FrankreichDer Reiz der nördlichen Bretagne - von Paimpol bis Perros-Guirec

Leon Schulz

 · 27.05.2026

Frankreich: Der Reiz der nördlichen Bretagne - von Paimpol bis Perros-GuirecFoto: Leon Schulz
Flussfahrt nach Gezeiten: Viele Flüsse fallen so weit trocken, dass die Tonnen wenige Stunden später auf Land liegen werden.

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Mal salzig, mal süß – nicht nur nautisch ist die nördliche Bretagne ein echter Leckerbissen: Wenn am Ende eines langen Törntags im Hafen Ruhe einkehrt, locken an Land kulinarische Kostbarkeiten. Teil 2/4: ab Paimpol geht es binnen nach Lézar­drieux , Pontrieux und Tréguier und dann weiter nach Port Blanc und Perros-Guirec.

Ab Paimpol westwärts locken bei schönem Wetter die Ankerplätze um die nördlich gelegenen Inseln der Bréhat, bevor es durch die enge Passage südlich davon in den Rivière de Trieux zum Örtchen Lézar­drieux beziehungsweise über den Nachbarfluss Rivière de Tréguier zum gleichnamigen Ort geht. ​


Hier geht es zum ersten Teil des Törnberichts:​


Binnen Richtung Lézar­drieux

Der Gegensatz könnte kaum größer sein: Von den frech aus dem Meer schauenden zackigen Granitfelsen, an denen sich Wellen gefährlich brechen und wo Atlantikwasser die Nordspitze der Bretagne mit einer Strömung von bis zu sechs Knoten umspült, geht es flussaufwärts in das immer lieblichere, bezaubernde Grün des Binnenlands. Plötzlich wird aus frischen Frühlings­temperaturen richtiger Sommer und ein Starkwind kann gemütlich im Landesinneren abgewettert werden. Wer jedoch nicht richtig gerechnet hat, kann auch im Fluss bis zu drei Knoten Strömung erleben, was das Anlegen in der Marina von Lézardrieux herausfordernd gestalten kann. Daher am besten bei Stauwasser ankommen. Es gibt aber auch mittig des Flusses einen Schwimmsteg, an dem auch ohne Landverbindung leichter gegen die Strömung festgemacht werden kann. Noch einfacher ist es, sich eine der Gästebojen nördlich des Städtchens im breiten Teil des Flusses zu schnappen.

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Flussaufwärts mit der Tide

Weiter flussaufwärts versperrt eine 17 Meter hohe Brücke für einige die weitere Fahrt ins Landesinnere. Wer im Theorieunterricht aufgepasst hat, weiß, dass man auch mit 22 Meter hohem Mast noch durchkommt, solange die Höhe der Gezeit fünf Meter niedriger ist als das maximale Tidenhochwasser (Highest Astronomical Tide; HAT). Oder eben nicht niedriger als HAT wie sonst wo auf der Welt, sondern niedriger als MHWS, welches, wie vieles hier, nicht ganz klar definiert zu sein scheint. Wer weder rechnen noch ein Risiko eingehen möchte, nimmt stattdessen das Beiboot, kommt am Schloss de la Roche-Jagu vorbei und genießt während der sechs Meilen flussaufwärts ein ganz anderes Gesicht der Bretagne. Mit der Flut flussaufwärts und der Ebbe zurück ist die Fahrt fast autonom.

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​Wenn das Timing passt: Pontrieux und Tréguier

Durch den Wald schlängelt sich der Fluss schließlich zu dem verschlafenen Städtchen Pontrieux, das dank einer Schleuse immer genügend Wasser auch für nicht trockenfallende Boote anbietet. Der nächste, nicht minder attraktive Fluss ein Stück weiter westlich führt bis nach Tréguier. Hier lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall – „falls es geht“, wie im Imray-Führer steht, denn das Wasser fließt hier bei Ebbe mit sechs Knoten, was zu einem Anlegemanöver führen kann, gegen das das Yachtmaster-­Examen lächerlich erscheint. Tipp: Immer gegen die Strömung an- und ablegen und bei Stauwasser, also eine Stunde um Hoch oder Niedrigwasser, im Hafen manövrieren. Wenn ein Manöver in der Marina zu schwierig erscheint, empfiehlt es sich, kurz nördlich von Tréguier, direkt unter dem Schloss, zu ankern.

Bretagne pur: Robuste Boote und süße Leckereien

Hier liegen auffallend viele Aluboote vom Typ Boréal vertäut. Kein Wunder, denn hier werden diese scheinbar unzerstörbaren Boote für jedes Revier dieser Welt, von der Nordwestpassage bis zur Antarktis, gebaut. Vielleicht kein Zufall, dass sie an der Nordküste der Bretagne ihre In­spiration erhalten haben. Das niedliche Städtchen lädt zum Besuch einer Crêperie ein. Die dünnen Pfannkuchen, die mit einem Cidre aus Tassen genossen werden, sind der Inbegriff des bretonischen Gemütes. Als Hauptspeise eine aus Buchweizenmehl deftige Galette, gefüllt mit Leckereien der Region, von Speck und Wurst über Jakobsmuscheln bis zum Lachs. Oder mit Käse und Honig? Der Fantasie des Küchenchefs sind hier keine Grenzen gesetzt. Als Nachspeise einen süßen Crêpe, flambiert oder mit einer Kugel Eis und Sahne genossen.

Mit etwas Courage: Port Blanc und Perros-Guirec

Die nächste Bucht, die sich westlich der beiden langen Flüsse anbietet, ist Port Blanc, dessen Bojenfeld geschützter ist, als es auf der Karte den Anschein erwecken mag. Um an Land zu kommen, braucht es allerdings ein Beiboot, das geslippt werden oder trockenfallen kann, denn die Landestelle fällt trocken. Im Hafen von Perros-Guirec braucht es ein bisschen Courage, um bei bis zu drei Knoten starker Strömung über das 2,50 Meter trockenfallende Land zu fahren. Zumal die Einfahrt in den Hafen nicht mehr als 5,80 Meter breit ist und einen Süll von ganzen 7 Metern aufweist. Ist man einmal im Hafen, bietet dieser aber kompletten Schutz. Weit weg von der historischen Eleganz von Tréguier und den verschlafenen Fischerdörfern weiter im Westen kann man hier schnell die Zeit vergessen. Aber Achtung: Der Hafen ist nur bei einem Tidenkoeffizient von über 45 offen, und so kann es passieren, dass man bei Nippe tagelang warten muss, bis das Hochwasser wieder hoch genug ist. Die durch ein Vogelschutzgebiet teilweise gesperrten Sept-Îles bieten neben fünf Knoten Strömung zwischen dem Festland und den sieben Inseln schöne Ankerplätze. Obwohl nur wenige Inseln betreten werden dürfen, ist dieser Archipel bei gutem Wetter sehr zu empfehlen.


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Leon Schulz

Leon Schulz

Freier Mitarbeiter

Leon Schulz ist Buchautor und RYA Yachtmaster Ocean Instructor und bildet auf seiner Hallberg-Rassy 46 „Regina Laska“ aus. Sechs Monate im Jahr finden seine Ausbildungstörns im atlantischen Europa statt, während im Winter Theoriekurse auf Malta angeboten werden. Schulz ist insbesondere Experte für die Themenbereichen Navigation und Seemannschaft. Darüber hinaus veröffentlicht er regelmäßig Törnreportagen.

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