Ruhigere Hurrikansaison 2026Gute Nachrichten für Karibik-Fans

Ursula Meer

 · 25.05.2026

Ruhigere Hurrikansaison 2026: Gute Nachrichten für Karibik-FansFoto: iStockphoto, MikeMareen
Tropische Wirbelstürme treten über dem Atlantik besonders in den Sommermonaten auf und richten immer wieder verheerende Schäden an. In diesem Sommer sollen sie dank des Wetterphänomens El Niño etwas schwächer ausfallen.
Mit nur 13 benannten Stürmen und 2 schweren Hurrikanen wird für 2026 eine unterdurchschnittliche Atlantik-Hurrikansaison erwartet. Ein starker El Niño bremst die Sturmbildung. Für Sportbootfahrer, die eine Reise in die Karibik oder den Süden der USA planen oder dort ein Boot liegen haben, sind das gute Nachrichten. Aber wirkt sich El Niño auch auf das Wetter an Nord- und Ostsee aus?

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​Gute Nachrichten für alle, die eine Karibik-Charter planen oder dort ein Boot stationiert haben: Die Hurrikansaison 2026 soll deutlich ruhiger ausfallen als die verheerenden Jahre 2024 und 2025. Mit etwa 13 benannten Stürmen, 6 Hurrikanen und nur 2 schweren Hurrikanen sagen die Prognosen eine unterdurchschnittliche Aktivität voraus. Verantwortlich ist ein sich entwickelnder El Niño, der die Hurrikanbildung im tropischen Nordatlantik hemmt. Doch vollständige Entwarnung gibt es nicht: Auch wenige Stürme können katastrophale Schäden anrichten, wie die jüngste Vergangenheit zeigt.

​Was ist El Niño?

El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen im Pazifik, das alle zwei bis sieben Jahre auftritt und weltweite Auswirkungen auf Wetter und Meeresströmungen hat. Normalerweise wehen Passatwinde das warme Oberflächenwasser von der südamerikanischen Küste westwärts nach Asien, während vor Peru kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser aufsteigt. Bei einem El Niño schwächen sich diese Winde ab oder kehren sich sogar um. Das warme Wasser fließt zurück nach Osten, die Meeresoberfläche im zentralen und östlichen Pazifik wird ungewöhnlich warm.

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Diese Temperaturänderung beeinflusst die Luftzirkulation weltweit. Im Atlantik führt El Niño zu kühleren Gewässern und mehr Windscherung – ungünstige Bedingungen für Hurrikane. Im Nordwestpazifik dagegen begünstigt derselbe Effekt die Bildung von Taifunen. Der Name "El Niño" (spanisch für "das Christkind") stammt von peruanischen Fischern, die das Phänomen oft um Weihnachten beobachteten, wenn ihre Fischgründe plötzlich verschwanden.

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Nach zwei verheerende Hurrikan-Jahren lässt die Prognose aufatmen

Die Hurrikansaison 2025 brachte drei Kategorie-5-Hurrikane – die zweithöchste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen. Unter ihnen war Melissa mit 185 mph (295 km/h) anhaltenden Winden einer der intensivsten Atlantik-Hurrikane überhaupt. Der Sturm verwüstete Westjamaika, wobei laut Weltbank Schäden von 8,8 Milliarden Dollar entstanden. Größere Häfen und Marinas erlitten totale oder nahezu totale strukturelle Schäden. Die Verfügbarkeit von Liegeplätzen wird auf absehbare Zeit als unzuverlässig eingestuft.

Das Jahr 2024 war mit 18 benannten Stürmen, 11 Hurrikanen und 5 schweren Hurrikanen ebenfalls extrem aktiv. Die wirtschaftlichen Verluste wurden auf über 140 Milliarden Dollar geschätzt, begleitet von 378 Todesopfern. Beryl wurde zum frühesten jemals aufgezeichneten Kategorie-5-Sturm, Helene forderte 248 Todesopfer und verursachte 78,7 Milliarden Dollar Schaden, Milton entwickelte sich in weniger als 24 Stunden vom tropischen Sturm zum Kategorie-5-Hurrikan.

Alle drei Stürme waren so zerstörerisch, dass die Weltorganisation für Meteorologie ihre Namen aus der rotierenden Liste der zu vergebenden Namen für Stürme strich. Das geschieht nur bei besonders verheerenden Stürmen, um Verwechslungen in Forschung und Versicherungsdokumentation zu vermeiden und aus Respekt vor den Opfern. Diese Namen werden nie wieder für neue Stürme verwendet und bleiben damit Teil der Wettergeschichte.

Die Prognose von nur 2 schweren Hurrikanen für 2026 gegenüber 4 in 2025 und 5 in 2024 ist somit für die Region eine willkommene Nachricht.


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Die Versicherungsfrage: Nicht überall ist Schutz möglich

Neben der eigenen Sicherheit ist die Versicherungsfrage ein entscheidender Faktor. Die meisten Yachtversicherungen schließen Schäden durch Named Tropical Storms (benannte Wirbelstürme, NTA) in bestimmten geografischen Gebieten während der Hurrikansaison explizit aus. Versicherer decken Yachten generell nicht ab, wenn sie sich zwischen 10°N und 30°N während der Zeit vom 1. Juni bis 30. November befinden – also genau im Hurrikan-Gürtel während der Saison.

Einige Versicherungen bieten spezielle Hurrikan-Klauseln an, setzen aber strikte Bedingungen voraus: Das Boot muss entweder auf einem Stahllagerbock an Land gelagert sein, sicher mit Erdankern verbunden, und Mast sowie Baum müssen gesondert gelagert werden. Alternativ muss sich die Yacht in einem vorab genehmigten "safe port" befinden.

Nach den verheerenden Hurrikanen Irma und Maria 2017 haben viele Versicherungen ihre Policen drastisch verschärft. Einige Anbieter versichern Yachten in der Karibik während der Hurrikansaison überhaupt nicht mehr, andere nur noch zu 80 Prozent des Wertes und ausschließlich, wenn das Boot aus dem Wasser geholt wird. Selbst Grenada, das lange als sicher galt, wird von vielen Gesellschaften nicht mehr vollständig gedeckt.

Die Versicherungssituation im Pazifik ist ähnlich restriktiv. Versicherer decken Yachten generell nicht zwischen 10°S und 30°S vom 1. November bis 1. Mai ab – also während der Südpazifik-Zyklonsaison. Die vergleichsweise ruhige Prognose für 2026 ändert an den Versicherungsbedingungen nichts. Wer in den betroffenen Gebieten segeln will, muss entweder einen detaillierten Hurrikan-Plan mit der Versicherung vereinbaren, die Yacht während der Saison aus dem Risikogebiet bringen oder das finanzielle Risiko selbst tragen.

​Was Sportbootfahrer jetzt wissen sollten

Für Charter-Törns läuft die optimale Karibik-Saison von Dezember bis Mai. Wer bereits früher in der Saison in die Karibik reisen möchte, kann dies 2026 mit statistisch geringerem Risiko tun. Dennoch bleiben die Hurricane Holes relevant: Inseln wie Aruba, Bonaire, Curaçao, Barbados sowie Trinidad und Tobago liegen außerhalb des Hurrikan-Gürtels.

Für Bootseigner, die ihr Motorboot dauerhaft in der Karibik stationiert haben, bleibt die Frage: Wo soll das Boot während der Hurrikansaison liegen? Sogenannte Hurricane Holes wie Le Marin auf Martinique oder Rodney Bay Marina auf Saint Lucia bieten relative Sicherheit. Viele Eigner lassen ihre Boote während der Saison auch in Werften auf dem Trockenen – wichtig ist die Beurteilung, wie die Werft für Wirbelstürme ausgelegt ist.

Charter-Anbieter in der Karibik wie auf St. Martin/Sint Maarten haben ihre Flotten längst auf die Hurrikansaison eingestellt. Die meisten Anbieter ziehen ihre Boote aus dem Wasser oder bringen sie in geschützte Liegeplätze. Wer eine Charter plant, sollte sich vorab über die Hurricane-Policy des Anbieters informieren.

Und was bedeutet das für Nord- und Ostsee?

Die Effekte von El Niño fallen in Europa deutlich geringer aus als in den Tropen. Laut Deutscher Wetterdienst können El-Niño-Ereignisse zu stärkeren Kälteeinbrüchen in Zentraleuropa führen. Die Hauptsaison auf Nord- und Ostsee von Mai bis September dürfte davon weitgehend unberührt bleiben. Studien zeigen, dass die stärksten Auswirkungen auf Europa zeitlich verzögert eintreten.

Für heimische Sportbootfahrer ändert sich wenig: Die bewährte Törnplanung mit Wetterbeobachtung bleibt das A und O. Anders als in tropischen Gewässern, wo El Niño die Hurrikan-Aktivität direkt beeinflusst, sind die Auswirkungen auf das Bootswetter in deutschen Gewässern eher gering und indirekt.

Ursula Meer

Ursula Meer

Redakteurin Panorama und Reise

Ursula Meer ist Redakteurin für Reisen, News und Panorama. Sie schreibt Segler-Porträts, Reportagen von Booten, Küsten & Meer und berichtet über Seenot und Sicherheit an Bord. Die Schönheit der Ostsee und ihrer Landschaften, erfahren auf langen Sommertörns, beschrieb sie im Bildband „Mare Balticum“. Ihr Fokus liegt jedoch auf Gezeitenrevieren, besonders der Nordsee und dem Wattenmeer, ihrem Heimatrevier.

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