InterviewSo soll das vergessene Boot von Frank Sinatra gerettet werden

David Ingelfinger

 · 07.08.2026

Die 23-Meter-Motoryacht lag über zwölf Jahre lang ungenutzt an Land.
Foto: Billy Petherick
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Ein britischer YouTuber übernimmt die alte Motoryacht von Frank Sinatra. Die „Nostalgia 10" lag mehr als zwölf Jahre verlassen in England, jetzt will Billy Petherick den 23-Meter-Klassiker wieder fit machen. Wie viel Sinatra tatsächlich in dem Schiff steckt, ist bis heute jedoch nicht restlos geklärt.

„The Pethericks" ist einer der bekanntesten Renovierungskanäle auf YouTube. Hinter dem Kanal steckt der Brite Billy Petherick, der die Renovierungsabenteuer mit seiner Familie zeigt. Bekannt wurde er vor allem durch die Restaurierung eines Châteaus in Frankreich, die Hunderttausende Abonnenten verfolgten.

Nun wechselt er vom Land aufs Wasser, und das mit einem ausgesprochen ambitionierten Refit-Projekt: eine 23-Meter-Motoryacht aus dem Jahr 1956, die über zwölf Jahre verlassen auf Wallasea Island in England lag und deren Geschichte mit einem der bekanntesten Namen des amerikanischen Showbusiness verknüpft ist. Petherick hat das Schiff übernommen und will es restaurieren. Im Interview erklärt er, was ihn dazu gebracht hat, was den Rumpf noch zusammenhält und warum er die „Nostalgia 10" niemals verkaufen möchte.

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Sagen Sie mal, Herr Petherick … wie kamen Sie an Sinatras Boot?

Wir wollten einen echten Klassiker sanieren. Dass diese Motoryacht am Ende mit einer Legende wie Frank Sinatra verbunden ist, stand bei der Suche gar nicht im Vordergrund. Der Vorbesitzer wollte sie restaurieren und als Museum herrichten. Dann wurden wohl die Lagergebühren nicht mehr gezahlt. So wurde das Boot zur Last für die Marina und uns bot sich die Chance, es zu übernehmen.

Wieso gerade dieses Schiff?

Gute Frage. Ich hatte eigentlich nichts mit Booten am Hut. Als ich mich für den Kauf entschied, suchte ich einen Oldtimer, so was wie die Holzboote aus dem frühen 20. Jahrhundert. Ich wählte schließlich aber doch lieber einen Stahlrumpf, weil der deutlich einfacher zu reparieren ist. Am Ende hat mich einfach die Bauart und dieser zeitlose Look fasziniert.

Wie ist der Gesamtzustand der „Nostalgia 10“?

Na ja, der Aufbau ist nicht allzu schlecht. Nur das Teakholz am Vorschiff ist verrottet und muss ersetzt werden. Je tiefer man gräbt, desto mehr findet man natürlich. Schwieriger einzuschätzen ist der enge Motorraum mit einigen korrodierten Stellen. Aber die eigentliche Struktur, die Stahlkonstruktion und das meiste Holz sind in einem guten Zustand.

Welche Arbeiten stehen jetzt an?

Im Moment geht es im Kern darum, das Boot möglichst wasserdicht zu bekommen, weil es noch eine ganze Weile hier stehen wird. Wir müssen viel schleifen, lackieren und ersetzen, gerade beim Innenausbau. Ich will das originale Interieur so weit wie möglich intakt halten. Danach schauen wir uns das gesamte Stahlwerk an, bringen die Elektrik in Ordnung und versuchen, die Motoren zum Laufen zu bringen. Aber im Moment geht es eher darum, das zu bewahren, was wir haben.

Wie viel Sinatra steckt wirklich in dem Boot?

Das Boot ging schon durch viele Hände. Inwiefern Sinatra es genutzt hat, ist jedoch nicht eindeutig geklärt. Gebaut wurde es 1956 für den Geschäftsmann Dick McCormick. Nach weiteren Eignern landete es schließlich in Florida. Mitte der 1960er Jahre hat wohl tatsächlich auch Frank Sinatra das Boot genutzt, weil er mit dem damaligen Eigner befreundet und zu dieser Zeit gerne auf See war.

Soll das Boot den Urzustand zurückerhalten?

Wir wollen es so originalgetreu wie möglich restaurieren, aber die Patina erhalten – ich möchte nicht, dass es wie neu aussieht. Wenn es aber mal sein muss, tauschen wir auch Teile aus, etwa in der verrotteten Kombüse.

Wie lange wird noch restauriert?

Ich gehe im Moment von etwa zwei Jahren aus. Schaffen wir das Pensum für dieses Jahr, kann sie schon im nächsten Jahr ins Wasser. Aber im Interieur steht dann noch eine Menge an. Wenn sie dann bereit für Probefahrten ist und die Innenräume ordentlich aussehen, kommt der beste Teil. Wir blicken also auf anderthalb bis zwei Jahre, aber vielleicht dauert es länger, ich bin mir nicht sicher.

Was sind die Pläne für danach?

​Schwer zu sagen, verkaufen werde ich sie aber nicht. Vielleicht bringe ich sie zurück in ihr altes Zuhause zu den St. Katharine Docks in London. Ich will einfach Freude an ihr haben. Sie ist ja nicht so groß und für den Ozean wahrscheinlich nicht geeignet. Aber im Moment ist das noch ein schöner Traum.

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Weit entfernt von den Küsten im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen, fand David Ingelfinger erst im Alter von elf Jahren auf den niederländischen Gewässern zum Segelsport. Was als Familienurlaub ohne großartige Vorkenntnisse begann, mündete in einer steilen Lernkurve, aus der die dauerhafte Leidenschaft fürs Segeln entsprang. Seine praktischen Erfahrungen festigte er über die Jahre mit dem Erwerb des SKS und zahlreichen Meilen als Skipper auf Charteryachten im Ijsselmeer, der Nordsee sowie im Mittelmeer. Nach seinem Studium der Publizistik schlägt er nun die Brücke zwischen dem journalistischen Handwerk und der Praxis auf dem Wasser und bringt seine Begeisterung für den Sport als Volontär in die Redaktion der YACHT ein.

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