Pro und ContraAnkern – nachts lieber am Haken statt im Hafen?

Die beiden Redakteure Hauke Schmidt und Lars Bolle erklären, warum sie nachts lieber ankern oder den Hafen bevorzugen.
Foto: Adobe Stock (Hintergrund); Redaktion
Eine Nacht vor Anker verspricht Ruhe und Unabhängigkeit, ist aber nicht für jeden erholsam. Der Test- und Technik-Redakteur Hauke Schmidt erklärt, warum er das Ankern bevorzugt und der Digital-Chefredakteur Lars Bolle legt offen dar, warum er im Hafen besser schlafen kann.

Themen in diesem Artikel

Hauke Schmidt zieht das Ankern vor

​Häfen haben ihren Reiz, keine Frage. Tavernen, Landgänge, ein bisschen Leben am Steg – das kann schön sein. Aber Hand aufs Herz, überfüllte Marinas, mühsame Liegeplatzsuche, enge Boxengassen – Bug­strahlruder hin oder her: Das Manövrieren in einer vollen Marina ist für mich Stress, kein Urlaub. Und dann liegt man eng an eng, die Fender quietschen, und der Nachbar nebenan macht die Nacht zum Tag. Wer einen langen Tag auf dem Wasser hinter sich hat, möchte ankommen. Nicht noch mal kämpfen. Eine ruhige Bucht, Anker raus, Motor aus – das ist Ankommen! Und wer mangelnden Komfort als Argument dagegen anführt, liegt schlicht falsch. Lithium-Akkus, Inverter, genug Frischwasser – moderne Boote sind so ausgestattet, dass der Hafen keinen Vorteil mehr bietet, den man wirklich braucht. Dafür erlebe ich Sonnenuntergänge, die ich im Hafen schlicht nie gesehen hätte. Ich springe morgens direkt vom Heck ins Wasser. Ich frühstücke im Cockpit, allein mit der Bucht. Und ich schlafe dabei besser als irgendwo sonst – nur das Plätschern des Wassers an der Bordwand. Für mich ist das keine Ausnahme. Das ist der Grund, warum ich überhaupt auf dem Wasser bin.


Lars Bolle liegt nachts lieber im Hafen

Ankern ist wunderschön, keine Frage. Es gibt kaum ein stärkeres Gefühl von Freiheit, als mit der eigenen oder gecharterten Yacht in einer stillen Bucht zu liegen, in oft unberührter Natur, weit weg von Hafenlärm, Boxengassen und Leinengewirr. Für eine Mittagspause oder einen Nachmittag finde ich das großartig: baden, essen, kurz die Ruhe genießen und dann weiter. Eigentlich klingt auch die Nacht vor Anker traumhaft. Nur leider schlafe ich dabei nicht traumhaft. Selbst wenn das Ankermanöver sorgfältig gefahren wurde, der Grund gut hält und der Ankeralarm eingeschaltet ist, bleibt bei mir dieses kleine, hartnäckige Misstrauen. Was, wenn der Wind dreht? Was, wenn der Anker doch nicht hält? Was, wenn die Yacht auf Drift geht? Vielleicht ist das irrational, aber nachts um drei fühlt es sich sehr real an. Darum liege ich über Nacht eher ausnahmsweise vor Anker. Nicht, weil ich das Ankern nicht schätze, sondern weil Erholung für mich auch bedeutet, ruhig schlafen zu können. Und kleine Häfen haben schließlich ihren ganz eigenen Reiz: Tavernen, Land­gänge, fremde Kulturen, nette Gespräche, ein bisschen Leben am Steg. Auch das ist Freiheit.


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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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