Fabian Boerger
· 22.10.2026
Für Sportbootfahrer zählt nach schweren Hafenschäden zunächst, wann Liegeplätze und Versorgung wieder zur Verfügung stehen. In Kiels Sporthäfen hatte die schnelle Wiederherstellung nach der Ostsee-Sturmflut im Oktober 2023 deshalb Vorrang. Die Kieler Woche setzte dafür einen festen Termin. Nach Einschätzung von Philipp Mühlenhardt, Geschäftsführer der Sporthafen Kiel GmbH, gehörten die Kieler Häfen zu denjenigen, die besonders zügig wieder instand gesetzt wurden.
Drei Jahre später ist der Wiederaufbau dennoch nicht vollständig abgeschlossen. Vor allem ist ein reparierter Hafen nicht automatisch besser gegen die nächste Sturmflut geschützt.
Die Schäden der Ostsee-Sturmflut betrafen zahlreiche Häfen. Welche Möglichkeiten ein grundlegender Neuaufbau eröffnet, sah Mühlenhardt bei einem Hafenanrainertreffen im dänischen Nykøbing. Zum Programm gehörte die Besichtigung von Hesnæs. Die Kommune hatte die Wiedereröffnung des Hafens Hesnæs für den Sommer 2026 angekündigt und dabei eine widerstandsfähigere Anlage vorgestellt. „Die haben da ordentlich was umgesetzt“, sagt Mühlenhardt.
In Schilksee konzentrierte sich die Sporthafen Kiel GmbH zunächst auf das Notwendigste. Die Steinmole wurde erhöht, beschädigte Anlagen wurden instand gesetzt. Grundlegende Veränderungen, die Booten bei einer weiteren Sturmflut mehr Schutz bieten könnten, stehen laut Mühlenhardt noch aus.
Der Wiederaufbau des Hafens Damp zeigt einen anderen Ansatz. Einen vergleichbaren Umbau hält Mühlenhardt unter den damaligen Zeitvorgaben in Schilksee nicht für möglich.
Wie knapp größere Schäden an den Schwimmstegen verhindert wurden, beschreibt er anhand der Haltepfähle. An diesen wird der Steg durch sogenannte Pfahlschlösser geführt und kann sich mit dem Wasserstand auf und ab bewegen. Steigt das Wasser über die nutzbare Höhe der Pfähle hinaus, kann der Steg seine Führung verlieren.
„Rückblickend hatten wir auch etwas Glück, dass das Hochwasser nicht zehn Zentimeter höher war“, sagt Mühlenhardt. Nach seiner Einschätzung fehlten lediglich fünf bis zehn Zentimeter, bis die Stege über die Pfähle hätten steigen können.
Als mögliche Anpassung steht deshalb im Raum, die Haltepfähle mit angeschweißten Stücken zu verlängern. Auch Feststege wurden nach seinen Angaben bereits um 20 Zentimeter erhöht. Eine dauerhafte Lösung sieht er darin nicht: „Das reicht nicht ewig.“
Für Eigner mit einem Liegeplatz im Südhafen bleibt es vorerst bei festen Steganlagen. Ein Umbau auf Schwimmstege hätte nach Mühlenhardts Darstellung neue Haltepfähle und eine Kampfmittelräumung erfordert. Teile des Hafens wären dadurch über längere Zeit nicht nutzbar gewesen.
„Für neue Pfähle wäre eine Kampfmittelräumung notwendig gewesen. Das würde bedeuten, dass man drei bis vier Jahre Teile des Hafens nicht hätte benutzen können“, sagt er. Auch die Austragung der Kieler Woche wäre damit aus seiner Sicht infrage gestellt gewesen.
Die Entscheidung fiel deshalb zunächst zugunsten der vorhandenen Anlagen: reparieren und Liegeplätze wieder bereitstellen, statt den Hafen grundlegend umzubauen.
Während viele Bootseigner ihre Liegeplätze längst wieder nutzen, dauert die Aufarbeitung im Hintergrund an. Nach Mühlenhardts Angaben erschien die Förderrichtlinie für die Reparaturmaßnahmen erst im März 2024. Zu diesem Zeitpunkt waren die Arbeiten in Schilksee bereits weit fortgeschritten.
„Allerdings gab es rückblickend Kriterien, die uns als privatem Unternehmen nicht bekannt waren“, sagt er. Die schnelle Instandsetzung müsse deshalb im Nachhinein aufwendig dokumentiert und förderrechtlich aufgearbeitet werden.
Noch nicht abgeschlossen ist auch die Schadensbeseitigung in Wellingdorf. Dort rutschte während der Sturmflut eine Böschung ab. Zum Projekt gehören eine Kampfmittelräumung und eine neue Spundwand. Mühlenhardt beziffert die Kosten auf 1,6 Millionen Euro. Nach seinen Angaben trägt die Sporthafen Kiel GmbH davon 25 Prozent, das Land Schleswig-Holstein übernimmt 75 Prozent.
Für den künftigen Schutz der Liegeplätze in Schilksee ist ein neuer, höherer Wellenbrecher im Gespräch. Bei weiteren Investitionen spielt nach Mühlenhardts Darstellung allerdings auch die Olympia-Bewerbung eine Rolle.
Die Planung soll vermeiden, dass Bauwerke später für mögliche olympische Anforderungen erneut verändert werden müssen. „Man will das nicht doppelt machen“, erklärt er.
Die Aussicht auf zusätzliche Infrastrukturinvestitionen erschwert damit zugleich die Entscheidung, welche Schutzmaßnahmen bereits unabhängig davon umgesetzt werden sollen.
Im Wiking Yachthafen in Schleswig setzt Inhaber Björn Hansen auf bauliche Vorsorge und ein früheres Saisonende im Wasser. So soll die bestehenden Mole mit mehr als 2.000 Tonnen Steinen verstärkt werden. Sie soll dabei um rund einen halben Meter wachsen und den Welleneintrag in den Hafen verringern.
Für Eigner betrifft die zweite Veränderung unmittelbar die Planung des Winterlagers: Hansen nennt als früheren Auskrantermin den ersten statt wie sonst üblich den 15. Oktober. Damit möchte er die Wasserliegezeit zum Saisonende verkürzen und die Eigner stärker für das Sturmflutrisiko sensibilisieren. Bei der Sturmflut im Oktober 2023 hätten aus seiner Sicht noch zu viele Boote im Wasser gelegen.
Sein Ansatz verbindet damit besseren baulichen Schutz mit einer veränderten Organisation des Saisonendes. Vollständige Sicherheit vor Schäden bietet eine höhere Mole allein nicht.
Motorbootfahrer können den Sportboothafen Schleimünde bereits seit 2024 wieder nutzen. Nach Angaben von Marc Müller, erstem Vorsitzenden des Fördervereins Naturnaher Wasserwanderplatz Schleimünde, waren Stege und Stromversorgung damals wiederhergestellt. Neue Stromsäulen und reparierte Stege ermöglichten die Rückkehr zum Hafenbetrieb.
Die Stege gehören dem Förderverein. Ihre inzwischen schrittweise fortgesetzte Erneuerung dient laut Müller nicht mehr der Beseitigung von Sturmflutschäden, sondern der Behebung normalen Verschleißes. Finanziert werden die laufenden Arbeiten aus den Hafengeldern. Bei regelmäßigen Aktionstagen kümmert sich der Verein um die Anlage. Auch den Weg zum Leuchtturm machten die Helfer wieder begehbar.
Für die Ausflugsschifffahrt dauerte die Unterbrechung länger. Nach Müllers Angaben liefen die Schiffe Schleimünde 2024 nicht und 2025 erst ab August wieder an, nachdem der Steg der Stadt Kappeln fertiggestellt war. Die Wiederherstellung der Sportbootliegeplätze und die Rückkehr der Fahrgastschiffe waren somit getrennte Schritte.
Noch ausstehend ist in Schleimünde die Instandsetzung der beschädigten Mole. Besonders stark seien die Schäden auf der Seite Richtung Olpenitz, sagt Müller. An der Steinmole Richtung Maasholm müssten zudem rund 50 Meter wieder aufgefüllt werden, um den Schutz vor Ausspülungen und Wellenschlag zu verbessern.
Wegen der Kosten werde eine gemeinsame Umsetzung mit Damp oder Maasholm angestrebt. Wann die Arbeiten beginnen, ist nach seinen Angaben noch unklar. Für die Nutzer des Hafens bleibt damit ein wichtiger Teil der Schutzanlage auf der Liste der offenen Maßnahmen.
Wer Schleimünde auf dem nächsten Törn anläuft, findet inzwischen auch wieder ein gastronomisches Angebot. Die „Lütte Giftbude“ im Hafenmeisterbüro bietet unter anderem Flammkuchen, Pizza und Fischbrötchen an.
Die ursprüngliche Giftbude wurde bei der Ostsee-Sturmflut schwer beschädigt. Nach Müllers Darstellung hat die Eigentümerin, die Lighthouse Foundation, das bisherige Projekt nicht weitergeführt. Der Förderverein hat das Hafenmeisterbüro und die Sanitäranlagen angemietet. Die Zukunft der ursprünglichen Giftbude bleibt offen.

Redakteur News & Panorama
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