SchiffsunglückErster Offizier sitzt in U-Haft – Ermittlungen in Kroatien dauern an

Leonie Meyer

 · 22.06.2026

Die Fähre "Krilo Eclipse" kollidierte am 14. Juni mit einem Segelboot. Dabei kamen vier Personen ums Leben.
Foto: dpa/picture alliance

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Bei einer Kollision zwischen einer Fähre und einem Segelboot am Sonntag, dem 14. Juni, zwischen den Inseln Brač und Šolta kamen vier Segler ums Leben. Der Erste Offizier des Katamarans befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen in Kroatien zur Ursache dauern weiterhin an.

Eine Tragödie ereignete sich in der Meerenge Splitska Vrata zwischen den Inseln Brač und Šolta am Sonntagmorgen (14. Juni). Der Katamaran „Krilo Eclipse“ rammte auf der Linienstrecke zwischen Split und Hvar eine Segelyacht vom Typ Beneteau Oceanis 56.1. Nach dem Zusammenstoß sank das Segelboot sofort. Eine großangelegte Such- und Rettungsaktion wurde umgehend eingeleitet. Vier Personen wurden aus dem Wasser geborgen und ins Krankenhaus gebracht. Drei weitere Personen konnten nur noch tot aufgefunden. Die Suchmaßnahmen liefen die ganze Nacht über weiter. Am Montag (15. Juni) entdeckten Polizeitaucher das Wrack der Yacht in mehr als 50 Metern Tiefe und fanden die Leiche der vermissten Person im Inneren des Schiffes. Die Meerenge Splitska Vrata ist in der Saison dafür berüchtigt, dass sich dort häufig gefährliche Szenen abspielen.

Erste Erkenntnisse nach der Kollision in Kroatien

Die Ermittlungen weisen auf gravierende technische Mängel hin, wie verschiedene kroatische Medien berichten. Zum Zeitpunkt der Kollision sollen weder das Radar noch das Kollisionswarnsystem des Katamarans funktioniert haben. Der Kreiselkompass sei völlig ausgefallen. Trotz dieser Ausfälle fuhr der Katamaran mit 32 Knoten durch die Meerenge. Die Geschwindigkeit wurde als unangemessen für die Schiffsverkehrsdichte in diesem Seegebiet eingestuft. Der kroatische Innenminister Davor Božinović bestätigte den dringenden Verdacht, dass auf der Brücke des Katamarans keinerlei Maßnahmen zur Kollisionsverhütung ergriffen wurden. Die Passagiere des Katamarans wurden in Milna an Land gebracht, bevor sie ihre Reise nach Hvar an Bord eines anderen Schiffes fortsetzten. Die „Krilo Eclipse“ wurde in den Hafen von Split geschleppt, wo Ermittler die Untersuchung des Schiffes starteten. Das Schiff weist sichtbare Schäden an der Steuerbordseite des Rumpfes auf.

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Segelboot nur eingeschränkt manövrierfähig

Das Segelboot war zum Zeitpunkt der Kollision ausschließlich unter Segeln und ohne Einsatz des Motors unterwegs. Die Yacht kam von rechts auf den Katamaran zu, hatte aber durch den reinen Segelbetrieb stark eingeschränkte Manövriermöglichkeiten. Im Moment des Unglücks steuerte ein 64-jähriger Tscheche die Yacht, der bei dem Zusammenstoß ums Leben kam. Dieser Mann war laut Medienberichten im Chartervertrag nicht als offizieller Skipper eingetragen. Er versuchte im letzten Moment, die Kollision zu vermeiden, ebenso wie der Erste Offizier der Fähre, der die Geschwindigkeit reduzieren wollte. Der tatsächlich registrierte Skipper der Segelyacht verließ Kroatien unmittelbar nach seiner eigenen Entlassung aus dem Krankenhaus.

Kapitän fehlte auf der Brücke des Katamarans

Die Ermittlungen ergaben, dass sich der reguläre Kapitän zum Zeitpunkt des Aufpralls nicht auf der Kommandobrücke befand. Die Verantwortung trägt stattdessen der 33-jährige Erste Offizier. Das berichtet unter anderem morski.hr. Gemäß dem Seerecht muss sich der Kapitän zum Zeitpunkt der Durchfahrt durch die Straße von Split nicht auf der Brücke befinden, da die Meerenge rechtlich nicht als enge Meerenge gilt. Der Erste Offizier besaß zu diesem Zeitpunkt die alleinige Befehlsgewalt über das Schiff. Der Kapitän des Katamarans wird nicht angeklagt. Die kroatische Polizei nahm somit den Ersten Offizier fest, der in Untersuchungshaft sitzt. Gegen ihn wird wegen der fahrlässigen Verursachung eines schweren Seeunfalls mit Todesfolge ermittelt. Das Vorgehen der Behörden sei bemerkenswert schnell, wie Revier-Insider berichten. Im Gegensatz zu den oft langwierigen Untersuchungen nach Schiffsunglücken in der Adria, die bis zu einem Jahr dauern können, handelt die Justiz in diesem Fall außerordentlich schnell.

Schwere Vorwürfe gegen den Ersten Offizier

Dem Seemann drohen nach Artikel 227 des kroatischen Strafgesetzbuches zwischen drei und 15 Jahren Haft. Zudem geht die Staatsanwaltschaft nicht von einem simplen menschlichen Fehler am Ruder aus. Dem Ersten Offizier wird konkret zur Last gelegt, die Vorschriften für die Sicherheit im Seeverkehr bewusst und mit voller Absicht missachtet und damit den Verkehr massiv gefährdet zu haben, so der Revier-Insider. Die Ermittler unterscheiden rechtlich zwischen den Handlungen der Schiffsführung selbst und den tragischen Folgen. Nach aktuellem Ermittlungsstand hat der Erste Offizier bewusst die Regeln für sichere Navigation und Ausweichmanöver missachtet. Der Tod der vier tschechischen Seeleute wird rechtlich als fahrlässige Tötung bewertet. Da der Regelbruch zum Tod mehrerer Menschen führte, ist das Gesetz mit einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verknüpft. Aufgrund der laufenden Untersuchungen wollte der Hafenkapitän keine weiteren Informationen bekannt geben, das berichtet Večernji.


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Leonie Meyer

Redakteurin Wassersport Digital-Redaktion

Leonie Meyer wuchs mit dem Bootfahren in Kroatien auf und blätterte schon als Kind durch das BOOTE-Magazin ihres Vaters. Während und nach ihrem abgeschlossenen Internationalen Journalismus-Studium absolvierte sie Praktika bei verschiedenen Medien im Ausland. 2020 zog sie es für ein Praktikum zum BOOTE-Magazin, weshalb sie nach ihrem Volontariat bei einer Tageszeitung zurückkehrte. Seit 2023 arbeitet Leonie Meyer als Redakteurin in der Wassersport Digital-Redaktion und ist neben dem Betreuen der Websites unter anderem für den YACHT-Podcast zuständig.

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