Doch nun scheint einer entspannten Chartersaison nichts mehr im Wege zu stehen. Denn Kuhnle-Tours stellt kurzfristig voraussichtlich 24 Aushilfs-Schleusenwärter ein, um den Betrieb der betroffenen sechs Schleusen im Hochsaisonbetrieb bis 21 Uhr zu gewährleisten.
Die Nachricht, dass die Betriebszeiten einiger Schleusen an der Mecklenburgischen Seenplatte und an der Oberen Havel-Wasserstraße ausgerechnet in der Hochsaison verkürzt werden sollten, hatte viele Bootsfahrer verunsichert und empört. Um lange Staus oder gleich die Stilllegung der gesamten Müritz-Havel-Wasserstraße zwischen Berlin und der Müritz zu verhindern, ist das Charterunternehmen Kuhnle-Tours kurzerhand selbst tätig geworden: Für den Betrieb der sechs Schleusen Mirow, Diemitz, Canow, Strasen, Wesenberg und Steinhavel hatte es vergangene Woche Stellenangebote für Hilfskräfte ausgeschrieben. Und das mit Erfolg. Die neuen Aushilfs-Schleusenwärter sollen bereits ab Montag ausgebildet werden und ab dem 17. Juni die zweite Schicht im Schleusenbetrieb besetzen um so längere Schleusungszeiten zu gewährleisten.
Die zuständige Behörde, das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, hat nur Personal für einen Regelbetrieb von 9 bis 18 Uhr. „Macht die Schleuse schon um 18 Uhr dicht, kommen viele nicht mehr durch und müssen davor übernachten”, so Dagmar Rockel-Kuhnle von Kuhnle-Tours. Über die Zeit würde sich dann ein riesiger Pfropfen bilden, der nicht mehr aufgelöst werden kann, weil täglich mehr Boote hinzukommen. In der Stellenausschreibung für den Sommerjob Schleusenwärter vom Donnerstag letzter Woche (30. Mai) heißt es deshalb, dass die zweite Schicht von 15.30 Uhr bis 21 Uhr abgedeckt werden soll. “Von 7 bis 16.15 Uhr ist jeweils ein WSA-Schleusenmensch da. In der Überlappungszeit erfolgt dann die Übergabe. Wir unterstützen also das WSA”, erklärt Dagmar Rockel-Kuhnle. Ziel sei es, für jede der sechs Schleusen vier Aushilfsschleusenleute mit unterschiedlichem Stundenkontingent einzustellen; einen Schwerpunktschleusenwärter, der drei bis sechs Schichten die Woche übernimmt und drei weitere Aushilfskräfte, die an ein, zwei oder drei Tagen eine Nachmittagsschicht besetzen.
Bis Montag (3. Juni) waren bereits über 20 Bewerbungen bei dem Charterunternehmen eingegangen. Die Besetzung der Schichten war zuvor zwei mal durch das WSA ausgeschrieben worden, allerdings waren keine Stellen ausgeschrieben, auf die man sich als Schleusenwärter direkt hätte bewerben können. Lediglich Firmen, die Schleusenwärter stellen sollten, waren angesprochen und es hatte sich keine Firma beworben. Zuvor hatte das WSA vergeblich versucht, zusätzliche Stellen für die Schleusen zu bekommen, dies war jedoch von der vorgesetzten Behörde nicht genehmigt worden. Laut Dagmar Rockel-Kuhnle nicht nachzuvollziehen: “Verkürzte Betriebszeiten aus Personalmangel beobachten wir hier seit über drei Jahren und es wird jedes Jahr schlimmer. Ein Missstand, der nicht an den Ämtern vor Ort liegt, die in der Vergangenheit, ganz viel gemacht haben, um trotzdem für die Bootsfahrer da zu sein, sondern im behördlichen Überbau.”
Und plötzlich geht alles ganz schnell und unbürokratisch: In der kommenden Woche werden die Bewerber an den sechs Schleusen eingearbeitet. Die künftigen Schleusenleute bekommen einen Tag Theorieunterricht und werden dann zwei Tage an ihrer jeweiligen Einsatzschleuse durch das Schleusenpersonal des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Havel-Oder ausgebildet, bezahlt wird die Lehrzeit vom Charterunternehmen Kuhnle-Tours. Sofern das WSA mit dem Ausbildungsstand zufrieden ist, sollen die Schleusen dann ab dem 17. Juni in den regulären Hochsaisonbetrieb von 7 bis 21 Uhr gehen. Bis zum 31. August sollen die Teilzeit-Schleusenleute im Einsatz sein.
Die betroffenen Schleusen gehören zu den meistgenutzten Schleusen Deutschlands. Die wirtschaftlichen Auswirkungen von verkürzten Betriebszeiten und der Beeinträchtigung des Wassertourismus wären enorm. Aber es ginge ihnen nicht nur um den Tourismus, erklärt Rockel-Kuhnle. “Hier in Mecklenburg-Vorpommern und auch in Brandenburg ist es sehr ländlich. Das Einzige, was wir hier wirklich für die Freizeit haben, ist Bootfahren. Wir machen das auch für unsere Mitarbeiter und Nachbarn, damit die Lebensqualität im ländlichen Raum erhalten bleibt. Das wird gerne übersehen. Es geht auch um die Menschen, die hier leben und nach Feierabend mal zum Angeln oder am Sonntagnachmittag auf die Wasserskistrecke wollen.”

Redakteurin Reise