ReiseDie Müritz – Kleines Meer

Christian Tiedt

 · 24.11.2022

Blick vom Röbeler Binnensee über Bootshäuser und die Stege der Marina Röbel mit der Müritz im Hintergrund
Foto: Nils Günther

Die Müritz bietet selbst für eine ganze Woche unterwegs genügend Ziele. Zeit für einen Chartertörn der kurzen Wege!

Reine Größe war schon immer relativ. Die Müritz ist ein schönes Beispiel: Lässt man den Bodensee außer Acht, den sich gleich drei Anrainerstaaten teilen, dann ist sie Deutschlands größter See. Im europäischen Vergleich allerdings landet sie zwar gerade einmal auf Platz 143, zwischen dem Onkivesi in Finnland und dem Virihaure in Schweden. Doch wie gesagt, mit der Größe ist das so eine Sache. Denn bei der Anziehungskraft haben nicht nur die beiden direkten skandinavischen Mitbewerber keine Chance. Zumindest wenn es um Urlaub auf dem Wasser geht, sind nur wenige Binnengewässer bei den Sportbootfahrern ähnlich beliebt wie die Müritzregion in Mecklenburg-Vorpommern, egal, ob sie auf eigenem Kiel unterwegs sind oder auf Chartertörn. Entsprechend groß ist das Angebot für Ferienskipper.

Verlagssonderveröffentlichung

Viele dieser Charterfirmen haben zumindest einen ihrer Stützpunkte an der Müritz oder zumindest in ihrer Nähe. Der Grund dafür ist aber weniger ihre eigene Größe, sondern die zentrale Lage zwischen den westlich anschließenden Mecklenburgischen Oberseen, zu denen auch die Müritz selbst gehört, und der Kleinseenplatte im Südosten mit ihren anschließenden Gewässern. Das führt aber auch dazu, dass die meisten Crews die Müritz selbst nur als Etappe wahrnehmen, die in einem Rutsch absolviert wird, um in einer Woche möglichst viel vom Revier zu sehen.

Müritz: Ein Törn der kurzen Wege

Bei der großen Abwechslung und der herrlichen Natur, mit der die Kleinseenplatte zwischen Neustrelitz, Fürstenberg und Rheinsberg lockt, ist das kein Wunder. Viel Zeit für die Orte entlang der Müritz bleibt da selten. Etwas unfair, könnte man meinen. Und darum nehmen wir uns diesmal diese Zeit. Kann man sogar eine ganze Woche nur auf der Müritz verbringen, ohne Schleusen und Warteschlangen? Die einfache Antwort lautet: absolut. Willkommen auf dem Törn der kurzen Wege!

Lässt man den Bodensee außer Acht, den sich drei Anrainerstaaten teilen, dann ist die Müritz Deutschlands größter See

Unter blauem Himmel starten wir Mitte Mai in der Marina Eldenburg bei Waren. Die Ferienanlage am kleinen Reecksee (der zwischen Binnenmüritz und Kölpinsee liegt) ist außerdem Stützpunkt von Yachtcharter Schulz, zu dessen Flotte unser schwimmendes Zuhause für die kommenden Tage gehört, eine neue Gruno 37 Excellent. Keine Viertelstunde sind wir unterwegs, bevor sich die bewaldeten Ufer des einzigen Kanalstücks der gesamten Reise öffnen und uns auf die Binnenmüritz entlassen, den nördlichsten Teil der Müritz. Gegenüber im Nordosten sind schon die Türme der Stadt Waren zu sehen.

Wichtig: Betonnung beachten!

Die mittlere Tiefe der Müritz liegt bei gerade einmal 6,5 Metern, an flachen Stellen mangelt es also auch abseits des Uferbereichs nicht. Wer sich jedoch an die Betonnung hält, ist immer auf der sicheren Seite. So auch bei der Ansteuerung von Waren, wo eine ausgedehnte Untiefe nur einen Meter unter der Oberfläche lauert – der passend benannte Warener Berg. Schon eine Dreiviertelstunde nach dem Ablegen in Eldenburg liegen wir fest am vordersten Schwimmsteg des im-jaich Stadthafens Waren.

Vom Hafen zieht es die Ausflügler auf der Uferpromenade zum Kietzpark oder weiter stadteinwärts zum Neuen Markt

Die 20.000-Einwohner-Stadt ist das unbestrittene touristische Zentrum der Region. Im Hafen sorgt neben den Sportbooten auch die Weiße Flotte für ein ständiges Kommen und Gehen. Von dort zieht es die Ausflügler auf der Uferpromenade zum Kietzpark oder stadteinwärts zum Neuen Markt. Geschäfte, Cafés und Restaurants warten an jeder Ecke, wie der Ratskeller mit seiner deftigen Mecklenburger Küche. Hauptattrak­tion ist aber das Müritzeum, dessen gelungener Mix aus Erlebniszentrum, Aquarium und naturgeschichtlicher Ausstellung wirklich sehenswert ist und viel über die Region verrät. Überhaupt Natur: Waren liegt an der Türschwelle des Müritz-Nationalparks, der mit dem Fahrrad oder Bus gut zu erreichen ist.

Zahlreiche Sehenswürdigkeiten auch abseits des Wassers

Auch die Etappe des zweiten Tages ist kaum länger als fünf Kilometer: Über die Binnenmüritz geht es zurück und bei der Tonne „Ecktannen“ schließlich nach Süden, hinauf auf die offene Müritz. Bis zum südlichen Übergang in die Kleine Müritz wären es von hier rund 16 Kilometer oder etwa anderthalb Stunden Fahrt. Doch da wir diesmal ja die Ansage gemacht haben, später abzulegen und trotzdem eher anzukommen, laufen wir Klink an. Der entspannte Hafen befindet sich direkt am Westufer. Eine Steinmole schützt die Feststege mit Pfahlboxen (www.hafen-klink.de). Gleich südlich erhebt sich die prägende Silhouette des 1898 fertiggestellten Schlosses. Nach wechselvoller Geschichte ist es heute Wellness-Hotel. Die sommerliche Alternative ist der Badestrand Klink, den man zu Fuß in zehn Minuten erreicht. Nicht nur, dass der breite Sandstrand den Namen wirklich verdient, Bistro, Beach-Bar und SUP-Verleih sorgen zusätzlich für Urlaubsstimmung (www.strandlaeufer-mueritz.de).

Die nächste kurze Etappe führt ins Grüne, zum Wasserwanderrastplatz des Dorfes Sietow am gleichnamigen Seearm. Da wir zu einem Zeitpunkt eintreffen, als die letzten Spätaufsteher gerade ablegen, haben wir freie Wahl an dem langen, festen T-Steg und nehmen einen Platz ganz außen. Zwischen den schilfgesäumten Ufern der Bucht glitzert die offene Müritz. Nun zum Mittagsimbiss: Bei der Fischerhütte, nur ein paar Schritte entfernt am Hafen, kringelt blauer Rauch aus dem Schlot (www.fischerhuette-sietow.de). Mit Räucheraal und gebratener Müritzmaräne auf dem Brötchen, lassen wir bei den Bootsschuppen die Beine baumeln.

Röbel ist die kleine Schwester von Waren

Am nächsten Tag geht es weiter, bis wir den Röbeler Binnensee erreicht haben. Bunte Bootshäuser, Vereinsschuppen und Stege ragen ins Wasser, und nach einer letzten Biegung kommt auch Röbel in Sicht. Wir machen am städtischen Anleger gegenüber der gotischen Marienkirche fest, einem Schwimmsteg mit Fingerstegen (www.roebel.m-vp.de/stadthafen-roebel). Röbel ist wie die kleinere (und ruhigere) Schwester Warens: Während eines Stadtbummels trifft man auf die Spuren des Wachsergeanten Bartholomäus Bradhering oder des Stadtgründers Ritter Nicolaus zu Werle und kommt schließlich zur historischen Mühle auf dem ehemaligen Burghügel am Rande der Altstadt. Ebenfalls interessant (nicht nur bei schlechtem Wetter): das Erlebnisbad Müritztherme, etwa 1,5 Kilometer vom Anleger entfernt.

Und wieder geht es weiter nach Süden, herum um die Halbinseln Großer Schwerin und Steinhorn und vorbei am Campingplatz Ludorf. Im Hintergrund leuchtet immer wieder gelber Raps auf den Feldern. Unser Ziel ist Rechlin, das jedoch als einziger Ort nicht nur über einen Hafen direkt an der Müritz verfügt (nämlich die mit einem kurzen Kanal angebundene Marina des Hafendorfs Müritz im Claassee, sondern auch an der südlich anschließenden Kleinen Müritz. Dort kommen Gäste im Segler-Hafen Rechlin unter, der direkt am Ort mit guten Versorgungsmöglichkeiten liegt. Das Hafendorf befindet sich zwar drei Kilometer außerhalb, bietet dafür aber den Service einer großen Marina und grenzt zudem an das Gelände des sehenswerten Luftfahrttechnischen Museums.

Die Müritz - kein See wie jeder andere

Eigentlich wollten wir unsere Erkundung der Müritz mit ihrem südlichsten Ausläufer abschließen, dem rund acht Kilometer langen, landschaftlich sehr schönen Müritzarm. An dessen Ende befindet sich der schilfgesäumte Müritzsee mit den Schwimmstegen der Marina Buchholz. Doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung: Morgen soll es Starkwind geben, sechs bis sieben Beaufort aus Nord. Für die erneute Überquerung der Müritz ist das deutlich zu viel – und dazu noch aus der falschen Richtung. Also wenden wir den Bug nach dem Ablegen schon heute wieder Richtung Norden, mit der Aussicht auf einen weiteren gemütlichen Abend in Waren.

Es hat bereits aufgefrischt, als wir die offene Wasserfläche erreichen und sich unser Stahlverdränger gegen die ersten kurzen, steilen Wellen stemmt. Im Dunst beginnen sich die dunklen Ufer in grauem Nichts aufzulösen. Weiter wirkt die Müritz jetzt, größer. Wir verstehen plötzlich, warum sie für die slawischen Stämme, die einst hier siedelten, kein See wie jeder andere war. Und warum sie ihr diesen besonderen Namen gaben: morice. Kleines Meer.


Revierinfos Müritz

UNSER BOOT

  • Gruno 37 Excellent (Stahlverdränger)
  • Länge: 11,30 m
  • Breite: 3,75 m
  • Tief­gang: 1,00 m
  • Motor: Diesel (55 PS)
  • Kojen: 4 (2 Doppelkabinen) + 2 (Salon)
  • WC/Dusche: 2/2
  • Ausstattung: Bug- und Heckstrahlruder, Fernseher (DVB-T), 90-l-Kühlschrank, Heizung usw.
  • Wochenpreise: je nach Saison von 1795,50 bis 2840,50 €.
Wetter- und KlimakarteFoto: BOOTE
Wetter- und Klimakarte

CHARTERN

Unseren einwöchigen Chartertörn absolvierten wir mit einer Gruno 37 Excellent von Yachtcharter Schulz (s. oben). Die Firma gehört zu den größten Anbietern im Nordosten und verfügt derzeit über ein Netz von fünf Stützpunkten im Binnenbereich und an der Boddenküste, zwischen denen auch Einwegfahrten möglich sind. Dazu kommt eine Basis in Polen (Masuren). Start- und Zielort war in unserem Fall die Marina Eldenburg bei Waren. Auch das Revier der Mecklenburgischen Oberseen oder Kleinseenplatte lässt sich in dieser Zeit gut erkunden; auch für längere Törns gibt es Ziele. Information: Yachtcharter Schulz. An der Reeck 17, 17192 Waren/Müritz, Tel. 03991/12 14 15. www.bootsurlaub.de


Die TOP 3 im Revier

  1. Waren Kaffee am Hafen, Spaziergang am Wasser, dann die Ausstellung im Müritzeum bestaunen. Nicht verpassen!
  2. Röbel Gerade wenn man es nicht so eilig hat, sollte man sich einen Nachmittag in der Müritztherme unbedingt gönnen.
  3. Sietow Auf einem der zahlreichen Wanderwege lässt sich die Natur der Umgebung aus anderen Blickwinkeln entdecken.
Die Müritz | Karte: Christian Tiedt
Die Müritz | Karte: Christian Tiedt

Entfernungen

S Eldenburg (Charterbasis) – Waren: 4,5 km

  1. Waren – Klink: 6 km
  2. Klink – Sietow: 6,5 km
  3. Sietow – Röbel: 9 km
  4. Röbel – Rechlin (Segler-Hafen): 17 km
  5. Rechlin – Eldenburg (Charterbasis):5 km

Z Eldenburg (Charterbasis)

Gesamtstrecke: 68 km


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