Die neue Vorschrift gilt nicht nur auf den Balearen, sondern in ganz Spanien. Auf den Inseln wird sie allerdings besonders spürbar, weil dort viele Anbieter kleine offene Motorboote für Buchtenfahrten auch an Leute vermieten, die keinen Bootsführerschein haben. Das Königliche Dekret 1188/2025 macht damit zum 1. Oktober 2026 nun Schluss.
Bis einschließlich 30. September 2026 darf in Spanien ein Erwachsener ein Motorboot bis fünf Meter Länge und maximal 15 PS ohne Bootsführerschein mieten und führen. Die Ausnahme gilt allerdings nur bei Tageslicht und höchstens zwei Seemeilen vom Ausgangspunkt entfernt. Genau auf dieser Regel baut das lukrative Geschäft mit führerscheinfreien Mietbooten auf.
Für größere und stärkere Motorboote besteht die Führerscheinpflicht bereits seit Langem. Auch bei einer klassischen Bareboat-Charter, etwa einer größeren Motoryacht, verlangten Charterfirmen stets einen Nachweis, der zu Boot und Revier passt. Die spanische Verordnung sieht jedoch weiterhin noch eine Ausnahme vor: Ein eigenes Boot bis fünf Meter und 15 PS darf weiterhin ohne Führerschein gefahren werden.
Als Grund für die Änderung nennt die Regierung die hohe Zahl von Zwischenfällen und Unfällen, die sich in der Vergangenheit in Zusammenhang mit den führerscheinfreien Vermietungen ereignet haben.
| Fall | Bis 30. September 2026 | Ab 1. Oktober 2026 |
| Mietmotorboot bis 5 m und 15 PS | Kein Schein nötig | Passender Befähigungsnachweis nötig |
| Eigenes Motorboot bis 5 m und 15 PS | Kein Schein nötig | Weiter ohne Schein möglich |
| Mietmotorboot über 5 m oder über 15 PS | Passender Schein nötig | Unverändert Schein nötig |
| Charter mit Skipper | Gast braucht keinen Schein | Unverändert kein Schein für den Gast |
| Jetski | Schein nötig | Unverändert Schein nötig |
Nein. Die neue Regel schreibt deutschen Urlaubern nicht pauschal die spanische „Licencia de Navegación“ vor. Sie verlangt einen gültigen Freizeitbootführerschein oder Befähigungsnachweis, der für das gemietete Boot und das geplante Revier ausreicht. Die spanische Regelung erkennt für die Vermietung grundsätzlich auch Titel aus dem Land der Staatsangehörigkeit oder des Wohnsitzes an, sofern die Voraussetzungen der Verordnung erfüllt sind. Für deutsche Wassersportler ist der Sportbootführerschein See bei Küstenfahrten der übliche Nachweis.
Wer keinen geeigneten Nachweis hat, kann alternativ Boote mit einem Skipper buchen. Dann ist der Skipper der verantwortliche Schiffsführer.
Die Vorschrift betrifft nicht alles, was auf dem Wasser unterwegs ist. Kajaks, SUPs und andere Strand- oder Schwimmgeräte fallen weiter nicht unter die Führerscheinpflicht. Auch kleine Segelboote bis sechs Meter bleiben bei sportlicher Nutzung von der spanischen Titulierungspflicht ausgenommen. Es gelten aber ebenfalls die Grenze von zwei Seemeilen und das Verbot der Nutzung bei Nacht.
Für Jetskis gibt es hingegen keine Ausnahme. Sie sind in der neuen Fassung ausdrücklich ausgenommen und benötigen weiterhin die vorgeschriebene Qualifikation. Wer auf einer geführten Tour mitfährt, braucht dagegen keinen eigenen Schein.
Die neue Regel kommt in einem ohnehin stark regulierten Chartermarkt. Seit 2025 gelten für Anbieter in Spanien strengere Vorgaben zu Registrierung, Versicherungsnachweisen und Dokumentation. Diese Chartervorschriften richten sich an Betreiber. Die Führerscheinpflicht ab Oktober zielt dagegen auf die Person am Steuer.
Wie aktuell das Thema ist, zeigt ein tödliches Unglück vor Mallorca im August. Die Ursache ist noch nicht abschließend geklärt. Die Berichte zum Unfall bei s’Estanyol zeigen aber, warum die Diskussion über Einweisung, Wetterbeurteilung, Rettungsmittel und Erfahrung im Revier über den bloßen Schein hinausgeht.
Für Urlauber ist die Konsequenz klar: Wer 2027 ein kleines Mietmotorboot auf den Balearen selbst steuern will, sollte den passenden Nachweis frühzeitig organisieren oder gezielt ein Angebot mit Skipper wählen. Bei der Buchung lohnt ein Blick in Vertrag und Reviergrenzen, denn die Regeln für private Bootsvermietung auf den Balearen sind ein separates Thema und ändern nichts an der persönlichen Qualifikation des Skippers.
Das Boote-Bordbuch fasst die Themen zusammen, die beim Übernehmen eines Motorbootes schnell wieder präsent sein müssen: Fahrregeln, Schifffahrtszeichen, Lichterführung, Wetter, Seefunk, Chartern und Verhalten in Notsituationen. Das kompakte Nachschlagewerk hilft Motorbootfahrern, einen Törn vorzubereiten und Abläufe vom Ablegen bis zum Hafeneinlauf strukturiert zu prüfen.
Was meinen Sie, ist die neue Regelung übertrieben oder sinnvoll? Schreiben Sie es uns in die Kommentare.

Textchef YACHT
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