InterviewWie Rechtsanwältin Marilena Mroß es zu den Young Professionals in Yachting schafft

Sören Gehlhaus

 · 14.01.2024

Interview: Wie Rechtsanwältin Marilena Mroß es zu den Young Professionals in Yachting schafft
Die Rechtsanwältin Marilena Mroß führte ein Exkurs im Studium zum Maritimen Wirtschaftsrecht. Seit drei Jahren ist die 33-Jährige Teil des Hamburger Büros der Yachtrecht-Anwälte von Clyde & Co und seit Kurzem Vorstandsmitglied bei Young Professionals in Yachting (YPY).

Hi Marilena, wo erreiche ich dich gerade?

Ich bin in Dubai und arbeite die nächsten Wochen von hier aus. Das passt fachlich gut, da unser hiesiges Büro unter anderem auf Yachting und Private Aviation spezialisiert ist. Bei meiner Kanzlei Clyde & Co sind wir ein großes globales Team mit über 60 Standorten weltweit, und es ist immer hilfreich, sich mit den ausländischen KollegInnen zu vernetzen und regelmäßig auszutauschen. So können wir unsere MandantInnen auch bei Rechtsfragen mit Auslandsbezug kurzfristig unterstützen und kennen die entsprechenden Ansprechpartner im Ausland meist persönlich.

Ist das Reisen ein großer Bestandteil deiner Arbeit?

Seit der Coronapandemie finden viele unserer Meetings online über Teams oder andere digitale Kanäle statt. Corona hat auch die Digitalisierung der Justiz vorangetrieben. Selbst Zivilverfahren können mittlerweile per Videokonferenz geführt werden. Als Anwältin sitze ich dementsprechend oft vor dem PC – Reisen, etwa zu Gerichtsterminen, Messen oder MandantInnen, stellt also eine willkommene Abwechslung dar.

Was ist der Schwerpunkt deiner Tätigkeit?

Ich berate MandantInnen zu allen juristischen Aspekten im Yachtbereich. Meine tägliche Tätigkeit umfasst dabei insbesondere das Entwerfen, Aushandeln und die Durchführung von Verträgen bei Yachtkäufen oder -verkäufen sowie bei Neubauprojekten. Darüber hinaus sind wir für unsere MandantInnen je nach individuellem Beratungsbedarf tätig. Neben Fragen des Mängelgewährleistungs- und Werkvertragsrechts können das etwa auch Fragen aus dem Arbeitsrecht (Crew-Themen) oder dem Mietrecht (Yachtvercharterung) sein. Wer eine Superyacht besitzt, interessiert sich nicht selten auch für den Bereich Aviation – hier stehen wir dann natürlich ebenfalls mit unserer Erfahrung zur Seite.

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Welche juristischen Streitfälle begegnen dir am häufigsten?

Klassische Streitfälle im Bereich Yachting sind Fälle der verspäteten Lieferung oder der mangelhaften Leistung. Wir unterstützen auch umfassend bei Yachtkollisionen – das ist nicht schön, rechtlich betrachtet aber ebenfalls spannend.

Schwebte dir schon im Studium vor, dich auf den maritimen Sektor zu spezialisieren?

Ich habe mein Jurastudium in Kiel begonnen und bin dort eher zufällig auf eine Vorlesung mit Exkurs zum Thema Seerecht gestoßen. Das Thema interessierte mich auf Anhieb, sodass ich mich im Anschluss daran nach Möglichkeiten informierte, in diesem Gebiet vertiefte Kenntnisse zu erlangen. Schnell war klar, dass ich dafür an die Universität Hamburg wechseln musste – die einzige Universität in Deutschland, die ein Schwerpunktstudium im Maritimen Wirtschaftsrecht anbietet. Das Schwerpunktstudium hat meine Erwartungen dann sogar noch übertroffen. Wir waren dort eine kleine und eingeschworene Gruppe, und unser Professor Marian Paschke vernetzte uns schon früh mit der Praxis und förderte uns individuell.

Hattest du schon vorher eine persönliche Beziehung zum Segeln oder Bootfahren?

Ich bin in Schleswig-Holstein aufgewachsen und fühle mich dem Meer sehr verbunden. Außerdem habe ich mir schon lange vorgenommen, einen Segelschein zu machen – wie es der Zufall will, wohne ich sogar direkt über einer Segelschule an der Alster, sodass ich langsam keine Ausreden mehr habe (lacht).

Wie hast du zu deiner jetzigen Kanzlei Clyde & Co gefunden?

Während des Studiums habe ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Seerecht und Seehandelsrecht der Universität Hamburg gearbeitet. Darüber ist damals der erste Kontakt zu meinem jetzigen Team um Volker Lücke und Tim Schommer entstanden – manchen ein Begriff aufgrund der Yachtrecht-Kolumne in BOOTE EXCLUSIV. Da mir der Bereich Yachting und der Teamgeist in der Kanzlei sehr gefiel, war mir schnell klar, dass ich hier auch als Anwältin arbeiten wollte. Mittlerweile bin ich seit über drei Jahren bei Clyde & Co als Anwältin tätig.

Wie viele Anwälte seid ihr in Hamburg?

Am Hamburger Standort sind wir mit 21 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten vertreten. Zusätzlich arbeiten fünf englische Juristen in unserem Hamburger Büro. Neben den Bereichen Yachting und Private Aviation sind wir in Hamburg auch im Versicherungsrecht, Transportrecht, Energy- und Offshore-Sektor sowie im Bereich Schiedsverfahren tätig. Weltweit beschäftigt Clyde & Co mehr als 3200 Rechtsexperten auf sechs Kontinenten.

Kannst du dich noch an dein erstes Mandat erinnern?

Eines meiner ersten Mandate war der Verkauf einer 20 Meter langen Azimut. In diesem Zusammenhang war ich auch beim Seatrial im Sommer auf der Ostsee dabei. Das war ein wirkliches Erlebnis!

Bedeuten viele Rechtsgebiete auch das Wälzen vieler Gesetzbücher?

Bei uns in der Kanzlei haben wir Zugriff auf Datenbanken, in denen sämtliche Gesetzestexte enthalten sind. Ich finde das sehr praktisch, da man so schnell auf die aktuellste Fassung der erforderlichen Normen zurückgreifen kann. Manche mögen es dennoch, Bücher zur Hand zu nehmen. Bei meinem zweiten Examen hatte ich zwei Rollkoffer mit insgesamt elf dicken Büchern zum Examen dabei. Als ich morgens im Dezember so über die Straßen lief, müssen die Leute gedacht haben, ich würde in den Urlaub fahren (lacht).

Wie bist du zu Young Professionals in Yachting (YPY) gekommen?

Wenn man als Anwältin neu in den Beruf einsteigt, ist man zunächst ein Stück weit in seiner Jurablase gefangen. Ich wollte mich gern auch mit Nicht-Juristen im maritimen Bereich austauschen und bin so auf YPY gestoßen. Das Timing war perfekt, weil ich ungefähr zwei Wochen vor dem ersten Superyacht Summit auf Pellworm auf YPY aufmerksam wurde. Ich bin dann spontan nach Pellworm mitgekommen und wurde sehr gut aufgenommen. Besonders gut gefällt mir an YPY, dass wir ein Netzwerk bilden, das mit uns wächst – menschlich, fachlich und beruflich. Schön ist auch, nun auf Messen oder im sonstigen Berufskontext viele Leute zu treffen, die ich schon kenne. Und aus den Bekanntschaften entwickeln sich manchmal auch Freundschaften.

Juristen sind immer willkommen in Vereinen. Musstest du schon eine Rechtsberatung geben?

Ja, das stimmt (lacht). Als Juristin werde ich auch privat oft mit kleineren Rechtsfragen kontaktiert und helfe dann gern kurz weiter. Auch bei YPY kamen schon rechtliche Fragen auf. Insgesamt liegt mein Fokus als YPY-Vorstandsmitglied aber im Bereich Mitgliederbetreuung. Ich koordiniere die Aufnahme neuer Mitglieder und beantworte allgemeine Fragen zur Mitgliedschaft und zu anstehenden Events. Damit möchten wir Neumitgliedern und Interessierten einen noch besseren Einstieg in die Welt von YPY bieten.


Über „Young Professionals in Yachting Germany“

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Die 2017 gegründete Netzwerkplattform „Young Professionals in Yachting Germany“ unterstützt ihre Mitglieder dabei, Kontakte innerhalb der Branche zu knüpfen, unter anderem auf Events und bei Stammtischen. Beitreten kann jeder, der schon in der Yachting-Industrie arbeitet und zwischen 20 und 40 Jahre alt ist. Derzeit hat der Verein über 100 Mitglieder aus unterschiedlichen Bereichen der Großyachtwelt.


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Sören Gehlhaus

Sören Gehlhaus

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV

Sören Gehlhaus wurde 1981 in Berlin geboren und besegelte auf Jollen die Unterhavel, in den Ferien den Ratzeburger See und die Ostsee auf „Dickschiffen“. Zeitgleich mit dem Beginn des Studiums in Lübeck trat 2001 das Kitesurfen auf den Plan, und die intensive Ausübung des neuen Sports sorgte für den beruflichen Schwenk zum Journalismus. Nach Volontariat beim b&d Verlag in Hamburg folgten viele Jahre der redaktionellen Arbeit für ein Kitesurf-Magazin und 2018 der Wechsel zu BOOTE EXCLUSIV.

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