Wer zum ersten Mal vom Rheindelta hört, denkt an eine große Wasserfläche. In Wahrheit ist es ein System von Wasserwegen: Verbindungen, Schleusen, Kanäle, mit eigenen Verhältnissen, mit Berufsschifffahrt – und dazwischen riesige Areale, in denen sich Fisch nicht gleichmäßig verteilt, sondern an der Struktur klebt wie ein Magnet. Gleich drei Reviere gibt es hier, jedes mit seinem eigenen Charakter, was die Voraussetzungen fürs Bootsangeln betrifft: Volkerak, Haringvliet und Hollands Diep. In dieser Ausgabe geht es um den Volkerak. Dieser Gewässerabschnitt liegt zentral und ist perfekt fürs Delta-Training: groß, strukturiert und in gewisser Weise legendär. Der Haringvliet schließt sich nördlich an, das Hollands Diep in östlicher Richtung.
Der Volkerak liegt zwischen Noord-Brabant, Goeree-Overflakkee und Sint Philipsland. Es ist ein gezeitenloser Süßwassersee – groß, offen und windanfällig. Die offiziellen Daten: Etwa 63 Quadratkilometer Fläche, die Tiefe liegt bei 6 bis 13 Meter. Das ist groß genug, um sich zu verlieren. Aber auch strukturiert genug, um sich zu finden – wenn man die richtige Reihenfolge einhält. Historisch gehört das Gebiet ins Deltawerke-System und war früher tidebeeinflusst, wurde später zum Hochwasserschutz abgeriegelt – ein Grund, warum Themen wie Wasserqualität und Algen hier immer wieder auftauchen. Der Volkerak ist selten ein „Zahlenwasser“. Es ist ein Wasser, das strukturelles Vorgehen belohnt. Wer planlos driftet, driftet vor allem an Chancen vorbei.
Die wichtigste Regel für den Ersttrip steht sinngemäß so in der Praxisliteratur der Guides: Erst Futterfisch, dann Räuber. Ohne Beutefisch suchst du auf diesem Wasser wie nach einer Nadel im Heuhaufen. Der zweite Grundsatz lautet: Der Volkerak wird nicht „abgefahren“ – der Volkerak wird eingeteilt. Wer am ersten Tag die komplette Gewässerkarte abfischen will, fischt am Ende vor allem eins: Kilometer.
Die Sicherheit an Bord kommt zuerst – egal ob im Fahrwasser, in den Vorhäfen oder Schleusenbereichen. Überall, wo es Verkehr gibt, gilt: Abstand halten. Gerade rund um die Krammersluizen gab es in der Vergangenheit wiederholt gefährliche Situationen zwischen Sportfischern und Berufsschifffahrt. Entsprechend wurden Bereiche in der VISplanner-Karte als verboten markiert beziehungsweise angepasst – ausdrücklich aus Sicherheitsgründen.
Eine erste Orientierung, die wirklich hilft (ohne Geheimniskrämerei): Du brauchst für den Volkerak erst mal keine GPS-Punkte. Du brauchst stattdessen drei wiederkehrende „Bilder“, die du auf jeder Seekarte und dem Echolotbildschirm findest: Fahrwasser und Rinnen – dort, wo Tiefe, harte Übergänge und Schifffahrtsstruktur die Linie vorgeben. Plateaus und Drop-offs – die flacheren Bereiche, die plötzlich abbrechen, oft in Reichweite zum Tiefenwasser. Pflanzenkanten (oder Krautfelder im flachen Wasser) nahe Tiefe – klassischer Hecht-Raum, wenn die Vegetation da ist.
Oude-Tonge ist für viele Bootsangler die cleverste Basis, weil der Einstieg „wie Urlaub“ funktioniert: moderne Marinapark-Anlagen, Häuser am Wasser, fast alle mit privatem Liegeplatz/Boots-Anlegesteg direkt am Haus. Dazu kommt die direkte Nähe zum Krammer-Volkerak-System. Warum das Gold wert ist: Wer das Revier kennenlernen möchte, muss nicht jeden Morgen lästige Logistik lösen. Der Tag beginnt mit Spot-Entscheidungen und nicht mit Parkplatzsuche.
Die Trailerhelling in der Galathese Haven wurde gezielt modernisiert, weil sie als wichtige Einlassmöglichkeit für Sportfischer gilt. Für den Ersttrip heißt das: klare Abläufe, vernünftige Lösung, kurze Wege – ideal, wenn das Boot am Trailer bleibt und du Tagesfenster fischen willst.
De Schapenput liegt am Steenbergse Vliet – die Anfahrt ist Teil des Erlebnisses: Ab dem Benedensas fährt man über den Vliet, nach rund drei Kilometern liegt der Abzweig in den Hafenkanal steuerbord. Und: Die Anlage ist auf Boote ausgelegt – inklusive Slip-Option. Schicke Ferienhäuser mit eigenem Bootssteg direkt vor der Wohnzimmertür.
Start: Zuerst eine Base wählen, die zu den eigenen Ansprüchen passt. Zone setzen: Dazu ein Rechteck auf der Karte festlegen, maximal vier bis fünf Kilometer Kante und Plateau.
Zeitplan in der Zone: 2 Stunden Hecht (werfen/driften), 2 Stunden Zander (vertikal) und 1 Stunde Barsch (mit Feinzeug) – dann geht es von vorn los. Warum? Ganz einfach: Der Volkerak belohnt die Wiederholung. Ein Spot wird erst „gut“, wenn man ihn lesen lernt. Und das ist beim ersten Durchgang noch nicht unbedingt der Fall.
Viele Volkerak-Ansätze laufen über dasselbe Muster – Pflanzenkante und Nähe zu tieferem Wasser. Guides beschreiben genau diese Kanten als wiederkehrende Schlüsselstellen. Hecht steht entlang der Krautränder, Zander eher tiefer und steiler. Technik, die funktioniert: Nicht mit dem Boot ins Kraut rein. In Wurfweite an der Kante driften oder mit dem Bugmotor ankern. Köder entlang der Linie führen.
Der Volkerak ist voll von Plateaus und Kanten – und genau dort wird das Wasser lesbar. Das Ende einer flachen Platte, der Sprung ins Tiefere: das sind Stellen, an denen Futterfisch steht – und Räuber patrouillieren.
Werfen (Jerkbait/Spinnerbait/Gummi): Kante abfächern, erst flach, dann tiefer. Driften (kontrolliert mit Einsatz des Bugmotors): Dabei die Kante halten und wiederholen. Die Drift kurz halten, mit sauberer Linie – lieber 5 perfekte Drifts als 50 hektische.
Suchmodus mit großen Ködern – dann Stop und Cast, sobald Kontakte kommen
Große Köder sind im Volkerak kein Marketing – sie sind Strategie. Viele Angler berichten über Trips mit bewusst überdimensionierten Ködern beim gezielten Großhecht-Schleppen.
Er ist nicht irgendwo zu finden, sondern an Kanten, in Rinnen-Nähe, an harten Übergängen. Das Echolot ist nicht Luxus, sondern der Suchscheinwerfer. Die Struktur soll „hart“ zeigen, der Gummifisch am passenden Kopfgewicht jiggen: Grundkontakt ja, Pflügen nein. Eine gute Ankerposition mit dem Bugmotor finden und konsequent werfen und abfischen.
In der Praxis tauchen Barsche oft da auf, wo Strömung, Struktur und Übergänge zusammenkommen. Allerdings gilt: In sensiblen Schleusen- und Vorhafenbereichen ist die Sicherheits- und Regellage ernst zu nehmen.

Freier Autor, Angelexperte