles, was in meiner Macht steht, um ihn möglich zu machen. Ein modernes Boot mit perfekter Technik, klare Ansagen, viel Praxiswissen – und keine Show. Wenn du bereit bist, zu lernen, dich auch mal kritisch spiegeln zu lassen und den See so zu respektieren wie ich, dann werden wir eine gute Zeit haben. Und mit ein bisschen Glück – und sauberer Arbeit – auch den Fisch, von dem du noch lange erzählen wirst.


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