PorträtWie Charlie Abbing ihr Bootsangel-Hobby zum Beruf machte

Thorsten Trojan

 · 20.07.2026

Das Angeln-Spezial wird präsentiert von
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Charlie Abbing macht ihr Hobby zum Beruf.
Foto: Charlie Abbing
​Es gibt diesen Moment beim Angeln, der nie ganz verschwindet: Der Köder fliegt, die Schnur spannt sich, irgendwo vor dem Boot schlägt er auf dem Wasser auf. Für einen kurzen Augenblick ist alles offen. Vielleicht passiert nichts. Vielleicht kommt ein Nachläufer. Vielleicht steigt genau jetzt der Fisch ein, wegen dem man seit Stunden Plätze wechselt, Farben ausprobiert, Kanten absucht und immer wieder neu ansetzt.

Themen in diesem Artikel

​Der nächste Wurf kann alles verändern. Bei Charlie Abbing passt dieses Gefühl zur ganzen Geschichte. Denn auch ihr Weg ins Angeln beginnt nicht als fertig geschriebener Plan. Kein klassischer Lebenslauf vom ersten Kinderstock am Vereinssee bis zur großen Szene. Sondern eher wie ein Wurf ins Unbekannte. Ein paar gemeinsame Angelausflüge mit Freund Silvian Muizelaar, erste Erfahrungen am Wasser, erste Fische, erste Fragen – und dann wächst daraus etwas, das bleibt.

Der Weg zum eigenen Angelshop

Aus Neugier wird Leidenschaft. Aus Leidenschaft wird Alltag. Und aus Alltag wird irgendwann Charlie’s Fishing. Gemeinsam mit Silvian baut Charlie einen eigenen Angelshop auf. Doch Charlie’s Fishing ist nicht einfach nur ein Webshop für Köder, Ruten, Schnüre und Zubehör. Der Name steht für eine Haltung, die man im modernen Raubfischangeln immer häufiger findet: Nicht alles anbieten, was verfügbar ist, sondern bewusst auswählen. Nicht dem lautesten Hype hinterherlaufen, sondern draußen testen. Nicht nur Produkte zeigen, sondern erklären, warum sie funktionieren, wann sie funktionieren und was man damit erleben kann.

Das Wasser ist dabei der eigentliche Prüfstand. Hecht, Barsch und Zander bilden den Kern dieser Welt. Es sind Fische, die suchen lassen. Man findet sie nicht einfach, indem man irgendwo auswirft. Man muss Wasser lesen. Strukturen verstehen. Kanten, Kraut, Brücken, Häfen, Plateaus, Schatten, Strömung, Wind. Manchmal steht ein Hecht flach, manchmal tief. Manchmal reagieren Barsche aggressiv, manchmal wollen sie den Köder fast tot vor der Nase haben. Zander können einen Angeltag in wenigen Sekunden retten – oder ihn mit großem Schweigen füllen.

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Darin liegt der Reiz für Charlie. Raubfischangeln ist kein gemütliches Warten auf Zufall. Es ist Bewegung. Entscheidung. Konzentration. Vertrauen. Wiederholung. Und immer wieder dieser nächste Wurf.

Raubfische in den Niederlanden angeln

In den Niederlanden, ihrer Heimat, bekommt diese Art des Angelns eine besondere Bühne. Das Land ist durchzogen von Wasser: Kanäle, Polder, Flüsse, Seen, Häfen, Brackwasserbereiche, urbane Strecken und weite offene Flächen. Sie angelt hier ein Revier, das groß, vielfältig und manchmal auch gnadenlos ehrlich ist. Es schenkt nichts. Aber es gibt viel zurück, wenn man dranbleibt.

Vom Boot aus wird diese Welt für sie noch einmal größer. Plötzlich ist das Ufer nicht mehr Grenze, sondern Hintergrund. Das Boot bringt sie dorthin, wo die Kante sauber abfällt, wo das Krautfeld endet, wo der Wind Futterfisch drückt, wo ein Freiwasserplatz nur auf dem Echolot sichtbar wird. Charlie Abbing bewegt sich sichtbar gern in dieser Welt. Ihre Inhalte leben von modernen Ködern, Raubfischen, Wasser, Sessions mit anderen Anglern, Tests, Fängen und der Freude daran, Dinge auszuprobieren. Es geht nicht nur um das Foto mit Fisch. Es geht um den Weg dorthin.

Das macht Raubfischangeln spannend – und manchmal auch demütig. Man kann alles richtig machen und trotzdem leer ausgehen. Man kann den Köder wechseln, obwohl man eigentlich schon nicht mehr daran glaubt, und plötzlich kommt der Einschlag. Man kann stundenlang suchen und dann in fünf Minuten verstehen, warum man den ganzen Tag nicht aufgegeben hat.

Das Geheimnis liegt im Führen

Charlie erzählt genau aus dieser Praxis heraus. Wer mit Kunstködern angelt, weiß, wie wichtig Vertrauen ist. Ein Köder, an den man nicht glaubt, fischt schlechter. Nicht weil der Fisch das weiß, sondern weil der Mensch ihn anders führt. Wer überzeugt ist, bleibt konzentrierter. Führt sauberer. Wirft genauer. Gibt einem Platz noch drei Würfe mehr.

Charlie verbindet eine Produktwelt mit ihrer persönlichen Angelgeschichte. Instagram, Facebook, YouTube, Shop, Messeauftritte – alles greift ineinander. Daraus entsteht eine moderne Form von Angelszene, in der es nicht mehr nur darum geht, am Wasser zu sein, sondern darum, Erlebnisse zu teilen, Wissen weiterzugeben und Menschen mitzunehmen.

Charlie steht nicht am Rand und bittet um Erlaubnis, Teil der Angelwelt zu sein. Sie fischt, testet, erklärt, verkauft, filmt, fährt ans Wasser, steht auf Messen und baut mit Charlie’s Fishing eine eigene Plattform auf. Nicht laut als Gegenentwurf. Sondern ganz praktisch: Das ist mein Weg. Das ist mein Wasser. Das ist mein Köder. Das ist mein nächster Wurf.

Was ist beim Angeln am Anfang wichtig?

Ihre Botschaft: Angeln muss nicht mit Perfektion beginnen. Nicht mit der besten Ausrüstung. Nicht mit dem größten Boot. Nicht mit dem sichersten Auftreten. Es beginnt oft mit Interesse, einem Menschen, der einen mitnimmt, einem Köder, dem man vertraut, und der Bereitschaft, es noch einmal zu versuchen.

Charlie Abbing zeigt, wohin so ein Anfang führen kann. Zu Hechten, Barschen und Zandern. Zu langen Tagen auf dem Boot. Zu einem eigenen Shop, einer Community und einer Stimme in der modernen Raubfischszene. Vor allem aber zu einem Leben, in dem der nächste Wurf nie nur ein Wurf ist. Er ist die Möglichkeit, dass etwas passiert.


Steckbrief: Charlie Abbing

  • ​Bekannt als: Charlie’s Fishing Adventures.
  • Plattformen: Instagram (32.000 Follower), Facebook, YouTube, charliesfishing.com
  • Erste anglerische Erfahrungen: Gemeinsame Angelausflüge mit Silvian Muizelaar.
  • Heute: Mitgründerin von Charlie’s Fishing, Content Creatorin.
  • Schwerpunkte: Raubfischangeln, Kunstköder, Ködertests, Hecht, Barsch und Zander.
  • Weitere Zielfische: Rapfen, Wolfsbarsch, Wels, Forelle, Bass und andere Räuber.
  • Reviere: Vor allem niederländische Gewässer – Kanäle, Polder, Seen, Häfen und große Wasserflächen.
  • Bootsbezug: Modernes Raubfischangeln vom Boot, Ködertests auf dem Wasser, Sessions mit Freunden, Guides und Community.

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Thorsten Trojan

Thorsten Trojan

Freier Autor, Angelexperte

Thorsten Trojan ist der Angelboot-Experte des BOOTE Magazins. Als Hersteller von Aluminium-Arbeits- und Angelbooten und als Partner internationaler Marken kennt er die gesamte Kette: von der ersten Skizze über den Bau in der Werkstatt bis zum Härtetest auf Nordsee, Rhein oder Fjord. Gleichzeitig ist er als Organisator großer Raubfisch-Events und Turniere tief in der Angelszene verwurzelt und im ständigen Austausch mit Profis, Guides und ambitionierten Freizeitanglern. Die Kombination aus Handwerk, Technikverständnis und gelebter Praxis macht ihn zu einem profilierten Kenner dieser Nische.

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