Eine Handbreit Wasser unter dem Kiel sollte es immer sein - mindestens. Leider ist das inzwischen nicht mehr durchgehend der Fall. Die Rekord-Niedrigwasser derzeit zeigt deutlich, dass das nasse Element nach unten Grenzen hat. Nur: Wo liegen sie genau? Seewärts ist das Ganze einfach: Mit einem Blick auf die Seekarte ist man in der Regel auf der sicheren Seite.
Und binnen? Da gibt es frei fließende Flüsse, durch Schleusen und Wehre regulierte Gewässer, Kanäle und zu allem Überfluss auch noch Mischformen. Bei Dauerregen und Schneeschmelze steigt das Wasser, bei Dürre sinkt es - wie jetzt an vielen Orten in Deutschland.
Mal wird Wasser abgelassen, mal zugeführt. Einen stabilen, das ganze Jahr über gleichbleibenden Wasserstand gibt es so gut wie nirgendwo. Folglich wird mehrmals täglich gemessen - mit dem Pegel. Die meist gelb-schwarzen Messlatten findet man an jedem schiffbaren Gewässerlauf.
Die aktuellen Pegelstände verbreiten die Revierzentralen über Aushänge, im Radio und über Funk, im Fernsehen und im Internet. Doch hat der Pegel einen nicht ganz unerheblichen Haken:
Der an ihm abgelesene Wert sagt nämlich nichts über die tatsächliche Wassertiefe aus. Die muss erst errechnet werden - und das muss der Skipper fast immer selbst übernehmen. Zudem gibt es dafür kein bundesweit einheitliches Verfahren.
Für die Berufsschifffahrt ist eine ausreichende Wassertiefe besonders wichtig. Sie hält sich deshalb an die Fahrrinne. So wird laut DIN der Teil des Fahrwassers bezeichnet, in dem “für den durchgehenden Schiffsverkehr bestimmte Breiten und Tiefen vorhanden sind, deren Erhaltung angestrebt wird”.
Mit anderen Worten: Die Fahrrinnentiefe ist die entscheidende Größe, nicht der Pegelstand. Deshalb versucht man sie konstant zu halten - etwa durch Ausbaggerung - und spricht demnach von der garantierten Mindestfahrrinnentiefe.
Gemessen wird aus Sicherheitsgründen von der flachsten Stelle der Fahrrinne, dem sogenannten höchsten Sohlenniveau. Wie bereits erwähnt, schwankt der Wasserstand jedoch und mit ihm auch die tatsächliche Fahrrinnentiefe - jetzt kommt der Pegel ins Spiel.
Der genaue Wasserstand wird meist mit einem Schwimmpegel gemessen und im Pegelhaus automatisch aufgezeichnet. Als optische Hilfe für Schiffer dienen dann neben der Messlatte oft analoge oder digitale Zählwerke.
Angezeigt wird immer der Tagespegel, gemessen wird ab Pegelnull, dem unteren Ende der Latte. Dabei muss man wissen, dass dieser Punkt nicht auf einer Höhe mit dem Grund oder der Sollsohle der Wasserstraße liegt. Bei Flüssen etwa ändern sich Strömungsverlauf und Flussbett viel zu oft, um die Pegel selbst jedes Mal neu anzupassen.

Ressortleiter Reise
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