Dies ist der dritte Teil der Törnreportage entlang der Costa degli Dei im Südwesten Italiens. Den ersten Teil können Sie hier nachlesen, den zweiten hier. Die meisten Charterskipper in der Region wählen die Nordküste Siziliens oder die vorgelagerten Liparischen Inseln mit ihrer spektakulären vulkanischen Landschaft als Ziel, die “Küste der Götter” haben dagegen die wenigsten im Blick - zu unrecht!
Das nächste Ziel liegt vor dem Bug: Scilla. Genauer gesagt das Castello Ruffo, das über dem Fischerviertel Chianalea thront. Eine Marina gibt es hier nicht, aber Murings mit Shuttleservice und Müllmitnahme. Und einen schönen Rundumblick. Danilo hat uns bereits angekündigt, wir werden erwartet. Perfekt!
Scilla ist ein kleiner kalabrischer Ort, direkt an der Straße von Messina – und gilt als einer der romantischsten und traditionsreichsten Süditaliens. Sein Name geht auf die griechische Mythologie zurück. Hier soll das Seeungeheuer Scylla gelebt haben, das Odysseus in Homers Odyssee bedrohte – gleich gegenüber, auf sizilianischer Seite, lauerte der Strudel Charybdis, sodass Odysseus zwischen den beiden Gefahren hindurchsteuern musste, ohne Schiff und Mannschaft ganz zu verlieren.
Wer in diesem Sommer im Kino war, hat die Passage vielleicht frisch vor Augen: Christopher Nolans Film „Die Odyssee“ mit Matt Damon in der Rolle des sagenhaften Helden hat die alte Irrfahrt gerade erst wieder auf die große Leinwand gebracht, mit demselben Mittelmeer als Kulisse, durch das wir hier gemütlich tuckern. Nolan hat sich für die reale Geografie entschieden statt für eine Fantasielandschaft aus dem Computer – und tatsächlich braucht es hier keine teuren Spezialeffekte, um Wirkung zu erzielen.
Wer bei Flut und Strömung mit dem Dingi zu nah an die Klippen von Scilla gerät, spürt auch ohne Monster, wie unberechenbar das Wasser ist dieser Meerenge sein kann. Der Mythos, das merkt man schnell, ist in der Straße von Messina keine bloße dramatische Erfindung, sondern eine Übersetzung realer nautischer Tücken in eine spannende Geschichte.
Wenn man Scilla mit bekannteren Orten in Kalabrien oder Sizilien vergleicht, ist es weniger touristisch überlaufen, aber voller Historie, Charme und gelebter Tradition. Der Aufstieg zum Castello Ruffo, einer alte Festung auf dem Felsen über dem Meer, lohnt allemal. Seit rund 2.500 Jahren ist dieser für die Seehandel so strategisch wichtige Fleck schon befestigt und hat viele Herren gesehen.
Ein Stückchen weiter liegt die Belvedere – die schöne Aussicht – von der Piazza San Rocco, mit Blick auf die Straße von Messina, Sizilien dahinter, und die ganze Szenerie noch vor einen Sonnenuntergang vom Feinsten. Da will man, so kitschig es klingt, einfach nur noch: „O sole mio“ seufzen.
Am letzten Abend an Bord ziehen wir bei einem Glas Ciró Rosso noch einmal Bilanz: Seemeilen haben wir diesmal zwar kaum gemacht, zumindest verglichen mit anderen Törns, dafür aber Buchten, Kirchen, Kaps und Kellner kennengelernt, die wir so schnell nicht vergessen werden.
Die Costa degli Dei verlangt keine Schläge über großen Distanzen, keine endlosen Tage unter Segeln. Sie verlangt Zeit zum Ankern, zum Schwimmen, zum Innehalten. Genau das macht sie zu einem Revier, das man gerade wegen seiner Überschaubarkeit am liebsten gleich wieder für den nächsten Sommer vormerken möchte.
Unser einhelliges Fazit: Was den Göttern genügt, reicht dem Menschen erst recht. Mehr Bella Italia geht kaum.
Teil 1 der Reportage finden Sie hier.
Teil 2 der Reportage finden Sie hier.

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