Häfen haben ihren Reiz, keine Frage. Tavernen, Landgänge, ein bisschen Leben am Steg – das kann schön sein. Aber Hand aufs Herz, überfüllte Marinas, mühsame Liegeplatzsuche, enge Boxengassen – Bugstrahlruder hin oder her: Das Manövrieren in einer vollen Marina ist für mich Stress, kein Urlaub. Und dann liegt man eng an eng, die Fender quietschen, und der Nachbar nebenan macht die Nacht zum Tag. Wer einen langen Tag auf dem Wasser hinter sich hat, möchte ankommen. Nicht noch mal kämpfen. Eine ruhige Bucht, Anker raus, Motor aus – das ist Ankommen! Und wer mangelnden Komfort als Argument dagegen anführt, liegt schlicht falsch. Lithium-Akkus, Inverter, genug Frischwasser – moderne Boote sind so ausgestattet, dass der Hafen keinen Vorteil mehr bietet, den man wirklich braucht. Dafür erlebe ich Sonnenuntergänge, die ich im Hafen schlicht nie gesehen hätte. Ich springe morgens direkt vom Heck ins Wasser. Ich frühstücke im Cockpit, allein mit der Bucht. Und ich schlafe dabei besser als irgendwo sonst – nur das Plätschern des Wassers an der Bordwand. Für mich ist das keine Ausnahme. Das ist der Grund, warum ich überhaupt auf dem Wasser bin.
Ankern ist wunderschön, keine Frage. Es gibt kaum ein stärkeres Gefühl von Freiheit, als mit der eigenen oder gecharterten Yacht in einer stillen Bucht zu liegen, in oft unberührter Natur, weit weg von Hafenlärm, Boxengassen und Leinengewirr. Für eine Mittagspause oder einen Nachmittag finde ich das großartig: baden, essen, kurz die Ruhe genießen und dann weiter. Eigentlich klingt auch die Nacht vor Anker traumhaft. Nur leider schlafe ich dabei nicht traumhaft. Selbst wenn das Ankermanöver sorgfältig gefahren wurde, der Grund gut hält und der Ankeralarm eingeschaltet ist, bleibt bei mir dieses kleine, hartnäckige Misstrauen. Was, wenn der Wind dreht? Was, wenn der Anker doch nicht hält? Was, wenn die Yacht auf Drift geht? Vielleicht ist das irrational, aber nachts um drei fühlt es sich sehr real an. Darum liege ich über Nacht eher ausnahmsweise vor Anker. Nicht, weil ich das Ankern nicht schätze, sondern weil Erholung für mich auch bedeutet, ruhig schlafen zu können. Und kleine Häfen haben schließlich ihren ganz eigenen Reiz: Tavernen, Landgänge, fremde Kulturen, nette Gespräche, ein bisschen Leben am Steg. Auch das ist Freiheit.
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