Wer in Kroatien unterwegs ist, kennt das Bild: In der Bucht liegt eine Yacht mit viel zu wenig Abstand zum Strand, ein Gleiter zieht seine Spur zu dicht an der Küste, ein Anker fällt auf empfindlichen Grund. Seit 2025 sind die Regeln im Revier deutlich strenger. Für Boote unter 15 Metern gelten entlang der Küste mindestens 50 Meter Abstand, für Gleitfahrt von Motorbooten, Scootern und Jetskis grundsätzlich 300 Meter. Auch das Ankern an Naturbadegebieten ist enger geregelt. Die neue kroatische Verordnung mit ihren Folgen für Chartercrews zeigt aber auch: Regeln allein verändern das Verhalten auf dem Wasser nicht.
Hier setzt das Projekt “Faust V” an. Das autonome Überwasserfahrzeug wird von Innovamare Technologies in Kroatien entwickelt und soll Auffälligkeiten erkennen, dokumentieren und an zuständige Stellen melden.
Nach Angaben der Entwickler ist “Faust V” eine 2,1 Meter lange, elektrisch angetriebene Plattform mit KI-gestützter Auswertung, Lidar, Sonar und hydroakustischen Sensoren. Das Boot soll Daten in Echtzeit erfassen und über Mobilfunk, 5G oder Starlink übertragen. Die vorgesehenen Aufgaben reichen vom Vermessen des Meeresbodens über Umweltmonitoring bis zur Küstenüberwachung. Für die praktische Überwachung an der Adria sind vor allem drei Funktionen relevant:
”Faust V” ist vor allem als Ergänzung zu Wasserschutzpolizei, Hafenbehörden und Umweltmonitoring gedacht. Kleine autonome Fahrzeuge können lange Anfahrten vermeiden und Einsatzkräfte auf tatsächlich auffällige Situationen fokussieren. Ähnliche Überwachungskonzepte werden auch bei größeren Wasserdrohnen zur Dokumentation verdächtiger Manöver in Dänemark verfolgt.
Die Technische Fakultät der Universität Rijeka berichtete am 18. September 2026, “Faust V” sei für die Überwachung des Seeverkehrs, die Erkennung unzulässigen Ankerns und überhöhter Geschwindigkeit, das Scannen des Meeresbodens sowie das Einsammeln von Oberflächenmüll vorgesehen. Im Januar 2026 kam “Faust V” zusammen mit einem Unterwasser-ROV (Remotely Operated Vehicle) bei der Wasserqualitätsüberwachung an sechs Standorten in der Gemeinde Sali in der Gespanschaft Zadar zum Einsatz. Die Wasserproben wurden im Labor des Instituts Ruđer Bošković untersucht.
Neu hinzugekommen seien nun sechs Kameras und eine Starlink-Anbindung. Damit entfällt die bisherige Begrenzung durch die Reichweite eines 5G-Netzes. Der aktuelle Bericht der Universität Rijeka nennt für die Batterie derzeit bis zu sechs Stunden Betriebszeit.
In der Hochsaison treffen vor der kroatischen Küste Charterflotten, Ausflugsboote, lokale Berufsschifffahrt, Badegäste und Wassersport auf engem Raum zusammen. Besonders in beliebten Buchten ist die Kontrolle schwierig. Der BOOTE-Revierbericht über den Kvarner schildert etwa Partyboote, die dicht an den Badestrand fahren und auf Seegraswiesen ankern. Auch der Törnbericht rund Krk berichtet von Booten, die teilweise weiterhin nahe an Naturbadestränden liegen – trotz der neuen Verordnung.
Ein autonomes Boot könnte die Kontrollen unterstützen. Statt dass ein Streifenboot regelmäßig jede Bucht anlaufen muss, könnte ein Sensorfahrzeug auffällige Situationen vorselektieren: Position, Zeit, Bilddaten und Messwerte werden erfasst; die zuständige Behörde entscheidet dann, ob eine Kontrolle oder eine Ahndung nötig ist. Denn eine Kamera erkennt zunächst einen Verdacht, nicht automatisch einen rechtssicheren Verstoß.
Auf der Kieler Förde testet das Fraunhofer-Center für maritime Logistik und Dienstleistungen bis Ende 2026 das KI-gestützte Überwachungssystem „KIRMES“. Es soll ungewöhnliche Schiffsbewegungen automatisch erkennen und bei Auffälligkeiten die zuständigen Sicherheitsbehörden alarmieren. Hier geht es zum Artikel: Künstliche Intelligenz: KI-Überwachung nimmt 2026 auch Segler ins Visier
In Skipperforen wird die geplante Überwachung kontrovers diskutiert. Einerseits ist man sich einig, dass rücksichtslose Wassersportler zur Verantwortung gezogen werden müssen. Andererseits möchte auch niemand gerne beim Baden in der Bucht gefilmt werden. Für die Akzeptanz im Revier gilt: Wer Daten sammelt, muss vorher klar regeln, welche Aufnahmen gespeichert werden, wer sie auswertet und wie lange sie vorliegen. Technisch kann “Faust V” helfen, schneller auf Regelverstöße zu reagieren. Rechtlich und praktisch verantwortlich bleiben die Menschen, die die Daten bewerten und gegebenenfalls Maßnahmen anordnen. Entscheidend ist, ob die Behörden die Daten in funktionierende Kontrollen übersetzen – und ob Skipper nachvollziehbar sehen, wo Regeln gelten und warum sie durchgesetzt werden. Dann könnte die Technologie helfen, Badegäste, Seegraswiesen und rücksichtsvolle Crews besser zu schützen.
Küstenhandbuch Kroatien und Slowenien ordnet den technischen Blick von Faust V in die Praxis des Reviers ein. Der Band deckt die kroatische Küste von Koper bis Split ab und bündelt Sportbootkarten, Informationen zu Häfen, Ankerplätzen, Ansteuerungen, Wetter und Verkehrsvorschriften. Für Crews ist er besonders dort nützlich, wo die Diskussion über Abstände, Badezonen und Ankern in konkreten Buchten auf die Törnplanung trifft.
Kollisionsverhütungsregeln erklärt die internationalen Regeln zur Verhütung von Zusammenstößen mit Abbildungen, Sichtzeichen und kompakten Zusammenfassungen für den Bordgebrauch. Der Titel ergänzt die Debatte über autonome Fahrzeuge um den entscheidenden Punkt: Sensorik und Software entbinden weder unbemannte Systeme noch bemannte Yachten von den Grundregeln sicherer Navigation und klarer Ausweichmanöver.
Würdet ihr ein autonomes Überwachungsboot in stark besuchten kroatischen Buchten als sinnvolle Hilfe für Sicherheit und Umweltschutz sehen – oder überwiegt für euch die Sorge vor zu viel Kontrolle auf dem Wasser?

Redakteurin Reise
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