Ende April verluden Spezialisten den geschwächten Säuger auf einen Spezialponton für den Transport Richtung Nordsee. Das aufwendige Manöver weckte weitreichende Hoffnungen unter den Helfern. Am Abend des 14. Mai entdeckten Einsatzkräfte den leblosen Körper jedoch im Kattegat. Eine deutsche Tierärztin untersuchte die Rückenflosse direkt vor Ort. Die Seriennummer des integrierten GPS Trackers brachte schließlich die traurige Gewissheit.
Der Kadaver treibt mittlerweile rund 75 Meter vor der Küste der dänischen Insel Anholt im hüfttiefen Wasser. Das Tier liegt auf dem Rücken. Die dänische Naturschutzbehörde belässt den Wal vor Ort. Laut ihrem Leitfaden sind Walstrandungen ein natürlicher Teil der Natur. Das Schweriner Umweltministerium warnt vor einer akuten Explosionsgefahr durch die Verwesungsgase. Experten vermuten, dass der Wal den stressigen Transport per Lastkahn nicht verkraftet hat.
Der Tod des Wals entfacht in Mecklenburg-Vorpommern einen Streit darüber, ob die Rettungsaktion sinnvoll war. Umweltminister Till Backhaus verteidigte seine Erlaubnis für die private Initiative. In einer offiziellen Pressemitteilung äußert sich der Minister folgendermaßen: „Viele Menschen haben großen Anteil an dem Schicksal des Tieres genommen und gehofft, dass es gelingen würde, den Wal wieder in die Freiheit zu entlassen [...] Wissenschaftler konnten nicht ausschließen, dass der Wal trotz seines sicher schlechten Gesundheitszustandes überleben könnte. Deswegen hat mein Haus entschieden, den Bergungsversuch zu dulden. Leider hat das Tier seine Chance nicht nutzen können. [...] Wer das kritisieren will, möge das tun.“
Die Grünen im Landtag üben scharfe Kritik. Der umweltpolitische Sprecher Dr. Harald Terpe wirft Backhaus vor, wissenschaftliche Warnungen für eine PR-Aktion ignoriert zu haben. Die Bilder aus Dänemark gleichen für Terpe einer „missglückten Seebestattung“. Er kritisiert scharf, dass der Minister die Verantwortung auf seine Mitarbeiter abschiebt.
„Doch statt innezuhalten und das eigene Handeln mit der gebotenen Zurückhaltung zu bewerten, versucht Umweltminister Till Backhaus im Nachhinein, die Verantwortung für die getroffenen Entscheidungen auf sein ‚Haus‘, also seine Mitarbeitenden, abzuschieben. [...] Schneid sieht anders aus.“
Von einem Minister verlangt Terpe verantwortungsvolle Entscheidungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse. Backhaus handele stattdessen aus medienwirksamer Geltungssucht und persönlicher Inszenierung. Am Ende bedient der Minister für ihn nur ein altes Muster. Terpe kritisiert „große Worte beim Artenschutz, aber Widerstand gegen wirksame Maßnahmen“
Seit Anfang März gab es zahlreiche Versuche den Buckelwal zu befreien. Da das Umweltministerium eine erfolgreiche Rettung für aussichtslos hielt, hatten die Behörden ihre Bemühungen jedoch nach einigen Wochen eingestellt. Die Kosten und das Risiko der Rettungsaktion trug vollständig eine private Initiative.

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